Der bunte Haufen ist weiß: Simon, Siruan, Kajetan..

Kann man sich das vorstellen? Eine farblose Welt? Farben sind nämlich verboten im Dschungel, wer zuwider handelt, wird ins Strafkammerl geführt. Schon wenn die die drei Darsteller der Kompanie Freispiel auf der leeren Bühne im Dschungel erscheinen, wird mir weiß vor den Augen. Die drei Männer sind natürlich weiß, aber alles andere als Schneemänner. Mit dem weißen Megaphon werden die neuen Gesetze verkündet: Erlaubt ist nur das kostbare, reine, unantastbare Weiß. Erlaubt sind jedoch auch Slapstick und Unsinn, Blödeleien und eine ausgefeilte Mimik, präzise Vorbereitung und ein perfektes Timing. Gewünscht ist beste Unterhaltung für das Publikum ab 5.

Ditta Rudle
Die fröhlichen Akrobaten samt Akrobatin in "Skew-Whiff".

So wirklich genießen konnte ich an diesem dreiteiligen Abend nur „Skew-Whiff“ von Paul Lightfoot und Sol León. Weniger Freude macht Hans van Manens „Adagio Hammerklavier“. Die acht Paare in Jiři Kyliáns „Symphony of Psalms“, der „Psalmensymphonie“ von Igor Strawinsky, wie das 1978 entstandene Werk gemeinhin und auch bei der Premiere in der Wiener Staatsoper 2019 genannt worden ist, sind alle auch solistisch gefordert, da lassen sich Unsicherheiten leicht erkennen.

Ditta Rudle
Der verfremdete Körper des Tänzers Ian Kaler.

Eine Puppe, ein Erzähler, live auf der Bühne, ein Tänzer auf der Bildwand. Ian Kaler, Erzähler und Tänzer zugleich, zeigt in Le Studio die ersten Schritte der Recherchearbeiten für eine neue Performance-Serie, die den Titel „Auto-Fiction“ haben soll. Ein Film soll auch entstehen. Die Puppe ist fertig gebaut, Filmmaterial existiert bereit und Ian Kaler hat einen Text geschrieben, der von der Geschichte der hölzernen Puppe Pinocchio von Carlo Collodi (1826–1890) inspiriert ist. Die unterschiedlichen Medien – Sprache, Tanz, Stimme, Musik – fügen sich bestens zusammen, die einzelnen fertigen Kapitel sind durch Kalers Erzählung zusammengehalten, sodass dieses Showing gar nicht wie ein Fragment wirkt.

Ditta Rudle
"Blue Moon you saw…" auf der großen Bühne im Odeon.

Einladung in eine fremde Welt, Ankommen in einer vertrauten Welt, der Welt von Liquid Loft. Scheinbar vertraut? Chris Haring und seine Company feiern Geburtstag. Vor 15 Jahren hat Chris Haring mit dem Musiker Andreas Berger, der Tänzerin Stephanie Cumming und dem Dramaturgen Thomas Jelinek Liquid Loft gegründet. Sie sind alle auch heute noch auf der Besetzungsliste jeder Produktion zu finden. An die 20 sind es geworden, und nun das Geburtsgeschenk an sich selbst und das Publikum, vor dem Lok down begonnen und nun endlich zur Aufführung gelangt. Die Premiere hat am 6. Oktober im bis auf den letzten möglichen Platz gefüllten Odeon stattgefunden.

Ditta Rudle
Elda Gallo und Lisa Magnan sind ein Oktopus.

Ein Tanz über und unter dem Wasser. Drei Darstellerinnen, die Tänzerinnen Elda Gallo, Lisa Magnan und die bildende KünstlerinLUciana Bencivenga, die live zeichnet und malt, schaffen es, ein ernstes Thema mit Grazie und Fröhlichkeit für Kinder ab 4 aufzubereiten. Mit Gesang und Tanz und animierten Bildern erzählen sie vom Meer, den Fischen und Korallen und auch von der Menge an nicht verrottendem Plastik, das die Meere füllt. „Ocean“ ist ein unterhaltsames Tanzstück, an dem die kleinen Zuschauer*innen aktiv teilnehmen dürfen.

Ditta Rudle
Der vierfache Chor mit Gotho Griesmeier.

Eine großartige, spannende Multimedia-Performance, die wirklich alle Stückeln spielt: Musik, Schauspiel, Gesang und filmische Effekte im Spiegelkabinett. Thomas Desi ist ein Verehrer des russischen Filmemachers Andrej Tarkowskij (1932–1986) und hat sich intensiv mit dessen Leben und Werk beschäftigt. In „Tarkovsky – der 8. Film“ lässt er den Regisseur als Cowboy doppelt wieder erstehen und mit dem Schicksal hadern, weil es ihm nicht gegönnt ist, den 8. Film zu verwirklichen. Desi schenkt ihm den seinen.

Ditta Rudle