Tanz der Hände und Buchstaben: "one" von Willi Dorner

Zwei in Einem. Nämlich zwei Choreografien von Willi Dorner an einem Abend im Tanzquartier. Am 16. November präsentierte der seit mehr als 20 Jahren von Wien aus international und auch interdisziplinär erfolgreich arbeitende Künstler das 2016 beim ImPulsTanz Festival als „work in progress“ gezeigte Duett „one“ in den Studios und kurz danach in der Halle G die ebenfalls im Duo im Rahmen von ImPulsTanz '18 aufgeführte Arbeit „many“, im Sommer 2018 noch mit der Beifügung „Arbeitstitel“ versehen. Zwei intelligente, die Zuseher*innen fordernde Choreografien, weit entfernt vom allgemeinen seichten Strom der Performance.

Ditta Rudle
Ein eindrucksvolles Bild: Die Rettung der Kinder aus  dem Meer.

Mit professionellen Tänzer*innen und fünf Kindern, begleitet von einem Streichquartett, zaubert Corinne Eckenstein mit Sanja Tropp Frühwald wunderbare Tanzbilder auf die Bühne. In „Über uns nur der Himmel“ wird der Millionen von Kindern, die vor dem Krieg in Syrien geflüchtet sind, gedacht. Sie haben alles zurückgelassen, auch ihr Bett. Nun schlafen sie auf der nackten Erde in einem Zauberwald. Die Choreografinnen Eckenstein und Sanja Tropp Frühwald haben sich  von den Bildern des schwedischen Fotografen Magnus Wennman und seinen auf den Flüchtlingsrouten durch Europa entstandenen Aufnahmen unter dem Titel "Wo die Kinder schlafen" inspirieren lassen.

Ditta Rudle
Sylvia,Nymphe der Diana mit Kolleginnen (Olga Esina).

Nach der 3. Aufführung des Balletts „Sylvia“ ist daran nicht mehr zu rütteln: Ballettdirektor Manuel Legris hat mit seiner Choreografie einen Haupttreffer gelandet. Die entschlafene Sylvia ist wieder zum Leben erwacht und mit ihr sämtliche andere Figuren aus der griechisch-römischen Mythologie. Am 12. November feierten die Erste Solotänzerin Olga Esina in der Titelrolle und Solotänzer Jakob Feyferlik als ihr Partner ein reichlich akklamiertes Debut. Das Corps de ballet hat an Sicherheit gewonnen, Damen wie Herren zeigten Energie und Tanzfreude.

Ditta Rudle
Hoch lebe Sylvia und Darstellerin Nikisha Fogo!.

Ein Triumph auf allen Linien. Nicht nur für den Choreografen Manuel Legris, der das Ballett "Sylvia" aus dem 19. Jahrhundert in das 21 geholt hat, ohne Technik und Stil des romantischen Balletts zu verleugnen, sondern auch für die Tänzerin der Titelrolle, Nikisha Fogo. Das Publikum war von ihrem Debüt ebenso begeistert wie die Direktoren des Hauses, Dominique Meyer (Oper) und Manuel Legris (Ballett). Auf offener Bühne wurde die aus Schweden stammende Solisten zur Ersten Solotänzerin ernannt.

Ditta Rudle
"Parade" Karin Schäfer Figurentheater. © Haari Weber.

Einen Sprung über hundert Jahre macht Karin Schäfer für die aktuelle Produktion des Figuren Theater: „Parade“, das Ballet réaliste in einem Akt, ist 1917 von den Ballets Russes in Paris uraufgeführt worden. In Zusammenarbeit mit dem Choreografen Valentin Alfery hat Karin Schäfer eine zeitgenössische Version entwickelt. Unter dem Motto „Figuren Theater trifft urban dance“ zeigt sie gemeinsam mit Tänzer*innen und Figurenspieler*innen „Parade“ als kubistisch angehauchtes Musik- und Tanztheater. Nur einmal am 4. März 2019 im MuTh.

Ditta Rudle
Negotiations – Verhandlungen, jeden Tag neu.

Tanzen, tanzen, tanzen, täglich acht Stunden, ein Jahr lang, vom 27. Jänner 2018 bis 26. Jänner 2019. 13 Tänzer*innen bewegen sich abwechselnd in einem kleinen Lokal in der Wiener Neustiftgasse. Freier Eintritt, Publikum jederzeit willkommen, darf raus und wieder rein, einmal, mehrmals, ganz nach Belieben. Zwei Tage nach dem festlichen Finale im Zimmer für ein Jahr wird im Tanzquartier, Veranstalter des Megaprojekts, eine erste Bilanz besprochen. Beteiligte aus dem Zentrum, also die Künstler*innen, und vom Rand, Zuschauerinnen und Zuschauer, tauschen ihre Erfahrungen aus, stellen Fragen und bekommen Antworten. „Reflexions“ dient dem Rückblick und Erfahrungsaustausch.

Ditta Rudle