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ImPulsTanz, Leīla Ka: Fünf Frauen in 40 Kleider

„Maldonne“: Die fünf Tänzerinnen in der Trauerphase.

Leïla Le Moniès de Sagazan, bekannt als Leīla Ka, hat mit der Tourneeproduktion Maldonne den ersten Platz auf sämtlichen Tanz-Bestsellerlisten erobert. Seit der Premiere 2023 hat Kas erstes Gruppenstück weit über 100 ausverkaufte internationale Aufführungen gefeiert. Da kann das ImPulsTanzFestival nicht nachstehen. Österreichpremiere in der Szene Salzburg, danach drei Vorstellungen im Volkstheater, ausverkauft wie immer und überall.

 Shooting Star Laīla Ka, richtig: Leïla Le Moniès de Sagazan. © Estelle AvrilDer Ruf eilt ihr voraus. Ein Shootingstar kommt, eine Show wird Sie begeistern, Leīla Ka darf man nicht versäumen. Weswegen? Wegen des Amüsements, wegen der bunten Kleider, der schwarzen Unterröcke und weißen Nachthemden, wegen der eindrucksvollen Bilder, wegen der angenehmen Musik und auch wegen der hervorragenden Tänzerinnen. Vor allem deretwegen. Und der Kleider, ja 40 Kleider sind auf der Bühne!
Ernsthaft jetzt: Fünf exzellente Tänzerinnen führen insgesamt 40 Kleider – Alltagskleidchen, Festtagskleider, Nachtkleider, Unterkleider, …– vor, was zugleich acht unterschiedliche Szenen ergibt, in denen Frauen ihr Schicksal vorführen. Mit mir haben all diese über einen Leisten geschlagenen Damen, weinend, kniend, tanzend, streitend, singend, wieder weinend, wenig zu tun. Wenn es einen Sieg gibt, werden die kleiner zu Fahnen.Überraschungen hat die 34-jährige französische Tänzerin, Choreografin nicht im Köcher, sie setzt auf schöne, doch recht platte Bilder und den ständigen Kleiderwechsel. Diese Kleider, altmodisch, besser: vintage oder seondhand, dominieren die Choreografie. Sie werden übergezogen und abgeworfen, sind Hülle, Schmuck und Korsett; sie, noch immer sind’s die Kleider, tanzen, plustern sich auf, flattern und fliegen, werden verknotet und zerrissen, dienen als Peitsche oder Schürze und hängen schlapp und traurig an einem von der Decke baumelnden Haken.
Die Choreografin zeitgt, dass  das Schicksal der Frauen ist zum Weinen ist.Ka produziert nicht nur schöne (Kleider-)Bilder, sondern beruhigt und schmeichelt auch mit der Musik. Nur anfangs wummern die elektronischen Bässe, dann aber Melodien, die ins Ohr gehen, einer Generation die kaum noch in den Reihen sitzt vertraut. Lara Fabian singt Serge Lamas vor Seelenschmerz und Trauer tropfendes Chanson von 1973: Je suis malade / Ich bin krank. Die fünf Damen singen lautstark mit, heimsen dann nach penetranter Aufforderung den fälligen Applaus ein. Bald kriecht noch ein mehr als 40 Jahre alter Ohrwurm herbei: Leonard Cohen singt Dance Me to the End of Love, gemeinhin als Liebeslied interpretiert, doch Cohen, der aus einer jüdischen Familie stammt, sagt, dass er beim Schreiben an den Holocaust gedacht hat. Zu Beginn werden die Tränen aus den Augen gewischt.Auch Antonio Vivaldi eignet sich als Gemütsbalsam Herbei, herbei bis sich die Unterröcke beleben und im Kreis drehen.
Sei’s drum, es geht um eine Show, die das Publikum mit Plattitüden, genügend gestischen Verweisen auf die Tanzsprache renommierte Choreografinnen, schönen Bildern und, das darf niemals unerwähnt bleiben, 40 Kleidern begeistern soll. Leīla Ka und das perfekte Marketing haben es geschafft, niemand, ich auch nicht, wagt zu sagen, dass diese publikumskompatible Show ein aufgeblasener, bunter Ballon iKleider werden zu Fahnen, das ergibt ein schönes Bild.st, der sicher noch eine Weile durch die Festivals schwebt. Dass auch das ImpulsTanz-Publikum unterhalten oder sogar begeistert hat, ist nur recht und billig.
Der Titel, Maldonne, klingt nach Madonna, stammt jedoch aus dem Wörterbuch von Kartenspielen und bedeutet, „vergeben“, „falsch ausgeteilt“, eine(r) hat eine Karte zu wenig, die Nachbarin eine zu viel: Also, alle Karten einsammeln, noch einmal verteilen! Maldonne lässt wenig Hoffnung, steht wie ein Manifest über der Show. Leīla Ka ist eine Choreografin, keine Soziologin, was sie auf der Bühne behauptet müssen wir uns nicht zu Herzen nehmen.

Leīla Ka: Maldonne, ImPulsTanz im Volkstheater, 29., 31. Juli, Zusatzvorstellung m 1. August 2026.

Choreografie: Leīla Ka
Performance: Océane Crouzier, Adèle Bonduelle, Mariana Faria, Juliette Ghebache und Flore Ruiz Moret
Choreografische Assistenz: Jane Fournier Dumet; Kostümdesign: Leïla Ka; Lichtdesign: Laurent Fallot; Sound: Rodrig Desa oder Sacha Menez-Allanic.
Fotos: © Duy-Laurent Tran, MoniaPavoni