Festzuhalten ist, dass im Zweiten Weltkrieg von England aus mutige, junge Frauen ins besetzte Frankreich gesandt wurden, um den Feind zu sabotieren. Den SOE-Agentinnen, die von der britischen Special Operations Executive eingesetzt worden sind, widmet die Verlegerin und Autorin Elisabeth Sandmann mit dem Roman Wir dachten, das Leben kommt noch ein Denkmal. Harte, recherchierte Tastsachen sind in eine spannende Handlung gebettet ohne zu romantisieren.
Ein Zug fährt durch die Nacht. Drei Reisende, ein bekannter Autor, sein Student und eine junge Frau trotzen dem Zufall der Begegnung, indem sie einander erzählen, was sie bewegt. Die Geschichten werden zu einem schillernden Puzzle, werden zu einem Roman, zum ersten Roman, der spanischen Literaturprofessorin Marta Pérez-Carbonell: Nada más ilusorio / Nichts könnte trügerischer sein. Ein Glücksfall. Schnell bin ich mittendrin in dem Gespinst aus Wörtern, Sätzen, Geschichten, wahr oder erfunden, real oder fiktiv.
Ein Berg beginnt zu tanzen, ein Lama steht in der Küche; Marie flieht aus der Stadt und kraxelt in die Einsamkeit. Drei lesenswerte Romane würde ich gerne unter dem altmodischen Begriff Heimatroman zugleich vorstellen. Doch um die Bücher Nincshof, Der tanzende Berg und Wild wuchern nicht mit dem durch die Nazis angepatzten Begriff zu verunglimpfen, nenne ich sie lieber Landschaftsroman, denn diese, die Steppe am See, die Berge und Wälder nahe und fern von Wien sind der Raum, in dem die Geschichten, ernst, aufwühlend und heiter, spielen.
Eine intime Familiengeschichte, von gesellschaftlicher Bedeutung. Christoph Poschenrieders Geschichten haben fast immer einen wahren, recherchierten Kern oder der Autor lässt historische Persönlichkeiten als Nebenfiguren auftreten. Der jüngste Roman, Fräulein Hedwig, spielt auch in der Vergangenheit, jedoch nicht in der öffentlichen, sondern in der privaten, in der Vergangenheit seiner eigenen Familie. Je mehr ich in dieser Familiengeschichte und im Leben von Fräulein Hedwig vorankomme, desto kälter wird mir.
Gut Ding brauch Weile – der passende Stammbuchspruch für den englischen Autor Mick Herron. Seine mehrfach preisgekrönte Reihe von Spionageromanen mit Jackson Lamb als Chef im Slough House konnte erst im zweiten Anlauf reüssieren. Ab 2018 hat Stefanie Schäfer die neun Jackson Lamb-Fälle für den Diogenes Verlag übersetzt. Der Erfolg bei den deutschsprachigen Leserinnen ermutigt Diogenes nun, auch die davor geschriebene Reihe mit der Detektivin Zoë Boehm übersetzen zu lassen. Das Debüt, Down Cemetery Road, lässt die Meisterschaft des Autors erst ahnen.
Wenn die norwegische Autorin Anne Holt einen Roman mit dem Titel Zwölf ungezähmte Pferde schreibt, dann spielt der sicher nicht auf einem Ponyhof. Die längst pensionierte Polizeibeamtin Anne Wilhelmsen, die 1993 mit Holt in Blind gudinne (Die blinde Göttin, 1995) ihr Debüt gefeiert hat, wirft ihren Kokon ab und löst einen verwirrenden Fall. Zwölf ungezähmte Pferde ist ein aufregender und abschreckender Roman, unglaublich und doch realistisch. Anne Holt greift mit bloßer Hand ins Feuer.