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ImPulsTanz: Liquid Loft_Hold&Resist, Spin-Off

Durchhalten, aushalten, widerstehen, nicht aufgeben, fallen und wieder aufstehen. Kurz gesagt Hold&Resist ist die eingedampfte Version der gleichnamigen Performance, die gemeinsam mit dem Trio Radian im Mai das Donaufestival geziert hat. In der Version für ImPulsTanz verzichten Chris Haring und das Team von Liquid Loft auf die Musik, fünf Tänzer*innen loten die Grenzen ihres Körpers aus.
Es gibt keine Musikbegleitung, dennoch herrscht nur selten absolute Stille im kleinen Kellerraum des Mumok. Der Sound wird von den Körpern der Tänzerinnen und Tänzer erzeugt. Es knackt und raschelt, es pocht und brummt, es rauscht und zirpt. Die Bodenmikrofone verstärken jedes noch so leise Geräusch, dass die sich bewegenden oder stillstehenden Körper machen. Manchmal mischt sich auch das Ticken der Uhr an der Wand ein, deren Zeiger unaufhörlich im Takt im Kreis wandern, während Coralie und Jackson, François, Katharina und Hannah in schier unmöglichen Positionen verharren, gegen die Schwerkraft ankämpfen, versuchen die Balance zu halten und der Schweiß von der Stirne tropft. 
Das Fleisch ist stärker als der Geist. Ein Irrtum wird richtig gestellt. Des Menschen Wille hat keine unbegrenzte Macht über den Körper, über das Knochengerüst, die Muskeln und Sehnen. Die Zeit um die Muskultur und das Knochengerüst ungewohnten Bewegungen und Positionen zu halten, ist begrenzt. Einige Sekunden kann man sich noch zitternd und schwingend auf einem Bein in der Hocke halten, dann muss man rechtzeitig aufgeben, um die Übung mit Würde und tänzerischer Eleganz zu beenden. Die Tänzerinnen und Tänzer kennen jetzt ihre Grenzen, biegen und spannen ihre Körper und kehren rechtzeitig in den Normalzustand zurück.
Das Publikum sitzt nicht nur auf der Tribüne, sondern auch an den vier Wänden, ganz nahe am weiß ausgelegten, knappen Bühnenquadrat, wo Solos, Duos und Trios zu sehen sind. Mitunter bauen alle fünf eine komplizierte Architektur, indem sie einander umschlingen, verbiegen, Gliedmaßen verrenken und einander als Stütze dienen. Ich sehe Arme und Beine, Schultern und Rücken, doch es ist nicht festzustellen, wem die Gliedmaßen, die Haut, die Haare gehören. Das Gebäude kann nicht ewig halten, der schwächste Pfeiler bestimmt das Ende.
Darauf kommt es wohl an, auf das Miteinander, auf die Gemeinsamkeit und die gegenseitige Hilfestellung. Wenn ein Körper zu Boden fällt, dann ist das kein Zufall und schon gar kein Unfall. Der Fall ist eingeplant, der Widerstand des Körpers gegen das Ungewohnte, das Neue ist gebrochen und das Fallen ist Tanz. 
Die fünf Tänzer*innen leisten Unglaubliches, scheinbar Unmögliches. Bewundernswert! Doch auch das Unmögliche, das Wille, Kraft und Ausdauer möglich gemacht haben, hat seine Grenzen. Die Positionen wiederholen sich, meine Muskulatur beginnt sich zu verkrampfen, zu schmerzen, die niederen Bänkchen im Mumok-Keller sind nicht zum Ausruhen gedacht, ich fühle mich als Komplizin des Quartetts im Quadrat. Alle fünf stehen in einer Reihe auf den Zehen, Blick in eine Richtung, die Arme gehoben als wollten sie wegfliegen. So sehr sie (wir) das auch wollen, es ist nicht möglich. Möglich ist allerdings das Ende der Performance. Schweiß überströmt und glücklich lächelnd verneigen sie die fünf in alle Himmelsrichtungen.
Liquid Loft / Christ Haring: Hold&Resist, Spin-Off Version, ImPulsTanz im Mumok,
4., 6., 7. August 2026
Künstlerische Leitung und Choreografie: Chris Haring
Komposition, Electronics und Spatialisierung: Andreas Berger
Performance und Choreografie: Coralie Bénard, Jackson Carroll, François-Eloi Lavignac, Katharina Meves und Hannah Timbrell
Bühnenbild: Thomas Jelinek; Kostüme: Stefan Röhrle
Fotos: Michael Loizenbauer, Judith Thaler.