
Letzte Artikel
- ImPulsTanz [8:tension]: Gabrielle Levies Winter Quarters
- ImPulsTanz: Ehtan Hemat und die Messingpartnerin
- Eun-Me Ahn: Zirkus im Post-orientalist Express
- Impultanz: Salomes faule Früchte
- ImPulsTanz, Leīla Ka: Fünf Frauen in 40 Kleider
- ImPulsTanz: Katerina Andreou feiert das Chaos
- Tao Dance Theater zwischen Bewegung und Ruhe
- ImPulsTanz: „Echo body“ _ Bewegung und Klang
- Impulstanz: Boglárka Börcsök_Dada-revisited-Show
- ImPulsTanz [8:tension]: Haut an Haut
Suche
Kollektiv Kunststoff: Der Sprung in den Weltraum

Theater für Schulanfänger*innen: Eine Tänzerin und eine Musikerin werden zur Astronautin ausgebildet und bei den Prüfungen darf das Publikum mithelfen. Die interaktive Performance Kleiner Schritt, Großer Sprung, gespielt, getanzt und musiziert vom Kollektiv Kunststoff im Dschungel Wien, ist eine richtig vergnügliche Vorstellung. So energiegeladen die Performerinnen auf der Bühne, so aktiv und bewegt sind die kleinen und auch die großen Zuschauer*innen rundum.
Hurra, die Tänzerin Su und die Musikerin Khadijah dürfen in den Weltraum reisen. Doch leider gilt es, sich davor zu qualifizieren. Su ist auserkoren, die erste Astronautin zu werden, doch die Prüfungen sind schwierig. Sie hat Angst, sie will aufgeben und traut sich dann doch, denn es gibt Unterstützung und Hilfe: das angereiste Publikum im Saal. Zwei Wächterinnen, Trainerinnen, Spielleiterinnen, Animateurinnen in schicker Uniform (Christina Aksoy, Stefanie Sternig) erklären, animieren und sparen nicht an Lob für das aktive Publikum.
Die Performance lebt von einer ausgeklügelten, aufwändigen Technik. Die Bühne ist als Raumkapsel gestaltet, in der es fantastisch und überraschend zugeht.
Soundeffekte und Lichtspiele steuern die Szenenfolge. Khadijah spielt das seltene Instrument Theremin, mit dem, ohne Berührung, geheimnisvolle Töne erzeugt werden. Gleichzeitig steht sie am Schaltpult und steuert die Lichtspiele. Die jungen Gäste fühlen sich mitten in einer Star-Wars-Folge, doch so ein Film wird auf einmal blass und schal, wenn das Theater zur Raumstation wird und die Zuschauerinnen zu Mitwirkenden werden. Dass die Technik der Dramaturgie den Rang abfunkelt und dröhnt, vergisst man schnell, wenn Su (Huber) tanzt. Geschmeidig und fein bis in die Fingerspitzen sind ihre Tanzbewegungen, präzise und kräftig die akrobatischen Übungen.
Wenn sie gegen Ende vom Bungeeseil ins All katapultiert wird, stehen die Münder offen, die Augen sind aufgerissen. Natürlich kommt die frisch gebackene Astronautin wohlbehalten auf den Boden der Tatsachen. Es darf wieder geatmet werden und kräftig applaudiert.
Kunststoff hat auch ein Leitmotiv, nämlich „Bewusstsein zu schaffen und zum Nachdenken anzuregen und auch immer an gesellschaftspolitisch relevanten Themen anzuknüpfen.“
Der kleine Schritt ist der aus dem Kindergarten und der Vorschule hinaus. Danach geht es mit einem großen Sprung in die neue Welt der Schule. Freundinnen und Freunde springen mit. Ob die Kinder den richtigen Schlüssel zur Geschichte finden oder sie eins zu eins einfach nehmen und sich bestens unterhalten? Die gesamte astronautische Geschichte ist eigentlich eine Metapher für den Wechsel vom kleinen Rucksack zum großen Schulranzen. Ich weiß das auch nur aus dem Programmtext. Auf jeden Fall erfahren von den KSGS in der Raumstation auch die Jüngsten, dass Angst überwunden werden kann, Risiken zu bewältigen sind und Abenteuer nicht nur im Fernsehen zu sehen sind. Der „große Sprung“ ist ein solches Abenteuer. Die einen springen in die Raumkapsel, die anderen in die Schulklasse. Und diese Erkenntnis oder zumindest ein Gefühl dafür vermittel das Team ohne irgendeinen Finger zu erheben. Einfach mit Tanz und Akrobatik, Musik und Licht, wenigen Worten und viel frappierenden technischen Spielereien, unterhaltsam und lehrreich nebenbei.
Kollektiv Kunststoff: Kleiner Schritt / großer Sprung
interaktive Performance mit Livemusik, im Dschungel Wien, für Kinder ab 5.
Konzept, Choreografie: Stefanie Sternig; Dramaturgie: Christina Aksoy;
Choreografische Mitarbeit, Performance:
Su Huber, Khadijah Pamelia Stickney
Theremin: Khadijah Pamelia Stickney
Stimme: Jeschka Oszilat; Kinderstimme: Rosa Noventa
Klanginstallation: Peter Plos; Technische Leitung + Licht: Bartek Kubiak; Kostüme, Rauminstallation, Ausstattung: Sophie Baumgartner, Jo Plos; Produktion: Raffaela Gras, Stefanie Sternig.
Vier Vorstellungen im Juni 2026
Fotos: © Bernhard Wolf, Theresa Plos