Eva-Maria Schaller fotografiert von Franzi Kreis

Die einen nennen es Seele, die anderen Geist, die Dritten sprechen von neuronalen Prozessen, jedenfalls ist da mehr in unserem Körper als nur Wasser, Blut und Fleisch. Die Tänzerin Eva-Maria Schaller beschäftigt sich in ihrem Solo „What we hold inside“ all den Emotionen, Affekten, Erinnerungen und Vorstellungen, die einen Menschen bewegen. Die wechselnden Stimmungen zeigt sie in Bewegung und Mimik mit Ernsthaftigkeit und Ironie und verschönert den lauen Sommerabend mit purem Tanz.

Ditta Rudle
Im  Zelt auf der Zirkuswiese  verbeugen sich die Tänzer. © Archiv

Drei junge Tänzer und eine Tänzerin haben sich mit der Schönheit des Körpers in Bewegung auseinandergesetzt. Die Young Sharks sind die Nachwuchsformation der Company Hungry Sharks unter Valentin Alfery. Im Zelt auf der Zirkuswiese bringen Melissa Schuppe, Timo Bouter, Leon Bernhofer und Valentin Pezzei gemeinsam und mit Solos Leonardo da Vincis Vitruvianischen Menschen zum Tanzen. Der Titel, „1.618“, ist die irrationale Zahl in der Berechnung des Goldenen Schnitts.

Ditta Rudle
"Odyssee 2021, erster Knoten": Politiker*innen.

Ein erster Blick auf die Stationen einer Reise, die ein Jahr dauern soll und eigentlich erst im Oktober beginnt. Doch die Einladung des Wiener Kultursommers animierte Regisseur und Chef des TheaterArche, dem Publikum einen Vorgeschmack auf die Abenteuer eines Odysseus von heute zu geben. Die abwechslungsreiche Stunde auf der Pawlatschen in Penzing hat gezeigt, dass die Gefahren einer Reise die gleichen sind, sie werden nur anders genannt. Und, Mann bleibt Mann, Penelope ist wieder mal allein zu Hause.

Ditta Rudle
Fünf Töchter Medeas präsentieren sich offline, auf der Bühne.

Tatsächlich, die erste Nach-Corona Premiere. Live im Dschungel Wien. Damit kein Irrtum entsteht: Covid-19 hat sich keineswegs verabschiedet, grassiert immer noch, doch jetzt heißt es Eigenverantwortung zeigen, die vorgeschriebenen Bedingungen einhalten, dann öffnet sich nach mehr als drei Monaten wieder der Vorhang. Im Dschungel Wien dürfen „Medeas Töchter*“ laut und heftig werden und ihre Geschichten erzählen. Fünf sogenannte Systemerhalterinnen wollen nicht mehr unsichtbar sein. Das gelingt ihnen auf der Bühne bestens und perfekt.

Ditta Rudle
Lau Lukkarilla als liebliche Nyx. © Franzi Kreis

Ein Ereignis. Kein Virus kann Lau Lukkarila davon abhalten, ihr Solo „Nyxxx“ zu zeigen. Vor reduziertem, jedoch restlos begeistertem, Publikum hat die letzte Vorstellung für das heurige imagetanz-Festival von brut im Ankersaal stattgefunden. Niemand hat es sich nehmen lassen, danach schaumgebremst zu feiern.

Ditta Rudle
"Ductus Midi", Anne Lise Le Gac, Arthur Chambry. © Le Gac

Die französische Bühnenkünstlerin Anne Lise Le Gac ist nicht einzuordnen. Was sie dem Publikum vermittelt, ob allein, mit Partnern oder in der Gruppe, ist das Gefühl ungeahnter Freiheit. Gerade noch rechtzeitig vor der Schließung sämtlicher Theaterräume war sie mit dem Musiker Arthur Chambry, der Tänzerin Katerina Andreou und dem Vogelstimmenimitator Christophe Manivet im Tanzquartier zu Gast, um zu reisen, umherzuspazieren, zu wandern und auch zu basteln, zu tanzen und zu singen.

Ditta Rudle