Asher O'Gorman, Tänzerin und bildende Künstlerin.

Blaue Tinte, weißes Papier, glänzendes Kupfer, roter Steckschaum, selbstgekochte weiße Knetmasse, schwarze Inseln, gefüllt mit Wasser. Die Tänzerin und bildende Künstlerin Asher O’Gorman setzt sich in ihrer Performance „The way of ink“*) mit dem kulturellen Erbe ihrer Heimat, Irland, auseinander und zeigt eine betörende Stunde, in der Zeit und Raum aufgehoben sind. Vorgesehen für das im März ins Meer gefallene Festival imagetanz, wird „The way of ink“ dieser Tage vom brut in der Erbsenfabrik, Herklotzgasse, gezeigt.

Ditta Rudle
Es ist nass, kalt und finster in der "Dunkelwelt".

Die Nebel wallen, niemand sieht die anderen, Blitze zucken, Donner grollen: In der Dunkelwelt dürfen auch die dunklen Gefühle an die Oberfläche kommen. Doch wenn man im Morgengrauen den Ausgang gefunden hat, ist alles wieder hell und in Ordnung. Die guten, liebevollen Gefühle haben gesiegt. In der Dramaturgie von Corinne Eckenstein hat Regisseur und Choreograf Joachim Schloemer ein Tanzstück mit Licht und Schatten geschaffen, das mit Video, Sound und Wortakrobatik im Dschungel Wien eine mitunter beklemmende und auch tröstliche Vorstellung ergibt. „In der Dunkelwelt“ ist ein dynamisches Tanzstück mit Maartje Pasman, Yusimi Moya Rodriguez und Sami Similä.

Ditta Rudle
Bauch rein, Brust heraus, Alexander Gottfarb in der Männerpose. © Loizenbauer

Posing Project B": Mit Witz und Erotik führt Chris Haring vor, wie man Welt und Partner verführt. Schamloser Flirt zum Playback. Tänzer als Schatten, musikalisch und real, beeindruckende Vexierspiele der Erotik von Liquid Loft. Alles was Chris Haring und seine Formation Liquid Loft ausmacht, ist im Kern vorhanden, die Präzision der Lippensynchronizität – noch ohne persönlichen Speaker als Begleiter, aber genügend klangfreundlich aufgestellte Lautsprecher –, die Stärke des Ausdrucks, die Klarheit des Inhalts, der Raum, aktuell der Säulen-Saal im Odeon, aus Licht, Klang und Bewegung.

Ditta Rudle
Der bunte Haufen ist weiß: Simon, Siruan, Kajetan..

Kann man sich das vorstellen? Eine farblose Welt? Farben sind nämlich verboten im Dschungel, wer zuwider handelt, wird ins Strafkammerl geführt. Schon wenn die die drei Darsteller der Kompanie Freispiel auf der leeren Bühne im Dschungel erscheinen, wird mir weiß vor den Augen. Die drei Männer sind natürlich weiß, aber alles andere als Schneemänner. Mit dem weißen Megaphon werden die neuen Gesetze verkündet: Erlaubt ist nur das kostbare, reine, unantastbare Weiß. Erlaubt sind jedoch auch Slapstick und Unsinn, Blödeleien und eine ausgefeilte Mimik, präzise Vorbereitung und ein perfektes Timing. Gewünscht ist beste Unterhaltung für das Publikum ab 5.

Ditta Rudle
Die fröhlichen Akrobaten samt Akrobatin in "Skew-Whiff".

So wirklich genießen konnte ich an diesem dreiteiligen Abend nur „Skew-Whiff“ von Paul Lightfoot und Sol León. Weniger Freude macht Hans van Manens „Adagio Hammerklavier“. Die acht Paare in Jiři Kyliáns „Symphony of Psalms“, der „Psalmensymphonie“ von Igor Strawinsky, wie das 1978 entstandene Werk gemeinhin und auch bei der Premiere in der Wiener Staatsoper 2019 genannt worden ist, sind alle auch solistisch gefordert, da lassen sich Unsicherheiten leicht erkennen.

Ditta Rudle
Der verfremdete Körper des Tänzers Ian Kaler.

Eine Puppe, ein Erzähler, live auf der Bühne, ein Tänzer auf der Bildwand. Ian Kaler, Erzähler und Tänzer zugleich, zeigt in Le Studio die ersten Schritte der Recherchearbeiten für eine neue Performance-Serie, die den Titel „Auto-Fiction“ haben soll. Ein Film soll auch entstehen. Die Puppe ist fertig gebaut, Filmmaterial existiert bereit und Ian Kaler hat einen Text geschrieben, der von der Geschichte der hölzernen Puppe Pinocchio von Carlo Collodi (1826–1890) inspiriert ist. Die unterschiedlichen Medien – Sprache, Tanz, Stimme, Musik – fügen sich bestens zusammen, die einzelnen fertigen Kapitel sind durch Kalers Erzählung zusammengehalten, sodass dieses Showing gar nicht wie ein Fragment wirkt.

Ditta Rudle