Zum Hauptinhalt springen

Ballett „Giselle“: Erfolgreiche Debüts

Debüt für Cassandra Trenary mit Davide Dato in „Giselle“

 Schon die erste Vorstellung dieser Saison mit dem romantischen Ballett „Giselle“, am 18. September, hat viel Freude bereitet, doch so richtig hinreißend und erfolgreich war die zweite, am Tag darauf, in der sich die frisch engagierten Solistinnen, Cassandra Trenary als Giselle und Rosa Pierro in der Rolle der Myrtha vorgestellt haben. Der Applaus und die Bravorufe wollten nicht enden.

Giselle tändelt mit Herzog Albrecht (Cassandra Trenary,  Davide Dato)Wenn es stimmt, dass sich liebt, was sich neckt, dann musste man dem Paar Giselle / Herzog Albrecht (die neue Erste Solotänzerin Cassandra Trenary / Erster Solotänzer Davide Dato) die innige Liebe glauben. Die in Amerika gebürtige und ausgebildete Cassandra Trenary hat Ballettdirektorin vom American Ballet Theatre  (ABT) geholt und damit das Wiener Staatsballett sichtbar bereichert. Als verliebtes junges Mädchen tändelt sie mit ihrem Verehrer, der sie aus Feigheit verrät und sich zu seiner offiziellen, adeligen Verlobten zuwendet. Dennoch stirbt sie in seinen Armen, hängt leblos an seinem Hals. Giselle wird zur Winzerkönigin ernannt. (Trenary mit dme Ensemble)Als geisterhafte Willi begegnet sie dem reuigen Albrecht noch einmal, bittet die Königin der Waldgeister, die jeden Mann in den Tod tanzen, den untreuen Albrecht leben zu lassen. Sie hat ihm verziehen, Rachsucht liegt ihr fern. 
Auch die Königin der Willis, Myrtha, hat ihr Debüt zu feiern: Rosa Pierro ist gebürtige Römerin und hat ihre Ausbildung an der Academia nazionale die, dem Teatro dell’Opera di Roma und an der Ballettakademie der Wiener Staatsoper erfahren. Nach der Saison 2015/16 in der Jugendkompanie der Wiener Ballettakademie hat sie Erfahrungen in Ungarn, Polen und Irland gesammelt und ist in dieser Saison wieder im Wiener Staatsballett gelandet. Giselle bittet Myrtha um Gnade für ihren untreuen Geliebten. (Trenary,  Rosa Pierro)Direktorin Ferri hat sie zur Solotänzerin ernannt. Avanciert zur Solotänzerin ist auch die Brasilianerin Sinthia Liz, die seit der Spielzeit 2020/21 dem Wiener Staatsballett angehört. Am 23.9. debütiert sie noch im 1. Akt von Giselle (Bauern-Pas de quatre) und wird am 31.10. die Titelrolle im Ballett Kallirhoe von Alexei Ratmansky tanzen. Rosa Pierro ist eine wahrhaft königliche Myrtha, die ihre Sohlen unhörbar in den Waldboden setzt. Mit erstklassiger Technik, einem biegsamen Rücken, elegantem Port de bras und überzeugendem Spiel entspricht sie einer unbeugsamen, kalten, doch keinesfalls bösartigen Myrtha. Herausgeschnitten aus dem Pas de quatre: Gaia Fredianelli mit Vladyslav Bosenko (Hausdebüt).Während ihres Engagements im Aalto Ballett Essen hat sie Rinaldo Venuti kennengelernt, dem sie jetzt zusieht, wie er als Hilarion von den Willis in den Tod getanzt wird. Venuti wechselte in dieser Saison vom Ballett am Teatro alla Scala als Halbsolist an die Wiener Staatsoper und konnte gleich in der ersten Giselle-Vorstellung im Bauern-Pas de quatre überzeugen. In der aktuellen Vorstellung debütierte er als eifersüchtiger Hilarion, nicht gerade ein wilder, rauflustiger Kerl, eher ein hübscher Jüngling, den die Angebetete ganz nett findet. Noch sind auch seine Sprünge nicht wirklich aufregend.
Eine berühmte Arabesque im 2. Akt von „Giselle“ :  Davide Dato , reuiger Albrecht, Cassandra Trenary, zur Willi gewordene Giselle.Gänsehaut macht die Darstellung von Franziska Wallner-Hollinek als Giselles Mutter, Berthe. Sie holt neue Gesten und mimische Feinheiten aus sich heraus, wenn sie von dem Fluch erzählt, der auf Giselle laste, dass die Gänsehaut die überraschende abendliche Hitze vertreibt. Besonders beeindruckend war das kurze Erschrecken beim Eintreffen des Herzogs von Kurland (Igor Milos), der Albrechts Schwiegervater werden soll. In einer Version der Geschichte ist er nämlich Giselles Vater. Berthe und den Herzog verband eine kurze Liebe. Keine Überraschung, dass Mutter Berthe die Verbindung ihrer Tochter mit Herzog Albrecht nicht goutiert.Albrecht springt um sein Leben (Davide Dato). Ihr zweites Debüt dieser Saison durfte die mit dem Preis des Ballettfreundeskreises ausgezeichnete Halbsolistin Gaia Fredianelli als Partnerin von Vladyslav Bosenko im zum Pas de quattre erweiterten Bauern-Pas de deux feiern. Der frisch engagierte Solotänzer Bosenko ist Ukrainer und hat zuletzt als Solist im Ballett des Slowakischen Nationaltheaters unter der künstlerischen Leitung von Nina Poláková, ehemalige Erste Solotänzerin im Wiener Staatsballett, getanzt. Als erhabene Gefährtin Zulma von Myrtha, Königin der Willis war Fredianelli erstmals in der Eröffnungs-Vorstellung zu sehen und hat die Rolle neben Natalya Butchko auch am 19.9. getanzt. Natalya Butchko, Moyna, eine Willi mit den anderen Willis.Und jetzt noch ein Debüt, das mir persönlich am Herzen liegt: Endlich hat das Wiener Staatsballett, das sowohl in der Staatsoper wie in der Volksoper auftritt, eine gemeinsame Seite: Zwei Häuser, ein Ballett! Ich bin erfreut. In der Hierarchie der Compagnie  – Erste Solotänzer*innen, Solotänzer*innen, Halbsolist*innen – sind Männlein wie Weiblein gemeinsam nach dem Alphabet gelistet. Das Corps de ballet ist in der Liste auf die beiden Häuser aufgeteilt.

Giselle, fantastisches Ballett in zwei Akten. Choreografie & Inszenierung Elena Tschernischova. Musik von Adolphe Adam mit einer Einlage (Bauern-Pas de quatre) von Friedrich Burgmüller.
Mit Debüts im Wiener Staatsballett (Hausdebüts): Cassandra Trenary, als Giselle; Vladyslav Bosenko im Bauern-Pas de quatre.
Rollendebüts: Rosa Pierro, Myrtha, Königin der Willis; Rinaldo Venuti, Hilarion, ein Wildhüter; Trevor Hayden, Wilfried, Albrechts Freund; Ketevan Papava, Bathilde, Albrechts Verlobte; Natalya Butchko, Gaia Fredianelli, Duccio Tariello im Bauern-Pas de quatre; auch im Corps de ballet waren Debüts zu feiern.
2. Vorstellung in einer sorgfältigen Einstudierung am 19. September 2025. Wiener Staatsballett in der Staatsoper, Orchester der Wiener Staatsoper, Dirigent: Luciano Di Martino.
Fotos: © Ashley Taylor.