Die französichen Jugendlichen zeigen, wie es ihnen geht. © Superamas

Das französisch / österreichische Kollektiv Superamas hat das bei den Wiener Festwochen im Museumsquartier uraufgeführte Stück „Chekhov Fast & Furious“ mit jungen Menschen aus Wien, Amiens und Maubeuge (Frankreich) und Reykjavik erarbeitet. Chekhov (Tschechov) und sein Drama „Onkel Wanja“ dienen dabei nur als Vehikel, um über das Theater und das persönliche Befinden zu plaudern. Ein Palaver mit Bewegung, von jungen Beteiligten für junge Zuschauer*innen gestaltet. Der passende Ort der Aufführung wäre der Dschungel Wien, Theaterhaus für Kinder und Jugendliche, gewesen. Ich fand mich im Museumsquartier deplatziert.

Ditta Rudle
Elevinen In "Floras Erwachen" (Petipa / Drigo). © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Der volle Titel der Aufführung der Ballettakademie der Wiener Staatsoper, „Der Zauberlehrling und seine Freunde“ ist leicht irreführend. Denn diese „Freunde“ sind viele kleine Nummern, die gemeinsam einen Galaabend der Studierenden ergeben. Das kleine Ballett nach der gleichnamigen Ballade von Johann Wolfang Goethe zur Musik von Paul Ducas ist nur ein Teil der Aufführung. Die Vorstellung, vor allem von Großeltern und Eltern der Auftretenden und am Vormittag von Schulklassen gut besucht, verlief ohne Pannen.

Ditta Rudle
23 Tänzer*innen, und   keine Geste wiederholt sich. © Laurent Philippe

Der Tänzer und Choreograf Boris Charmatz schickt 23 Tänzer*innen auf die Bühne, um 10000 Gesten zu zeigen. Jede und jeder hat ihr / sein eigenes Gestenrepertoire, keine Geste darf sich wiederholen. Vom Publikum ist die Behauptung nicht zu verifizieren, weiß es doch nicht einmal, was Charmatz genau unter einer Geste versteht. So bevölkern die 23 Mitwirkenden, in unterschiedliche Kostüme gekleidet oder halb bis dreiviertel nackt, die Bühne und spulen ihr Vokabular ab. Das ist anfangs spannend, mitunter einschläfernd, für manche Zuschauer*innen hinreißend, für andere unwichtig.

Ditta Rudle
Die Darsteller erzählen, wie es war. © Daniel Wolf

Der evangelische Pastor Gábor Sztehlo (1909–1974) ist der Mittelpunkt einer Performance, die eine wahre Geschichte erzählt. Unter der Leitung von Tanja Witzmann hat ihr Team (Verein Auf Grund) und der dritte Jahrgang des diverCITYLAB mit „Gaudiopolis“ die Budapester Kinderrepublik wieder erstehen lassen. Die neun jugendlichen Darsteller*innen schlüpfen in die Haut von Zeitzeug*innen und nützen die Räume und den Hof des Volkskundemuseums in Wien, um zu berichten, was damals geschehen ist. Die Uraufführung der ambulanten Performance war durch die Anwesenheit von Mitwirkenden von Gaudiopolis, die teils lachend, teils mit Tränen in den Augen ihre eigene Geschichte neu erlebt haben, intensiv und berührend.

Ditta Rudle
Die Halle dehnt sich ins Freie. © Nurith Wagner-Strauss

In der hinten offenen Gösserhalle 4 lässt der französische Regisseur und Filmemacher Jean Michel Bruyère über die Sklaverei nachdenken. Er sieht die theatrale, musikalische Installation als Prolog zu seinem geplanten Werkzyklus „Violence & Institutions“. Mit Bildern, Videos, Text und ohrenbetäubender Rockmusik schafft er eine beklemmende Atmosphäre. „L'habitude“ /„Die Gewohnheit“ heißt diese Festwochen-Uraufführung, denn, so hat schon im 16. Jahrhundert der französische Humanist Etienne de La Boétie festgestellt: „Erste Ursache für freiwillige Knechtschaft ist die Gewohnheit“. Teils irritiert, teils betroffen versuche ich mich zwischen brüllenden Lautsprechern, Fahnenstangen und nicht definierbaren Objekten zurecht zu finden.

Ditta Rudle
Olga Smirnova, Semyon Chudin: "Giselle" 2. Akt, im Wald, wo die Willis tanzen.

Olga Smirnova und Semyon Chudin haben sich bereits mit ihrem Gastauftritt in „Schwanensee“ 2017 in die Herzen der Zuschauer getanzt. Für die letzte Aufführung in dieser Saison von Elena Tschernischovas Choreografie des romantischen Balletts „Giselle“ kam das Paar wieder nach Wien und begeisterte von neuem; Chudin als Herzog Albrecht, Smirnova vor allem als aus dem Grab steigende Willi. Mit Jubelschreien und Bravogebrumm bedankten sich Ballettfreundinnen bei den beiden Principal Dancers des Bolschoi Balletts.

Ditta Rudle