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ImPulsTanz: Katerina Andreou feiert das Chaos

In „Bless this Mess“ beigestert die kollektive Energie.

Eine schwankende Welt, in der die Menschen, sich nicht mehr wohlfühlen, verwirrt und unsicher sind, ruft in der Tänzerin und Choreografin Katerina Andreou die Lust an der Bewegung in der Gemeinschaft hervor. Nach Auftritten in Paris und Avignon, Athen und Brüssel zeigt sie, eingeladen von ImPulsTanz, Ihre Choreografie Bless this Mess auch in Wien. Im ausverkauften Odeon konnte das Publikum Ende Juli eine lebhafte und belebende Stunde erleben.

Die Tänherin / Choreografin Katerina Andreou, geboren in Griechenland, lebt und arbeitet in Frakreich. Foto:©  Bea BorgersAndreou will dem „ständigen Lärm“, so nennt die Tänzerin das Gefühl der Unsicherheit und Verwirrung, einen Ort der Erholung und Gelassenheit entgegensetzen. Sie nutzt das emotionale Chaos als Werkzeug für ihre Kunst. Katerina Andreou lebt in Frankreich, doch ihre Heimat ist Griechenland, und dort ist die Verwirrung und Unsicherheit der Menschen wohl besonders sicht- und spürbar. Aber genau wie die belgische Tänzerin Lisbeth Gruwez ihre Wut, nutzt Andreou diese negativen Gefühle, um daraus ein Gruppenstück, ihr erste übrigens, zu schaffen. Gruwez tanzt diszipliniert und nach innen gekehrt. Andreou und ihr Team tragen alles nach außen, in scheinbar unkontrollierten Bewegungen tanzen, springen, stampfen, strampeln, galoppieren, trommeln, singen und keuchen mit ihr Lily Brieu Nguyen, Baptiste Cazaux und Mélissa Guex ,energiegeladen, akrobatisch und komisch. Es ist kaum vorstellbar wie reich das Bewegungsreservoir des Tanzkörpers ist. Mélissa Guex wird zum Musikinstrument, wenn sie ihre gesteut Luft knallend ins Mikro bläst.
Der von Andreou gemeinsam mit Cristian Sotomayor konzipierte rhythmische Sound gibt den Takt vor und vervollständigt die Performance als unsichtbarer Fünfter unermüdlichen Quartett auf der Bühne. Vergnügt nützen die Vier die große Säulenhalle im Odeon, brauchen nur wenige Bänke und einen Tisch, die sie verschieben, darauf hinauf und hinunter zu turnen. Sie schleudern und kreisen die Köpfe, drehen sich im Kreis, tanzen solo, ganz in sich selbst versunken, oder synchron, in inniger Umarmung als Pärchen mit baumelnden Beinen auf dem Tisch sitzend. Die Kopfschleuder, (Head Bending, Head Rolls oder Head Isolations) ist eine Lieblingsbewegung Andreous, die sie 2022 im Tanzquartier in dem Duett mit Natali Mandila mit Zeppelin Bend ausgiebig zelebriert hat. 2018 war Andreou im Tanzquartier bereits mit ihrem Erfolgsstück BRSTD zu Gast. Im ImPulsTanzFestival hat sie 2016 das Solo A Kind of Fierce gezeigt, wofür sie den Prix Jardin d’Europe f erhalten hat.
Gstspiel in Bologna, gezeigt iin der Nuovo Parcheggio Stazione in Bologna. Die Agentur XING hat „Bless this Mess“ im Parkahsu gezeigt.Die Beleuchtung wechselt, manchmal werden wir mit einem Blackout in totale Finsternis getaucht, dann wieder sehen wir nur eine Tänzerin oder Baptiste Cazaux, den einzigen Mann auf der Bühne, unter dem rot glühenden Spot. Es ist ein mitreißendes Spiel aus Sinn, Tiefsinn und Unsinn, das aussieht wie eine kraftvolle Improvisation. Der Sound, der für Ruhe und Wohlbefinden auch ein griechisches Lied beinhaltet, jedoch macht klar, wie präzise diese erfrischende Darbietung choreografiert ist. Wenn sie selbst zum Sound werden, einen Knall erzeugen, indem sie ihre Wangen aufblasen und die geballte Luft ins Mikro schicken oder sich weiße Langhaarperücken überstülpen und wie Fohlen im wechselnden Takt die Bühne umkreisen, schnell ein paar Walzerschritte hinlegen, zeigen alle vier die Freude an der mitreißenden, anarchischen Choreografie. Das Verschieben von Tischen und Bänken ist ein Teil der energetischen Performance.
Ich genieße die wechselnde Beleuchtung, das flackernde Licht und die Blackouts, nach denen oft die Hölle losbricht, die kurzen Ruhepausen haben wenig Chance im Gedächtnis zu bleiben und der Kontakt zum Publikum scheint, trotz einiger unbeholfener Schritte in die ersten Reihen, nicht oberstes Ziel des Quartetts zu sein. Kontakt zu den Konsument*innen einer Vorstellung entsteht ohnehin über die Sinne und Emotionen. Dieses Rennen oder Schreiten über Treppen im Zuschauerraum, das Händeschütteln und andere Publikumsbelästigungen werte ich als Unsitte, die höchst selten formal oder inhaltlich notwendig ist. Eine Choreografie, eine Vorstellung oder Performance muss nicht mit einem Workshop oder eine Gruppentherapie konkurrieren. In diesem Sinne gefällt es mir, dass die Vier unter sich bleiben, eingesponnen ins tanzende Ich und die Gemeinschaft. Bless this Mess ist komisch und absurd, surreal und poetisch und vor allem mit einer Energie ausgeführt, die auf mich überspringt. Performance pur, die Gedanken dahinter stehen auf dem Programmzettel.

Katerina Andreou: Bless this Mess, ImPulsTanz im Odeon, 30.7., 1.8.2026,
Konzept: Katerina Andreou
Performance: Katerina Andreou, Lily Brieu Nguyen, Baptiste Cazaux und Mélissa Guex
Sound: Katerina Andreou mit Cristian Sotomayor
Licht und Bühnenbild: Yannick Fouassier
Fotos: Karol Jarek, Françoise Robert, Luca Ghedini