Sylphiden oder Hexen in "Tanz"

Die Tänzerin und Choreografin Florentina Holzinger rundet, nach „Recovery“ und „Apollon“, mit „Tanz“ die Trilogie über den Körper als Spektakel ab. Getanzt wid dabei nicht, doch ein Spektakel ist es wohl, was da zwei Stunden lang im ausverkauften Tanzquartier / Halle G abrollt. Nackte Frauenkörper, die anfangs Sylphiden sein wollen, werden zu Hexen, die mit gewagter Akrobatik das Publikum in Staunen versetzen. Im ersten Akt widmen sich die zehn Darstellerinnen dem romantischen Ballet oder dem, was Holzinger sich darunter vorstellt, im zweiten rinnt Blut, künstliches und echtes.

Ditta Rudle
Pianistin Maria Radutu mit Solotänzer Eno Peçi. © privat

Eine Klaviervirtuosin und ein Solotänzer des Wiener Staatsballetts allein auf der Bühne. Ein seltenes Vergnügen. Die Pianistin Maria Radutu und der Tänzer Eno Peçi haben zwei Kunstformen zu verschmelzen und dennoch deren Eigenständigkeit zu erhalten. „Piano & Dance“ war im gut besuchten MuTh zu genießen. Mit den beiden hat sich auch der Wiener Komponist Marco Annau verbeugt, mit dessen Pianosolo „Ninni“ Radutu das Publikum begeistert hat.

Ditta Rudle
Farah Deen, Amabel Thomas, im Hintergrund Jerca Rožnik Novak.

Im Rahmen ihres Langzeitprojekts „B-Girl Circle“ lässt die Choreografin Silk Grabinger mit ihrer Company Silk Fluegge ein mitreißendes Tanzstück im Dschungel Wien auf der Bühne kreisen. Drei Tänzerinnen sollen zeigen, dass B-Girls eigene Bewegungen haben und nicht den B-Boys hinterhertanzen müssen. B-Girling / B-Boying sind Tanzformen der Hip-Hop Bewegung und längst von der Straße auf die Bühne gewandert, als Wettbewerb (Battle) oder Performance. „Si(e)Si“ ist für junges Publikum ab 10 bis ∞ geeignet.

Ditta Rudle
Darm an Gehirn: "Einfrieren – Hochladen – Weiterleben".

Geistig anspruchsvoll und dennoch überaus unterhaltsam präsentiert das Kollektiv Spitzwegerich samt Puppen, Objekten und Innereien ihr neuestes Wissenstheater. „Einfrieren – Hochladen – Weiterleben“ beobachtet und untersucht die Utopie vieler Menschen, ewig zu leben. Die Uraufführung im Schubert Theater, Puppentheater für Erwachsene, am 25. September war ein voller Erfolg. Während der Aufführung gab es allerhand zu lachen, danach zu diskutieren.

Ditta Rudle
Kiyoka Hashimoto als bezaubernde Sylvia.

Oft genug hat der junge Tänzer aus Australien, Navrin Turnbull, Manuel Legris Choreografie „Sylvia“ schon gesehen, um eine Rolle als Solist zu wagen. Nach nur einer Saison wurde Turnbull zum Halbsolisten ernannt und in der 14. Aufführung des dreiaktigen Balletts als Aminta an die Rampe gestellt. Turnbull, in Stuttgart ausgebildet, hat alle Anlagen zu einem wunderbaren klassischen Tänzer, groß und schlank mit eleganten Bewegungen hat er sich auch in seinem Debüt als Partner von Kiyoka Hashimoto (Sylvia) tapfer geschlagen. Im ersten Akt noch etwas zaghaft, blass und unsicher, hat er sich, vielleicht durch Amors (der in dieser Choreografie Eros genannt wird) Kraft, freigetanzt und gemeinsam mit Hashimoto das aufmerksame Publikum begeistert.

Ditta Rudle
"Was ihr wollt": Eckenstein inszeniert Shakespeare.

Die Liebe ist ein seltsames Spiel. William Shakespeare hat das schon vor 400 Jahren gewusst hat, war als Ehrengast zur Eröffnung der neuen Dschungel-Saison geladen. Die künstlerische Leiterin Corinne Eckenstein hat die Übersetzung der Komödie „Was ihr wollt“ von Thomas Brasch inszeniert. Die Produktion ist eine Kooperation von Dschungel und diverCITYLab. Mit Präzision und Ideenreichtum ist ein unterhaltsames Spiel über die Liebe und ihre Irrwege im Zeitalter von Dating Portalen und Chatrooms entstanden.

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