Man Ray: "The Rope Dancer Accompanies Herself with Her Shadows" © 2017. Digital Image,the Museum of Modern Art, New York / Scala Florenz

Man Ray! Und schon steigt das Bild der Frau mit den Violinschlüsseln am Rücken vor dem geistigen Auge auf. Über Emmanuel Radnitzky, oder einfach Man Ray, den amerikanischen Fotografen, weiß ich doch alles. Hatte ich geglaubt. Die abwechslungsreich und anregend inszenierte Ausstellung im BA Kunstforum belehrt mich eines Besseren.

Ditta Rudle
Wissenschaftsjournalistin und Autorin Dava Sobel © Mia Berg

Wissenschaft, so spannend erzählt wie ein Roman. Biografie, so lebendig wie eine Abenteuergeschichte. Die Amerikanerin interessiert sich besonders für den Sternenhimmel und versteht es, über alles, was da damit zu tun hat, Forschung und Entdeckung, so leicht verständlich und flüssig zu berichten, als wär‘s eine Liebesgeschichte. Na ja, eigentlich ist es das auch immer, die Geschichte der Liebe zu den leuchtenden Objekten am Himmel, die einst den Schiffen den Weg wiesen und heute immer noch das Interesse der Astronomen und auch der Laien erwecken. Die einen bewundern sie, die anderen erforschen sie.

Ditta Rudle
Autorin Sarah Schmidt. © Nicholas Purcell / Pendo Verlag

In ihrem ersten Roman lässt sich die Australierin Sarah Schmidt von einem realen Ereignis aus, dem Mord an Abby und Andrew Borden, geschehen im August 1892 in Fall River, Massachusetts, leiten. Angeklagt, Vater und Stiefmutter erschlagen und enthauptet zu haben, wird die 32jährige Tochter Lizzie Borden. Nach zehnmonatiger Haft wird sie freigesprochen. Lizzie, die sich später Miss Lizbeth A. Borden nennt, stirbt 1927 in ihrem Geburtsort Fall River. Begeistern kann mich diese fiktionale Horrorgeschichte, erzählt von Lizzie und anderen Beteiligten, nicht.

Ditta Rudle
Autorin Emily Ruskovich. ©  Sam McPhee

Sie sind eine glückliche Familie, Wade, Jenny und die beiden Töchter, June und May. Es ist Sommer, die Eltern sammeln Holz, die Mädchen streifen durch die Büsche. Die kleine May streitet mit ihrer Schwester, will etwas trinken und setzt sich ins Auto. Aus heiterem Himmel spritzt Blut. May ist tot. Die Mutter hat sie mit der Hacke erschlagen. June flieht in den Wald und wird nie mehr gefunden.

Ditta Rudle
Illustration zu Toxc Dreams "The Circus of Life" © Scores 7 / Tanzquartier

Wo steht der zeitgenössische Tanz, wo will er hin und mit welchem Gepäck? Das sind nur einige der Fragen, die sich das Tanzquartier Wien in den SCORES-Broschüren stellt, die es von der Spielzeit 2009/2010 an als Nachklapp seines gleichnamigen Diskursfestivals herausgibt. Nun liegen die SCORES No. 0 bis 7 in einer seriösen Hardbox vor – jeder schlanke Band dezent pastellig abgetönt; doch schon beim ersten Blättern springen einem die buntesten Zeugnisse kreativen Denkens und Schaffens entgegen: Rasch Hingekritzeltes steht hier neben akribisch Dokumentiertem, das kryptischste Notat neben der anschaulichsten Bilderstrecke. Und immer schwingen in all dem die Fragen mit, die Tim Etchells im Eingangsgedicht zur No. 2 stellt: „What escapes notice? What is overlooked?“

Sabine Leucht
Autor Dror Mishani. © Yanai Yechiel / Zsolnay

Die dritte Geschichte über Avi Avraham als introvertierten, unsicheren Ermittler ist weniger ein Kriminalroman, als ein doppeltes Psychogramm. Avi Avraham ist Chefermittler geworden, ringt mit der neuen Verantwortung, ist von Zweifeln und Schuldgefühlen geplagt. Zugleich wird von Mali, Mutter zweier Töchter und Ehefrau von Cobi, der sich immer mehr abkapselt, erzählt. Es dauert eine Weile, bis sich die beiden Lebenswege kreuzen. Der Autor nimmt jeweils die Perspektive der beiden zentralen Personen ein. Das stellt die Erzählung auf einen unsicheren Boden, so genau, woran man ist, weiß man selten.

Ditta Rudle