Erfolgsautorin Tayari Jones. © Nina Subin

Tayari Jones, geboren 1970 in Atlanta, Georgia, ist eine preisgekrönte Romanautorin. Als Barack Obama ihren jüngsten Roman „An American Marriage / In guten wie in schlechten Tagen“ 2018 auf seine Leseliste gesetzt hat, schnellten die Verkaufszahlen rapide in die Höhe. Der jetzt übersetzte Roman über zwei Familien, die ein Geheimnis teilen, in dessen Mittelpunkt zwei Mädchen heranwachsen, ist schon 2011 erschienen und spielt, wie alle Romane Jones, in Atlanta, wo BPoC (Black and People of Colour) die Mehrheit sind. Geheimnisse gebären Lügen, die Granate muss irgendwann gezündet werden. Das Desaster ist programmiert.

Ditta Rudle
Max wird König der Wilden Kerle.

Bald 60 Jahre ist es her, dass Max sein Wolfskostüm angezogen und die Mutter auf die Palme getrieben hat. Er ist ohne Essen ins Bett geschickt worden. Was dann passiert ist, erfahren Kinder und Eltern auf der ganzen Welt immer wieder von neuem. Die Rede ist von Maurice Sendaks wunderbarem Buch „Wo die wilden Kerle wohnen“. Die englische Originalausgabe, „Where the Wilde Things Are“ ist 1963 erschienen, 1967 hat Diogenes die gelungene Übersetzung ins Deutsche von Claudia Schmölders herausgebracht und seitdem immer wieder neu aufgelegt.
Max und die Wilden Kerle sind unsterblich.

Ditta Rudle
Ballettchef Martin Schläpfer in Düsseldorf. © Gert Weigelt

Der Tänzer und Choreograf ist nach erfolgreichen 10 Jahren als Direktor des Balletts am Rhein dem Ruf nach Wien gefolgt und nun Direktor und Chefchoreograf des Wiener Staatsballetts sowie auch Chef der Ballettakademie, die noch einige Zeit mit dem Schild „Renovierungsarbeiten im Gang“ geschmückt sein wird. In Wien gleicht der neue Direktor eher einem unbekannten Wesen, einstweilen kennt man nur den Namen und das Programm für seine erste Wiener Saison. Wer mehr über den Künstler und auch die Person erfahren will, vertiefe sich in die Gespräche, die Bettina Trouwborst von Juli 2019 bis April 2020 mit Martin Schläpfer geführt hat. „Martin Schläpfer. Mein Tanz, mein Leben“ bietet mehr als pure Information, ist angenehm zu lesen und eröffnet einen persönlichen Zugang zu Schläpfer, dessen schöne Sätze er in Wien ab September 2020 in die Tat umsetzen kann.

Ditta Rudle
Kent Haruf, Autor und Menschenfreund © Philippe Matsas Opale Leemage

Allmählich ist das halbe Dutzend Romane aus der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado, das der 2014 verstorbene amerikanische Schriftsteller Kent Haruf hinterlassen hat, auch in der deutschen Übersetzung voll. Sein letztes Buch, die Liebesgeschichte „Unsere Seelen bei Nacht“, ist als erstes für den Diogenes Verlag übersetzt worden und hat deutschsprachige Leser*innen sofort begeistert. Nun ist, nach „Lied der Weite“ („Plainsong“, 1999) und „Abendrot“ („Eventide“, 2004) auch die vorletzte Geschichte, „Benediction, 3013“ unter dem Titel „Kostbare Tage“ auf Deutsch erschienen. Haruf erzählt vom alten Dad Lewis, der weiß, dass er an Krebs sterben wird. Die Bewohner*innen von Holt und seine Frau Mary lassen ihn nicht allein.

Ditta Rudle
Guillaume Musso; Ein Bestseller nach dem anderen. © Emanuele Scocelletti.

Der fleißige Autor Guillaume Musso gehört zu den beliebtesten Autoren Frankreichs. Zwar haben ihn die Literaturkritiker*innen bisher ignoriert - zu leicht verdaulich, zu wenig stilistisch ausgefeilt, doch die Leserinnen ficht das nicht an. Mit seinem jüngsten, mit Krimi-Effekten garnierten Roman, scheint sich nun das Blatt zu wenden. Die Großkritiker haben Guillaume Musso zur Kenntnis genommen, wenn auch nicht mit tönendem Applaus. „Ein Wort, um dich zu retten“ – der deutsche Titel ergibt wieder mal keinen Sinn, im Original heißt der Roman „La Vie secrète des écrivains“, also „Das geheime Leben der Schriftsteller“ – ist nicht unbedingt Pulitzer Preis verdächtig, doch um eine Bahnfahrt von Wien nach Bregenz zu verkürzen, recht brauchbar. Danach kann man den Roman großzügig der Sitznachbarin für die Rückfahrt spendieren.

Ditta Rudle
Franz Hohler, Autor und Kabarettist. @ Luchterhand

Den Schweizer Autor Franz Hohler zu preisen, ist schwierig. Es ist bereits alles gesagt über den Poeten und Humanisten. Auch wenn der Preisregen überwiegend in seiner Heimat auf ihn herunterprasselt, so ist Hohler auch in den Nachbarländern kein Unbekannter. „Fahrplanmäßiger Aufenthalt“, eine Sammlung von Kurzprosa, Erdachtes und Erlebtes, findet den besten Platz neben dem Bett. Vor dem Einschlafen eine der kurzen Erinnerungen, Beobachtungen oder Kopfgeburten zu genießen regt zum Schmunzeln oder auch zum Nachdenken an, schlaflos machen Hohlers Texte jedoch nicht.

Ditta Rudle