Rebecca Horner mit Andrey Kaydanovskiy ("Cacti)". © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Vor 150 Jahren ist das Opernhaus am Ring, geplant von den Architekten August von Sicardsburg und Eduard van der Nüll, eröffnet worden. Ein guter Grund für die Verantwortlichen, sich mit ausgedehnten Feiern selbst zu loben. Auch wenn der Begriff „Oper“ in seiner Doppelbedeutung vor allem mit Gesang assoziiert wird, darf auf die zweite Säule eines Opernhauses, das etwas auf sich hält, das Ballett, nicht vergessen werden. So wird dem Tanz auf Spitze als Aperçu zu all den laustarken Jubeltönen eine Ausstellung im Theatermuseum gewidmet: „Die Spitze tanzt“ hat Andrea Amort quasi als Fortsetzung ihrer gelungenen Schau „Alles tanzt – Kosmos Wiener Tanzmoderne“ ein Stockwerk darüber gestaltet. Am 16. Mai ist sie von Ballettdirektor Manuel Legris eröffnet worden.

Ditta Rudle
Tanzschule Hellerau-Laxenburg. Foto: Wilhelm Willinger

Wien sei keine Tanzstadt, hat einmal ein, heute pensionierter, Operndirektor kundgetan. „Lernen Sie Geschichte, Herr Direktor“, hat damals, vor gut zehn Jahren, niemand gewagt, ihm zuzurufen. Der Zeitgenosse ist nicht der einzige Herrscher über die Wiener Opernwelt, für den die Tanzwelt nicht vorhanden ist. Gustav Mahler war auch nicht tanzfreundlicher. Nahezu ein Jahr lang kann nun Tanzgeschichte auf angenehme und gar nicht belehrende Weise im Theatermuseum erlebt werden. Der Subtitel umreißt das Thema: „Kosmos Wiener Tanzmoderne“. Die Tanzhistorikerin Andrea Amort und ihr Team haben in langjähriger und mühevoller Arbeit eine von Thomas Hamann gestaltete Ausstellung zustande gebracht, die sich sehen lassen kann und gesehen werden soll. Die Möglichkeit besteht bis 10. Februar 2020.

Ditta Rudle
Das Mitsommerfest in Hågar beginnt fröhlich. © Csaba Aknay, Courtesy of A24

Die Reise beginnt in der realen Welt. Die Studentin Dani muss über eine Familientragödie hinwegkommen und findet wenig Verständnis bei ihrem selbstbezogenen Freund, Christian. Um sie abzulenken, lädt der Studienkollege Pelle Dani, Christian und zwei Kumpel in seine Heimat Schweden ein, wo sie an der Sonnwendfeier teilnehmen dürfen. In Ari Asters Film „Midsommar“ wandeln sich die fröhlichen Tänze und bunten Blumenkränze allmählich in einen drogengeschwängerten Horror-Trip.

Ditta Rudle
Intensiv und überzeugend: Simon Frühwirth ist  Jakob in "Nevrland".

Nach zwei Kurzfilmen, die auf YouTube 12 Millionen Mal angeklickt worden sind, hat der österreichische Regisseur Gregor Schmidinger, 35, seinen ersten Spielfilm gedreht und ist dafür bereits bei sämtlichen Filmfestivals, darunter die Diagonale und das Max-Ophüls-Filmfestival, ausgezeichnet worden. Der junge Hauptdarsteller von „Nevrland“, der Schauspiel-Debütant Simon Frühwirt, erhielt bei der Diagonale in Graz den Schauspielpreis. Am 13. September ist der Kinostart für diesen exzellenten Film, der mich ebenso verstört wie begeistert hat.

Ditta Rudle
Schweigend am Esstisch: Georg und Doris. © Boris Laewen

Eine Geschichte, die jeden Tag in mehrfacher Auflage abrollt. Midlifecrisis des Ehemanns, blutjunge Freundin, Wut und Enttäuschung bei der Ehefrau. Rainer Kaufmann, zum „maßgeblichen Vertreter des Neuen Deutschen (Komödien-)Kinos“ ernannt, erzählt nach „Stadtgespräch“ (1995) wieder eine Beziehungsgeschichte. Sehenswert ist der Trennungskrieg durch Martina Gedeck als zurückgelassene Ehefrau und Ulrich Tukur als Ehemann, der ins Fitnesscenter eilt, um die schlappe Muskulatur zu straffen.

Ditta Rudle
Juliette Binoche ist Selena, Ehefrau und Geliebte eines anderen.

Diskussionen und Mahlzeiten. Ein typisch französischer Film also, den Olivier Assayas da serviert, und doch wieder gar nicht. Sein Thema ist der Wandel der Welt, vor allem der Wechsel von einer analogen in eine digitale. Die Frage ist nicht nur, wie ist dieser Wandel zu verkraften, sondern auch, wie bringen die Protagonist*innen ihr privates Leben mit der vor sich hergetragenen Moral in Einklang. Die Antwort: eher nicht.

Ditta Rudle