Julischka Stengele, fotografiert von Barbis Ruder.

Riot don’t Diet / Aufstand gegen die Körperstandards. Diesen Protest probt Julischka Stengele mit ihrer Vorstellung  „Bodies of Water“ und stellt Im Tanzquartier ihren Körper multimedial zur Schau. Die voll beleibte Performerin bewegt sich anmutig durch die dunklen Tanzquartier Studios und nutzt dabei Wasser in unterschiedlichen Varianten als Spielelement, um die Grenzen zwischen ihr und der Außenwelt verschwinden zu lassen. Ihr korpulenter Körper ist entweder von einem knappen Bikini bedeckt oder aber gänzlich entblößt, sodass jede Feinheit ihres Körpers beobachtet werden kann.

Tania Napravnik
"Movements to Stravinsky":Alice Firenze inmitten des Ensembles.

Die letzte Ballettpremiere der Ära Legris an der Staatsoper ist sicher nicht der Höhepunkt dieser Saison. András Lukács Choreografie „Movements to Stravinsky“ ist der Glanzpunkt dieses dreiteiligen Abends, in dessen Mitte „Between Dogs and Wolves“ des schwedischen Choreografen Pontus Lidberg steht. Nacho Duatos Requiem „White Darkness“ bildet den Abschluss. Der Premierenapplaus am 4.3. galt wohl mehr dem Wiener Staatsballett als den beiden neuen Aufführungen.

Ditta Rudle
Deborah Hay, Mitbegründerin des postmodern dance in den USA.

Mit ihrem Solo „my body, … revisited“ macht Deborah Hay, eine der einflussreichsten Tänzerinnen und Choreografinnen des amerikanische postmodern dance, klar, dass einmal Tänzerin immer Tänzerin bedeutet. Die Jahre, bei Hay sind es 79, spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Mit ihrer Choreografin und Lehrerin können die vier jungen Tänzerinnen und der Tänzer in „Animals on the Beach“ nicht konkurrieren. Im gut besuchten Tanzquartier / Halle G beobachtete das Publikum geduldig die spröden, stoisch ausgeführten Bewegungen. Dankt dem Quintett am Ende artig, spendet auch der weithin verehrten Solistin eher verhaltenen Applaus.

Ditta Rudle
Jan Machacek & Georg Blaschke: "ani_male" © Lisbeth Kovacic

Der Tänzer und sein Abbild, der Videokünstler und das Auge der Kamera: Georg Blaschke und Jan Machacek nennen ihre dritte gemeinsame Arbeit „ani–male“. Ein Kunstwort, das unterschiedlich zu lesen ist. Auf Englisch gehört, könnte es „irgendein Mann / jeder Mann“ heißen. Oder kommt es aus dem Lateinischen und bedeutet Tierwesen? Nicht wichtig: Sowohl der Mann wie das Tier sind im Raum, die von Machacek gesteuerte Kamera fängt den Körper ein, verdoppelt und fragmentiert ihn, beobachtet jede Bewegung, beleuchtet jede Pore. Sound, Videobilder und der Tanzkörper werden zu einer untrennbaren Einheit, wenn der Videokünstler Jan Machacek mit dem Tänzer Georg Blaschke zusammenarbeitet. Am 20.2. war Premiere des neuen Spiels im studio brut.

Ditta Rudle
Gefühlvoll und birillant: Roman Lazik, Nina Poláková.

Drei Ballette von drei britischen Meisterchoreografen werden an dem abwechslungsreichen Abend, der die Namen der Schöpfer als Titel trägt, geboten. Die Premiere dieser Trilogie hat am 31. Oktober 2017 stattgefunden. Jetzt ist der britische Abend nach der Vorstellung am 17.2. noch zweimal zu erleben. Mit tänzerischer Virtuosität erfreuen alle drei Stücke.

Ditta Rudle
Ballet Rambert tanzt "Enter Achilles" © Hugo Glendinng

In der Gaststätte herrscht eine ausgelassene Stimmung, Männer bewegen sich mit Biergläsern in den Händen zu Klassikern des Brit-Pop und -Rocks. In stürmischen Gruppenszenen kommt es immer wieder zu Kämpfen zwischen den Männern, wie auch intimen Annäherungen und leidenschaftlichen Umarmungen. In diesen vielschichtigen Spielen werden die Codes von Männlichkeit definiert: Wie weit kann ich gehen, ohne dass es dem Anderen zu viel wird? Wo endet das Spiel, wo beginnt die Grenzüberschreitung? Das Spiel der zärtlichen Liebkosungen und brutalen Attacken besteht darin, die unsichtbare Grenze von Hetero- und Homosexualität auszutanzen.

Tania Napravnik