Das Chaos breitet sich aus: Jede(r) tanzt für sich allein.

Das Chaos sei willkommen, die Ordnung hat versagt“, setzt Elio Gervasi als Motto seiner neuen Gruppenchoreografie voran. Genau zitiert hat Karl Kraus (samt Strichpunkt) geschrieben: „Und das Chaos sei willkommen; denn die Ordnung hat versagt.“ Egal, so oder so, der Satz erklärt Gervasis Intention, wie auch die Tänzer*innen es mit dem Mikadospiel tun, dessen Stäbe sich immer wieder der Ordnung widersetzen.
Chaos und Ordnung, Leistungserwartung und Überforderung sind das Thema dieser bestens gelungenen, genreübergreifenden Choreografie, gezeigt an drei Abenden im Off Theater.

Ditta Rudle
Ballet of Difference: Tanz auf dem schmelzenden Eis.

Mit einer brandneuen Arbeit war der Choreograf Richard Siegal im Festspielhaus St. Pölten zu Gast. „New Ocean“, kreiert von Siegals Ensemble Ballet of Difference, ist am 27. September im Schauspiel Köln uraufgeführt worden und wurde dort wie auch in St. Pölten freundlich aufgenommen.

Ditta Rudle
Zur Ouvertüre tanzen die Prinzessinen. © Ketturkat

Verein zur Rettung der Dinge“ nennt der Künstler Peter Ketturkat das Dach, unter dem er arbeitet. Und Dinge sind es, brauchbare oder längst unbrauchbare, die er für sein Figurentheater verzaubert und in Prinzessinnen, Enten, Giraffen und Raupen verwandelt. „Keine Angst vor großen Tieren“, bereits ein vielfach ausgezeichneter Klassiker des Figuren- und Objektheaters, ist im November wieder im Dschungel Theaterhaus vor Menschen ab drei gezeigt worden. Der Begeisterungsfaktor hat nach 40 Minuten bei Klein und Groß das Ende der Skala erreicht.

Ditta Rudle
Ein sangeskundiger Frosch (Elina) mit Esel  (Martin) und Löwe (Gabi).

Wie immer der Montag gefärbt ist, blau, rot oder grün, kaum jemand, der ihn mag. Schüler*innen und Erwachsenen, den meisten fällt zum Montag nur „Bääh“ ein. Elina, Gabi und Martin von der schallundrauch agency wissen das auch und setzen alles dran, den schlechten Ruf von Montag zu ändern. Am 22. November war im Dschungel Theaterhaus Premiere, dann wird der Montag vorerst bis 28.November durchgewalkt und abgearbeitet. Das ist natürlich viel zu wenig, diese feine Unterhaltung muss auch im nächsten Jahr wieder auf die Bühne kommen.

Ditta Rudle
Danza permanente, Tanz in der Stille. © Thomas Dunn

Für eine Tournee hat DD Dorvillier ihre 2012 uraufgeführte Choreografie „Danza permanente“ nach Ludwig van Beethovens Partitur für sein Streichquartett Nr.15 in a-Moll op.132 neu einstudiert und auch im Tanzquartier, in Kooperation mit Wien Modern, gezeigt. Ein Stück über Musik (fast) ohne Musik, jedenfalls nicht der von Beethoven. Faszinierend und ein Genuss für alle Sinne. Der Genuss für Ohren liegt in der Stille.

Ditta Rudle
Marius, Stefan, Elisabeth an der Arbeit.

Mit der geistreichen musikalischen Performance des Saarbrückener Liquid Penguin Ensembles ist dem Dschungel in Zusammenarbeit mit Wien Modern ein echter Coup gelungen. „Gras wachsen hören“ ist aus einem Hörspiel entstanden und bringt die Pflanzenwelt zum Singen und Klingen. Die Uraufführung, eine Auftragsarbeit von Wien Modern, hat am 15. November im Dschungel Theaterhaus freudigen Anklang gefunden und auch das rege Interesse des Publikums in allen Altersstufen geweckt.

Ditta Rudle