Neuropsychologe und Erzähler Paul Broks © bbc.co.uk

Die „Odyssee eines Neuropsychologen“ nennt der Engländer Paul Broks sein jüngstes Buch: „Je dunkler die Nacht, desto heller die Sterne“. Für die Leserin ist es eine Odyssee durch die Gedankenwelt und die privaten und beruflichen Erlebnisse des klinischen Psychologen. Ausgangpunkt des Nachdenkens über Tod, Trauer und den Wert des Lebens ist der Krebstod der Ehefrau von Broks, den er nur schwer verkraften konnte.

Ditta Rudle
Autorin Christiane Neudecker. © Maurizio Gambarin

Fünf Theaterstudent*innen haben das Glück, unter hundert Bewerber*innen ausgewählt zu werden, um an der renommierten Piscator-Schauspielschule das Fach Regie zu studieren. Der Lehrer, Korbinian Brandner, wird als Gott angehimmelt, ist zugleich als Teufel verrufen. Im Prolog wird erklärt, dass einer aus der Runde sterben wird, und es ist bald klar, wer von den Fünfen das sein wird. Christiane Neudecker hat mit „der gott der stadt“ einen rätselhaften, vielschichtigen Roman geschrieben, doch der Schichten sind zu viele, was die Autorin mitteilen will, wird nicht ganz deutlich.

Ditta Rudle
Autorenbild von der Website: juliangough.com

Ein mit reichlich Spannungselementen aufgeladener Thriller, in dem die sich exponentiell steigernde Action wichtiger ist als die Hauptpersonen: Colt, ein fast Zwanzigjähriger, der sich lieber in der virtuellen Welt aufhält als im realen Leben; Naomi, seine Mutter, durch einen Missbrauch in der Kindheit traumatisiert und Ryan, der geschiedene Mann und Vater von Colt, der, immer unter dem Deckmantel der Liebe, zum Jäger der beiden wird. Julian Gough gibt mit „Connect“ vor allem jungem Publikum, das selbst die Welt durch eine VR-Brille sieht, leicht verdauliches Lesefutter.

Ditta Rudle
in Großbritannien hochgeschätzt: Ali Smith © Antonio Zazueta Olmos/ Luchterhand

Im Jahr 2016, als sich 51 Prozent der Briten für einen Austritt des Königreichs aus der EU ausgesprochen hat, musste Ali Smith, gebürtige Schottin, in die Tasten greifen, um ihren Schock zu überwinden und darüber nachzudenken, „was kulturell passiert, wenn etwas auf einer Lüge aufbaut.“ In ihrer eigenen assoziativen, auch verspielten, sanft fließenden Sprache hat Smith mit „Herbst“ einen so schönen Roman verfasst, dass man lesend viel zu rasch am Ende angekommen ist.

Ditta Rudle
Autor Kennth Bonert. © Richard Dubois

Mit seinem Erstling „Der Löwensucher“ hat der Südafrikaner Kenneth Bonert eine eindrucksvolle Familiengeschichte erzählt. Nun setzt er mit „Der Anfang einer Zukunft“ („The Mandela Plot“, Originaltitel) die Geschichte mit den Söhnen von Isaac Helger, dem aus Litauen nach Südafrika / Johannesburg eingewanderten Juden, fort. Marcus und Martin Helger sind tief in den südafrikanischen Bürgerkrieg und den Kampf für und wider die Apartheid verwickelt. Bonert kann sich nicht so recht entscheiden, womit er seine Leserinnen in seinem 600 Seiten langen Roman fesseln will. Mit einem Ausschnitt aus der bewegten Geshichte Südafrikas, mit einer Liebesgeschichte oder einem Thriller voll Hass und Gewalt?

Ditta Rudle
Erfolgsautor Christoph Poschenrieder. © Bastian Schweitzer / Diogenes

Der neue Roman von Christoph Poschenrieder kreist, überaus sichtbar, um den Autor Gustav Meyrink, der vom Außenamt in Berlin gegen Ende des 1. Weltkrieges einen sonderbaren Auftrag erhält. Er soll einen Roman scheiben, aus dem deutlich hervorgeht, wer am Ausbruch des Krieges schuld ist. Meyrink nimmt den Auftrag an, der braucht das Honorar. Poschenrieder sucht den Roman und findet einen Autor, der heute kaum mehr bekannt ist. Wie immer versteht es Poschenrieder, ein ernstes Thema mit leichter Hand und hintergründigem Humor anzupacken. Das Lesevergnügen ist garantiert.

Ditta Rudle