Michael Turinsky, Tänzer mit prekären Bewegungen

Unterfüttert mit Humor und garniert mit schelmischen Blicken monologisiert Michael Turinsky in seinem jüngsten Solo „Precarious Moves“ im Tanzquartier über die Möglichkeiten der organisierten Bewegung, also der Choreografie, wenn dem Körper Grenzen gesetzt sind, er nicht so will, wie es sich der Choreograf oder Tänzer vorstellt. Erst im dritten Teil macht er in einer ruhig fließenden Choreografie die Probe aufs Exempel. Der verdiente Applaus kommt aus dem Off, Turinsky ist mehr als eine Stunde auf sich gestellt, allein im großen Saal auf dem weißen Bühnenteppich. Drei Tage lang, vom 8. bis 10. Jänner 2021, ist das Video online zu sehen.

Ditta Rudle
Alexander Kaden, Keisuke Nejime; Felipe Vieira, Gabriele Aime bei der Probe.

Zweimal verschoben und endlich aufgeführt – als Geistervorstellung. Die Premiere der für 24. November geplanten Vorstellung Martin Schläpfers und des neu formierten Ensembles des Wiener Staatsballetts mit „Mahler, Live“ hat am 4. Dezember vor Tanzjournalist*innen und Mitarbeiter*innen endlich stattgefunden. Eine Belohnung für die hart arbeitenden Tänzer*innen. Applaus war verboten, er wäre wohl zu dünn gewesen.

Ditta Rudle
"Encounters": Tänzerinnen und Tänzer im Workspace.

Ein Wochenende lang, 50 Stunden, haben Tänzerinnen und Tänzer in einer leeren, vergammelten Fabrikhalle im Nirgendwo einen Encounter abgehalten, eine Zusammenkunft, eine Begegnung. „Encounters ist ein Versuch, zu arbeiten, ohne dabei materielle Güter oder konsumierbare Serviceleistungen zu produzieren“, sagt Alexander Gottfarb, der schon im Vorjahr die 365 Tage dauernde Performance „Negotiations“ choreografiert und organisiert hat. Damals live in einem leeren Geschäftslokal im 7. Bezirk, man kam und ging, blieb kurz oder eine ganze Weile, vergaß die Zeit und musste, weil es auch anderes zu tun gab, als stumm mit Tänzerinnen und Tänzern im kleinen Raum zu kommunizieren, wieder gehen, doch wusste man, dass man wiederkommt. Im Winter, im Sommer, im Herbst, bis es wieder Winter war.

Ditta Rudle
Martin Schläpfer: Uraufführung von "4"

Martin Schläpfers Choreografie für das Wiener Staatsballett als Uraufführung, vorangestellt die Premiere von Hans van Manens außergewöhnlichem Werk „Live“. Ein festlicher Abend, den ich mit allen Beschränkungen und Maske im Saal erleben durfte. Erleben und genießen mit den Tänzer*innen des Wiener Staatsballetts auf der Bühne – mein Weihnachtsfest. Kein Neid, bitte, die Bundesregierung hat Besuche vonProben und künstlerischen Darbietungen ohne Publikum, die zu beruflichen Zwecken erfolgen“ in der aktuellen Verordnung ausdrücklich erlaubt. Ergo: Genuss und Arbeit zugleich – delecta et labora!

Ditta Rudle
Ein erster Blick ins Receptacle. © Joe Albrecht

Receptacle – das bedeutet Behälter, und in einem Behälter, eigentlich in einem kleinen, weißen Haus ohne Dach, aber mit 24 Fenstern, findet die Performance gleichen Namens von Raúl Maia mit ihm, Linda Samaraweerová und Raphael Michon statt. Das weiße Haus ist eine Bühne auf der Bühne des Projektraums im WuK, 24 Zuschauerinnen schauen durch die verglasten Fenster und jede sieht etwas anderes, manchmal gar nichts.

Ditta Rudle
Miet Warlop im rasanten Kreistanz. © Reinout Hiel

Wie tanzt eine elektrische Qualle? Mit der österreichischen Erstaufführung ihrer choreografisch-musikalischen szenischen Bildarbeit Ghost Writer and the Broken Hand Break war die belgische bildende Künstlerin Miet Warlop erneut im TQW zu Gast.

Angela Heide