Roda Degen-Faschinger, Barbara Calri, Gudrun Maier. © Nikola Milatovic

Die neue Produktion der Rabtaldirndln, die ihre Premiere am 12. Dezember im studio brut hatte, beginnt mit einem Ende: Auf drei nebeneinander projizierten Videoeinspielungen sieht man „Sonja“ (Rosa Degen-Faschinger), „Renate“ (Barbara Carli) und „Marianna“ (Gudrun Maier) ihre letzten Wünsche, Anweisungen und Verbote formulieren. Sie liegen im Sterben und wollen sich mehr oder minder gut aus dem Leben verabschieden.

Angela Heide
Entenvolk mit Truthahn und Mutter (Patrik Hullman, Una Zubović)

Diese Märchen, uraufgeführt 2013 an der Volksoper, ist scharf zweigeteilt. Andrey Kaydanovskiy choreografierte nach dem Märchen von Hans Christan Andersen „Das hässliche Entlein“ in eigenständiger, zeitgemäßer Tanzsprache ein Tanztheater, das inhaltlich auch Erwachsene sowohl inhaltlich als auch mit den tänzerischen Bewegungen befriedigen kann. Vesna Orlic konzentrierte sich in „Tausendundeine Nacht“ auf die Geschichte von „Aladin und die Wunderlampe“ und vermittelt mit einem pseudoorientalischen Bewegungsvokabular eine kaum mehr aktuelle Ästhetik.

Ditta Rudle
Hyäne, Rabe, Hai wollen ihr Element verlassen.

Der Rabe will ins Wasser tauchen, der Hai lieber die Erde, Blumen und Bäume sehen, und die Hyäne möchte in den Lüften fliegen. Drei junge Tänzer / Schauspieler erzählen Kindern ab 4 von der Sehnsucht nach Neuem, von der Angst vor Fremdem und der Freundschaft zwischen Andersartigen. Das junge Publikum ist der wortlosen Handlung von „H(A)i Herr Raabe, eine Frage: Wer kann die Hyäne zähmen?“ konzentriert gefolgt und hat sich dabei bestens unterhalten. Die etwas behäbige Länge des Titels entspricht keineswegs dem fröhlichen Drive des im Dschungel uraufgeführten Tanztheaters.

Ditta Rudle
"Kreatur": Auftritt in weißen Kokons. © Sebastian Bolesch

Ein schonungsloses Abbild der entmenschten „Kreatur“. Diesen Titel gab die in Berlin lebende Choreographin Sasha Waltz ihrer nun im Festspielhaus St. Pölten als Österreich-Premiere aufgeführten szenischen Arbeit, die mit eindringlichen Bildern, nicht zuletzt wegen der teils skulpturalen Kostüme, sezierend auf den Zustand der heutigen Gesellschaft blickt.

Rando Hannemann
"Rule of Three", Tanzlust in Club-Atmosphäre. © Phil Deprez

Mit einem ohrenbetäubenden Paukenschlag eröffnet der amerikanische Drummer NAH Jan Martens Stück „Rule of Three“, das am 6. Dezember im Tanzquartier Österreichpremiere gefeiert hat. Mit voller Kraft und treibenden Beats dirigiert NAH weiterhin ein Trio aus zwei Tänzern und einer Tänzerin. In der dicht gefüllten Halle G lässt sich das Publikum scheinbar in Trance versetzen. 70 Minuten Faszination ohne Rascheln und Husten, Tanz im Club der Kontraste.

Ditta Rudle
"Requiem" mit bocksfüßigem Dämon (Matteo Haitzmann)

Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub und das Ewige Licht. „Requiem“ nennt Simon Mayer sein neues Stück, das er gemeinsam mit den Musikern Matteo Haitzmann und Sixtus Preiss erarbeitet hat. Dabei hat er etwas zu tief in die Kitschkiste gegriffen. Die Uraufführung der Koproduktion des Vereins Kopf hoch und brut hat am 5. Dezember im Odeon stattgefunden.

Ditta Rudle