Adrian Volkov: Das Duell. 1869. © wiki, free license

Auch Manuel Legris muss John Crankos „Onegin“ lieben. Nahezu dreißig Mal bescherte er dieses Feuerwerk der Emotionen nach dem Versroman von Alexander Puschkin dem immer wieder entzückten Ballettpublikum. Mit den Spitzentänzer*innen des Wiener Staatsballetts, Solist*innen und Corps, hat sich Vergnügung, Aufregung und Erschütterung jedes Mal verdoppelt. Die Vorstellung am 17.1. ist auch vom Publikum als besonders geglückt empfunden worden.

Ditta Rudle
Die Insekten tanzen im Bühnenlicht. © J. Hass

Zweimal ein wenig Gruseln und viel Erfahrung an zwei Abenden hintereiander. Das Figurentheaterkollektiv Spitzwegerich zeigt seine beiden Erfolgsstücke, „Welcome to the Insects“ und „Einfrieren, Hochladen, Weiterleben“ im Schubert Theater. Am ersten Abend soll Beziehung zwischen den Gliederfüßlern und den Zweibeinern verbessert und viele berichtet werden, wovon die meisten Zuschauer*innen keine Ahnungen haben. Am darauffolgenden Abend wird es wirklich ernst: Es geht um die Möglichkeit, den unweigerlichen Zerfall der Materie Mensch aufzuhalten.

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Die Walzerpaare auf spiegelndem Parkett.

Wenn die Kamera auf die schwellenden Brüste der Karyatiden im Goldenen Saal blendet oder am Plafond hängen bleibt, dann ist endlich das Wiener Staatsballett an der Reihe, oder ganz pragmatisch, die Magnetaufzeichnung wird abgefahren. Natascha Mair und Denys Cherevychko machen den Anfang im Winterpalais des Prinzen Eugen, wo vor gar nicht langer Zeit das Finanzministerium residiert hat. Das fließende  Kostüm von Mair, entworfen von Emma Ryott, entpuppt sich als Morgenmantel, und während sich Mair in ein knallrotes Ballkleid wirft, probiert Cherevychko allein zaghafte Sprünge.

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David mit dem Haupt Goliaths. © KHM-Museumsverband

Als düsterer Roman liest sich sein Leben, der jähzornige Sohn aus gutem Haus ist nach einem wechselvollen Dasein und einer steilen Karriere mit 39 Jahren elend zugrunde gegangen, von der Malaria ins Grab gezogen. Doch Raufhändel, Totschlag, Flucht und Gefängnis stehen nicht im Mittelpunkt der Geschichte: Michelangelo Merisi (1571–1610), genannt nach dem Herkunftsort seiner Eltern, Caravaggio, war ein berühmter Maler und gilt heute (wieder) als einer der bedeutendsten bildenden Künstler des Frühbarock. Noch bis 19. Jänner 2020 ist im KHM die eindrucksvolle Schau seiner Bilder zu sehen. Zeitgenossen und die Skulpturen seines etwas jüngeren Kollegen Gian Lorenzo Bernini ergänzen die Schau.

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Freude an der Bewegung auf dem Bühnenteppich.

Krabbelkinder entdecken den Tanz. Sanja und Till Frühwald / VRUM performing arts collectiv haben ein Konzept entwickelt, das den ganz Kleinen eine erste Begegnung mit der Bühne ermöglicht. Allerdings sind die Babys keine stummen Zuschauer, sondern Mitwirkende. Sie krabbeln, rollen, wackeln gemeinsam mit vier Performer*innen auf dem weichen Boden. Die Eltern sitzen am Rand und staunen.

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Debüt für Navrin Turnbull, mit Liudmila Konovalova in "Diamonds".

Die achte Vorstellung des Balletts „Jewels“ – wie gesagt wird, das erste klassische Ballett ohne Handlung – zeigt, wie sämtliche anderen sieben Vorstellungen auch, welches Juwel des gesamte Wiener Staatsballett ist. Manuel Legris Verdienst ist es, aus dem etwas vernachlässigten Ensemble, das sein Vorgänger Gyula Harangozó hinterlassen hat, ein internationales Ensemble zu bilden, das sich mit den großen Compagnien Europas vergleichen lässt.

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