Davide Dato (Conrad), Nikisha Fogo (Médora): Ein großartiges Debut.

Einzigartig. "Le Corsaire" glänzt in der 30., für diese Saison auch letzten, Vorstellung von Manuel Legris Choreografie des romantischen Balletts mit Debuts in nahezu allen Solorollen. Einzig Ioanna Avraam hat der Rolle der Zulméa schon oftmals Gestalt gegeben. Die beiden Ersten Solotänzerinnen Nikisha Fogo als Médora und Natascha Mair als Gulnare reißen das Publikum ebenso zu Beifallsstürmen hin wie Davide Dato als Conrad und Tristan Ridel als Lanquedem. Sveva Gargiulo und Madison Young tanzen als bezaubernde Odalisken zum ersten Mal. Heldenhaft ist Arne Vandervelde als Birbanto für Masayu Kimoto eingesprungen.

Ditta Rudle
"Yama", Uraufführung  mit Tanzlin.z

Der indisch-australische Choreograf Ashley Lobo hat mit dem Ensemble von Tanzlin.z sein Tanzstück „Yama“ einstudiert. Die Uraufführung der vielfältigen Reflexionen über den Tod, das Loslassen, das Reinigen und Verändern ist am 25. Mai in der BlackBox des Musiktheaters Linz lautstark bejubelt worden.

Ditta Rudle
mette Edvardsen, Matteo Fargion: Nur selten aufrecht. © Werner Strouven

Mit ihrer jüngsten Kreation begibt sich die norwegische Tänzerin und Choreografin ins weite Feld der Literatur. Oder richtig: sie legt sich hinein. Denn die als „Oper in Essayform“ bezeichnete Performance wird vor allem im Liegen ausgeführt. „Penelope Sleeps“, eine Veranstaltung der Wiener Festwochen im Tanzquartier, ist ein Werk der Stille, in dem Edvardsen das Warten der Penelope auf ihren in das Kriegsabenteuer gezogenen Mann Odysseus als Anker benutzt. Penelope wartet auf nichts. Das Publikum ist gebannt, schafft das Nichtwarten aber doch nicht zur Gänze. In den letzten 10 der 90 Minuten wird es unruhig. Der Applaus ist herzlich und anhaltend, kommt, der erlernten Gelassenheit sei Dank, ohne das oft unpassende Gejohle aus.

Ditta Rudle
"aCORdo" – Vier Interpreten aus den Favelas. © Bea Borgers

Agitationstheater im Stübchen. Die brasilianische Choreografin Alice Ripoll geht mit ihrer Gruppe Cia Rec auf das Verhältnis zwischen oben und unten, zwischen Besitzenden und Besitzlosen in Rio de Janeiro ein. „aCORdo“ („Vereinbarung“, das portugiesische Wort „cor“ bedeutet Farbe) ist 2017 als Auftragswerk für ein Festival in Rio entstanden und setzt sich mit der Einstellung der Stadt zu ihren Bewohner*innen auseinander. Vier Performer agieren in einem kleinen Raum, das Publikum muss nolens volens mitspielen. Am 14. Mai hat „aCORdo“ in der ehemaligen Eierbörse im Oden, einem schönen Zimmer mit großen Fenstern, Lustern an der Decken und Parkettboden unter den Füßen, stattgefunden.

Ditta Rudle
Liudmila Konovalova (Médora), Kimin Kim (Conrad)

Kimin Kim, Principal Dancer beim Ballett des Mariinski-Theaters in St. Petersburg, hat das Wiener Publikum bereits als Albert im Ballett „Giselle“ begeistert. Im Mai war er zweimal als Conrad in Manuel Legris Adaptation des dreiaktigen Balletts von Marius Petipa zu sehen. Der in Korea geborene und ausgebildete Tänzer weiß, was dem Publikum gefällt und bietet eine großartige Show.

Ditta Rudle
Agnieszka Dmochowska Karin Pauer tanzen in  die Zukunft.

Der lange Titel gibt Auskunft über die Gedanken und das Konzept der Choreografin: „the next five hundred thousand years of movement“. Gemeinsam mit der Tänzerin Agnieszka Dmochowska blickt Karin Pauer zum zweiten Mal in die Zukunft der Bewegungen. Werden es in fünfhunderttausend Jahren noch menschliche sein? Eine ebenso unterhaltsame wie anregende, feinst konzipierte Arbeit in drei Akten.

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