Hideo Yokoyama, 63. © Bungeishunju Ltd

Japanische Kriminalromane sind anders, und Hideo Yokoyamas Bücher sind noch einmal ganz anders. Mit seinem Roman „64“ hat er weltweit Millionen Leser*innen begeistert, indem er minutiös über die Polizeiarbeit erzählt. Unter dem Titel „50“ ist jetzt sein erster Kriminalroman auf Deutsch erschienen. Und wieder geht es um die Arbeit der Polizei, um Hierarchien und Konkurrenz, um Vertuschung und Korruption, um Manipulation und den Kampf zwischen Polizei und Presse. Mehr ein Sittenbild der japanischen Gesellschaft als ein Kriminalroman und dennoch überaus spannend.

Ditta Rudle
Anne Weber dichtet über Anne Beaumanoir. © Matthes & Seitz

Die Heldin, der Autorin Anne Weber ihr fantastisches Epos gewidmet hat, wird demnächst 97 Jahre alt, lebt in Frankreich und ist auch in der vielsprachigen Online-Enzyklopädie Wikipedia zu finden. Ganz sicher hat sich Anne, in der Familie Annette genannt, Beaumanoir nicht selbst hineingeschrieben. Sie hatte anderes zu tun. Mit viele Liebe und Poesie hat Anne Weber sie zur Hauptperson ihres jüngsten Buches gekürt.

Ditta Rudle
Dennis Lehane © Gaby Gerster / Diogenes Verlag

Gone Baby Gone“, erstmals auf Englisch 1998 veröffentlicht und 2000 übersetzt, ist ein Kultbuch und auch, seit 2007,  ein Kultfilm. Dem Diogenes Verlag ist es zu verdanken, dass die Romane der Kenzie & Gennaro-Reihe Lehanes nun sukzessive von Peter Torberg neu übersetzt worden sind und dadurch sowohl an Spannung wie an Ausdruckskraft gewonnen haben.

Ditta Rudle
Autorin mit Pfiff: Regine Koth Afzelius. © Edition Roesner

Die Museen sind geschlossen, doch die Bücher können jederzeit geöffnet werden, und wenn sie vom Betrachten der Bilder erzählen, dann ist man gleich mittendrin im Home-Museum. Regine Koth Afzelius ist das mit ihrem an Seiten zwar dünnen, an Inhalt aber prallen Roman „Der Kunstliebhaber“ hervorragend gelungen. Ein beflissener Führer leitet durch das gesamte Cinquecento im stets offenen privaten Museum und unterhält aufs allerbeste.

Ditta Rudle
Zwei Mal mit dem Booker Preis ausgezeichnet: Hilary Mantel © Das Erste

Am 9. April ist der letzte Band von Hilary Mantels Cromwell Trilogie erschienen, und noch bevor die Corona-Bestimmungen gelockert worden sind, hat der DuMont-Verlag bereits die 3. Auflage veröffentlicht. Die Kritiker*innen haben sich auch überkugelt, um diesen mehr als 1000 Seiten starken dritten Band (nach „Wölfe“, deutsch, 2009 und „Falken“, deutsch, 2012) mit dem mehrfach deutbaren Titel „Spiegel und Licht“ in den literarischen Himmel zu heben. Ob viele Leserinnen sich bis zum Ende, das ja bekannt ist, durchbeißen werden, wage ich zu bezweifeln. Wie so viele andere hochgelobte Werke wird auch dieses als Schmuckstück im Regal leuchten und die Belesenheit ihrer Besitzer*innen widerspiegeln.

Ditta Rudle
Hansjörg Schneider, mehrfach prämierter Schweizer Autor. © Philipp Keel / Diogenes

Peter Hunkeler, ehedem Kommissär in Basel, ist jetzt Privatmann, kann seinen Morgenkaffee vor dem Kiosk am Kannenfeldpark trinken, Zeitung lesen und dem Klang der Kirchenglocken lauschen. Könnte er, wenn nicht an diesem speziellen Sonntag im nahen Park eine Leiche liegen würde. Doch so wenig wie den Rentner Hunkeler der Tote interessiert, so desinteressiert ist auch der Autor, Hansjörg Schneider, an dem Kriminalfall. Lieber lässt er den Hunkeler die Verwilderung der Welt und die tröstliche Schönheit der Natur spüren. „Hunkeler in der Wildnis“ nennt Schneider seinen 10. Hunkeler-Roman, der gar kein richtiger Kriminalroman ist, sondern viel mehr, vor allem ein Blick auf die Natur und in die Menschen.

Ditta Rudle