Das eindrucksvolle Filmplakat. © polyfilm

In großartigen Bildern erzählen Regisseur Nicolas Vanier und Drehbuchautor Matthieu Petit im Film „Der Junge und die Wildgänse“ von der Migration der Wildgänse, dem Mut eines Teenagers und der Liebe seines Vaters zur Natur und dem Schutz aussterbender Tierarten. Die Reise der Zugvögel, im Film die Wildgänseart der Zwerggänse, eine der seltensten Gänsearten in Europa, im Sommer nach Norden und nach einem halben Jahr wieder zurück in ihre Sommerquartiere, fasziniert nicht nur Biolog*innen, sondern auch Literat*innen und Filmemacher*innen.

Ditta Rudle
Bachi Valishvili und Levan Gelbakhiani: Irakli und Merab. © Lisabi Fridell

Der georgische Nationaltanz, eine Demonstration kräftestrotzender Männlichkeit, dient Regisseur Levan Akin als Metapher für die Gesellschaft im konservativen Georgien, seinem Herkunftsland. Bezaubernd und intensiv spielt der als Darsteller gewonnene Tänzer Levan Gelbakhiani die Hauptrolle: Merab, Solotänzer im Ensemble, der seine latente Homosexualität entdeckt.

Ditta Rudle
eC. Deneuve, J. Binoch: Mutter und Tochter. © Laurent Champoussin

Mit dem Drama „Shoplifters“ hat der japanische Filmregisseur Hirokazu Kore-eda bei den Filmfestspielen von Cannes 2018 die Goldene Palme gewonnen. Mit „La Vérité – Leben und lügen lassen“, einem Film in französischer Sprache, wurden ein Jahr später die Filmfestspiele von Venedig eröffnet. Der erwartete Goldene Löwe ist ihm versagt geblieben. Der durch und durch französische Film, charmant und niveauvoll und, trotz der angesprochenen familiären Konflikte, humorvoll und schwerelos, ist ab 6. März im Kino zu sehen.

Ditta Rudle
"Summerspace", Bühnenbild, Kostüme: Robert Rauschenberg. © Mko Malkshasyan

Der Titel sagt es schon, die russische Filmemacherin Alla Kovgan beschäftigt sich mit dem großen Choreografen und Erneuerer des Tanzes Merce Cunningham (1919–2009). Allerdings lediglich mit seinen Anfangsjahren, bevor er die Berühmtheit und den ikonischen Status erlangt hat. Kovgan hat trotz akribischer Recherchearbeit keinen reinen Dokumentarfilm gedreht, sondern seine Choreografien zwischen 1942 und 1972 von jungen Tänzer*innen neu aufführen lassen, eindrucksvolle Orte gefunden und das bunte Spektakel in 3D auf die Leinwand gebracht. Ein Film, der die Freude am Tanz und Cunninghams neue Ideen und Experimentierfreude glamourös in Szene setzt.

Ditta Rudle
Johanna Dohnal mit Bruno Kreisky 1979. © SPÖ / Votava

Die vielfach ausgezeichnete österreichische Autorin und Regisseurin Sabine Derflinger erinnert an eine Ikone der Frauenbewegung, die Staatssekretärin und spätere Bundesministerin für Frauenangelegenheit Johanna Dohnal (1939–2010). Akribisch recherchiert und präzise inszeniert, erfährt eine Generation von Frauen, denen „die Dohnal“ kein Begriff mehr ist, von einer tapferen, unbeirrbaren feministischen Politikerin, die sich in der Macho-Gesellschaft der 1980 / 1990er Jahre durchzusetzen vermochte. Ein wichtiger Film, nicht nur für Frauen.

Ditta Rudle
Dreyfus (Louis Garrel) vor dem Kriegsgericht. © Guy Ferrandis

Roman Polanski erzählt, kühl und geradlinig den verbürgten Tatsachen folgend, von einem Justizskandal, der in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts die französische Politik erschüttert hat. Es geht um die Dreyfus-Affäre. Doch steht in Polanskis dokumentarischem Film nicht der zu Unrecht von einem Kriegsgericht wegen Spionage verurteilte jüdische Offizier Alfred Dreyfus im Mittelpunkt, sondern der Aufdecker der Fälschungen, Vertuschungen, Intrigen und Falschaussagen, Oberstleutnant Marie-Georges Picquart (1854–1914), der 1895, wenige Monate nach der Verteilung und demütigenden Degradierung, die Leitung des Auslandsnachrichtendienstes (Deuxième Bureau) übernommen hat und den wahren Täter enttarnen wollte.

Ditta Rudle