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Dschungel: Monster brauchen Chaos

Die Monster entsstehen: Juan, Jasmin, Michi.

Chaos auf der Bühne im Dschungel Wien. Jasmin, Juan und Michi möchten sich nicht produzieren, nichts vorführen, kein Theater machen. Sie wollen malen und zeichnen, singen, tanzen und auch Pause machen und einen Schatz suchen. Die schallundrauch agency hat die drei für ein Monsterprojekt engagiert. Am 21. Oktober ertönte der Startschuss im Dschungel Wien.

Der Titel Monsterprojekt ist mehrdeutig – ein riesiges Vorhaben, eine Baustelle, ein Schwimmbad soll entstehen oder einfach ein Monster oder zwei oder drei. Schließlich dauert es nicht mehr lang, bis das Fest der Monster den einen Saures und den anderen Süßes verspricht. Genau, Jasmin, Juan und Michi haben natürlich einen Plan, nur geben sie es nicht zu, damit wir (das Publikum) sie nicht festnageln und Süßes verlangen, wenn sie nur Saures geben wollen, oder umgekehrt. Es bleibt dabei, es wird gezeichnet und gemalt, dekoriert und geräumt, gesungen und getanzt, in Kisten mit altem Zeug gewühlt und allerhand neues Zeug von draußen ins Bastelatelier geschleppt.
Bald ist klar, des Interesse des fröhlichen Trios gilt den Monstern, auch wenn niemand genau weiß, was das ist ein Monster und schon gar nicht, wie so ein M. aussieht. Jetzt kommt das Monsterprojekt in Gang. Zwar nicht so, wie wir es erwarten, gezielt und konzentriert, mit genauem plan und präziser Einteilung. Sondern einfach irgendwie. Irgendwie geht aber doch nicht ganz ohne Ordnung. Demokratische Entscheidungen sind notwendig, damit das Dreierteam seine Monster erschaffen kann. Begeistert helfen die Kinder mit, entscheiden sich nicht für die korrekte Welt, sondern für die bunte. Keine alten Socken sollen dem Monster die Füße wärmen, lieber soll schillerndes Plastik; dem edlen weißen Umhang wird natürlich der knallrote vorgezogen. Und weil den stabilen Holzböcken als Körper und Basis eine Absage erteilt wird, müssen labile, dünne Stäbe herhalten. Es wird geklebt und genäht, getackert und gehämmert, doch nicht gestritten. Allmählich gewinnen die Monster ihre monströse Gestalt und jedes der drei bekommt zum Abschluss auch zwei Augen. Zum Fürchten sind sie nicht, die komischen Gestalten, sie sind eher komisch, doch für die jungen Zuschauerinnen so plastisch und lebendig, dass sie nach dem Applaus auf die Bühne stürmen, um sie ganz aus der Nähe zu betrachten und auch zu betatschen. Diese handgemachten fantastischen Monster können Ängste vertreiben und Selbstvertrauen stärken, denn niemand hat anfangs gedacht, dass man ein Monster erschaffen kann. Einfach so, mit allem, was so in und vor und neben der Bastelstube zu finden ist.
Was auf der Bühne zu sehen ist, ähnelt keiner üblichen Vorstellung. Die Jasmin (Steffl), Juan (López Cuamatzi) und Michael (Haller) haben beides: eine Regisseurin (Janina Sollmann) und freie Hand. Es wird nicht wirklich improvisiert, aber die Spontanität ist nicht ausgeschlossen. Alle drei sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und manchmal so durcheinander, dass das optische Chaos auch zum akustischen wird. Dass die riesigen Gesellen kaum wackeln und nicht stürzen, weist auf eine lange, intensive Probenzeit hin, auch wenn alles locker, unkompliziert, spontan und zufällig wirkt. So ganz nebenbei erfährt man, dass Glück und Geld nicht verwandt sind und Schätze nur selten in Truhen auf dem Meeresgrund liegen. Das Trio etwa wird glücklich durch die gemeinsame Arbeit und den Erfolg, den sie bei ihrem Publikum haben.

Schallundrauch agency: Das Monsterprojekt, Uraufführung im Dschungel Wien, 21.10-2026, 6 weitere Vorstellungen;
Performance + Tanz + Musik + Stückentwicklung: Jasmin Steffl, Juan López Cuamatzi, Michael Haller
Bühne + Ausstattung: Michael Haller; Kostüm + Ausstattung: Afra Kirchdorfer; musikalische Leitung: Juan López Cuamatzi; musikalisches Coaching: Sara Wilnauer-Leitner
Input + Beratung: Lawrence Ritchie, Frans Poelstra, Silvia Auer.
Fotos: Laurent Ziegler