Aus dem Dunkel ins Licht: "Quiet"

Ein Höhepunkt der zu Ende gehenden Halbsaison im Tanzquartier. Jefta van Dinther zeigt mit fünf Tänzerinnen aus dem Cullberg Ballet „The Quiet / Die Ruhe“. Ein dunkles Tanzstück wie ein Traum. Mit alltäglichen Bewegungen gehen die Frauen singend, sprechend und betend ihrer Wege. Die Zeit bleibt stehen. Uraufgeführt im Frühjahr 2019 in Berlin, hat das jüngste Werk des schwedischen Choreografen am 12. Dezember in Wien Premiere gehabt.

Ditta Rudle
Wo ist es sicher sicher? Suse Lichtenberger als Emigrantin.

Das Kollektiv Makemake hat sich mit „AndersLand“ wieder einmal selbst übertroffen. Puppen und Objekte, Gesang und Musik, Scherenschnitte, Modelle und Projektionen wachsen mit Sprache und Bewegung zu einem perfekten Ganzen zusammen. Inspiriert von Shaun Tans Grafic Novel „The Arrival“ ist dem Team unter der Regie von Sara Ostertag eine intensive Vorstellung gelungen, in der in wohltuendem Minimalismus von Flucht und Wanderschaft, von einer verlassenen und einer gesuchten neuen Heimat erzählt wird. Die Uraufführung hat im Frühjahr im Staatstheater Oldenburg (JUST) stattgefunden; die Österreich-Premiere war am 13.12. im Dschungel und wird ebendort am 14.12. festlich begangen.

Ditta Rudle
Die beiden Kinder (Rösler, Werner) und die Großmutter (Hemmer).

Nach dem Roman „Das große Heft“ von Ágota Kristóf hat Sara Ostertag im Kosmos Theater ein hybrides Stück gebaut, in dem das Eis des Romans durch allerlei Effekte zum Schmelzen gebracht wird. Text und Tanz, Musik und Gesang, buntes Licht und aus der Erde kriechende Körper werden zu einer schrillen Show, die unterhält und das Publikum auch zum Lachen reizt. Schaudern und Schrecken über die Verrohung der Menschen im Krieg, deren Grausamkeit und Brutalität, werden durch komische Effekte und den Einsatz von Farbkugeln verhindert.

Ditta Rudle
Das Chaos breitet sich aus: Jede(r) tanzt für sich allein.

Das Chaos sei willkommen, die Ordnung hat versagt“, setzt Elio Gervasi als Motto seiner neuen Gruppenchoreografie voran. Genau zitiert hat Karl Kraus (samt Strichpunkt) geschrieben: „Und das Chaos sei willkommen; denn die Ordnung hat versagt.“ Egal, so oder so, der Satz erklärt Gervasis Intention, wie auch die Tänzer*innen es mit dem Mikadospiel tun, dessen Stäbe sich immer wieder der Ordnung widersetzen.
Chaos und Ordnung, Leistungserwartung und Überforderung sind das Thema dieser bestens gelungenen, genreübergreifenden Choreografie, gezeigt an drei Abenden im Off Theater.

Ditta Rudle
Ballet of Difference: Tanz auf dem schmelzenden Eis.

Mit einer brandneuen Arbeit war der Choreograf Richard Siegal im Festspielhaus St. Pölten zu Gast. „New Ocean“, kreiert von Siegals Ensemble Ballet of Difference, ist am 27. September im Schauspiel Köln uraufgeführt worden und wurde dort wie auch in St. Pölten freundlich aufgenommen.

Ditta Rudle
Zur Ouvertüre tanzen die Prinzessinen. © Ketturkat

Verein zur Rettung der Dinge“ nennt der Künstler Peter Ketturkat das Dach, unter dem er arbeitet. Und Dinge sind es, brauchbare oder längst unbrauchbare, die er für sein Figurentheater verzaubert und in Prinzessinnen, Enten, Giraffen und Raupen verwandelt. „Keine Angst vor großen Tieren“, bereits ein vielfach ausgezeichneter Klassiker des Figuren- und Objektheaters, ist im November wieder im Dschungel Theaterhaus vor Menschen ab drei gezeigt worden. Der Begeisterungsfaktor hat nach 40 Minuten bei Klein und Groß das Ende der Skala erreicht.

Ditta Rudle