Verstrickt im bunten Chaos. © Remo Fröhlicher/ Oltener Tanztage

Wie es weitergehen soll, überlegt der Schweizer Choreograf und Tänzer Thomas Hauert und nennt nach 20 Jahren Bühnenpräsenz sein jüngstes Tanztheater: „How to proceed“. Antwort gibt es keine, aber eine wunderbar leichte, witzige Aufführung, deren Sinn und Ziel sich dem Publikum erst nach genauem Hinsehen erschließen. Fröhlich und zufrieden haben die Zuseher:innen am Sonntagabend (27.7.) nach einer entspannenden Stunde das Akademietheater verlassen.

Ditta Rudle
Eva-Maria Kraft: "blending".

Der Tanzhistorikerin Andrea Amort ist es ein Anliegen, die Geschichte der Wiener Tanzmoderne aus dem Archiv heraus zu holen und auf der Bühne erlebbar zu machen. Für die von ihr 2019 kuratierte Ausstellung im Theatermuseum „Kosmos Wiener Tanzmoderne“ hat sie eine Reihe von jungen Tänzerinnen versammelt, die sich mit der reichen Fülle der Wiener Tanzmoderne auseinandergesetzt , Werke einstudieren, auf ihre Weise interpretiert haben, und sich auch zu eigenen Choreografien inspirieren gelassen haben. Ein Großteil dieses Begleitprogramms der Ausstellung ist im Rahmen von ImPulsTanz am 25. Juli im MuTh gezeigt worden.

Ditta Rudle
Anfangs spiegeln sich Banalität und Alltag, die gewohnte Umwelt.

Bilder der Auflösung. Die Grande Dame der französischen Choreografie, Maguy Marin, kennt keine Kompromisse, läuft nicht dem Publikum nach, folgt keinem Trend, sondern sagt, spröde und rau, was sie zu sagen hat, zeigt, wie es um die Welt steht: „Umwelt“, ein Tanztheater, das sie 2004 mit 53 geschaffen hat, und von Jahr zu Jahr aktueller wird. In einer Neuproduktion hat „Umwelt“ im ImPulsTanz Festival am 22. Juli im Volkstheater Premiere gehabt.

Ditta Rudle
Szene aus "Normal": Gemeinsam fallen.

Mit zwei Stücken war Choreograf Guilherme Botelho mit seiner Compagnie Alias im Rahmen des ImPulsTanz Festivals im Akademietheater zu Gast. Botelho hat bereits 2011 mIt seiner Schweizer Compagnie und „Sideways Rain“ das Publikum im Tanzquartier verblüfft. Zusätzlich war diesmal auch das 2018 entstandene Pendant „Normal“ zu sehen. Das Publikum hat leicht verwirrt gewirkt, sich aber schließlich zu lautem Jubel entschlossen.

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Claire Chevallier, Bösendorfer, Lisbeth Gruwez. © Alain Monot

Eine Tänzerin, eine Pianistin, die auf einem historischen Bösendorfer-Flügel die Tasten anschlägt: „Piano Works Debussy“ wird von Lisbeth Gruwez und Claire Chevallier auf die Bühne des MuTh gezaubert. Premiere war im Rahmen von ImPulsTanz am 21. Juli.

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"Cascade": Probenfoto

Immer wieder verschoben, ist „Cascade“, die jüngste Choreografie von Meg Stuart endlich als Uraufführung im Rahmen des ImPulsTanz Festivals zu sehen. Ein fulminantes Stück zur Zeit, über die Zeit, über Unsicherheit, Offenheit und Solidarität. Ein perfektes Zusammenspiel der bewegten Körper mit der Musik von Brendan Dougherty und dem Bühnen- und Lichtdesign von Philippe Quesne. Erwartungsgemäß ist die Uraufführung im Volkstheater am 17. Juli lautstark bejubelt worden.

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