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Ein Monster zu Gast im Dschungel Theaterhaus

So wirklich zum Fürchten ist dieses Monster im blauen Tutu trotz des gefährlichen Vampirzahnes nicht. Trygve Wakenshaw und das Maschinenhaus Theater Toboso aus Essen haben mit dem Solo Monsterrrrr! einige Vögel abgeschossen. Der aus Neuseeland gebürtige Clown und Physical Comedian unterhält mit seinen Auftritten meist Erwachsene. Doch diesmal tanzt er als freches Monster im Dschungel an. Monsterrrr! ist für Volksschulkinder gedacht, unterhält jedoch auch deren Großeltern aufs Allerbeste.
Trygve Wakenshaws Monster ist trotz seiner langen Beine und seiner Körpergröße mehr ein Kobold, Gnom oder Troll. Er tanzt nicht nur Ballett, sondern vor allem aus der Reihe. Trygve (Trig-vee gesprochen) hält sich als bunte kostümiertes Monster nicht an Regeln und Verbote, kennt keine Scham und weiß genau, was Eltern nicht erlauben, aber die Kinder zum Zerwutzeln bringt. So ist auch das Vornamen-Furz-Spiel einer der Höhepunkt all der komischen Köstlichkeiten und unterhaltsamen Unmöglichkeiten, all des Unsinns und Nonsens, den der Körperkünstler zur Schau stellt und zu Gehör bringt. Allerdings; Wörter braucht er fast keine und wenn, dann sind die Vokale verschluckt, die Konsonanten durcheinandergewürfelt, sodass es den Kindern überlassen bleibt, zu verstehen und mitzugehen in der exzentrischen, schrägen Show.
Irgendwann ist genug mit Lustig und das Monster muss furchtbar weinen: Auf der Bühne sieht es nur Paare, sogar die Korbmöbel sind zu zweit und Bambi sowieso. Doch die Kinder erinnern sich, dass eben noch eine Popcornschlacht gegeben hat und das Monster mit ihnen Schnick-Schnack-Schnuck (bekannt als Stein-Schere-Papier) gespielt hat. So können sie dem Monster versichern, dass es nicht allein ist, weil es viele Freunde hat. So hat die kurzweilige Narretei auch eine Moral.
Dass die Vorstellung am Samstag nicht ausverkauft war, lag in vielen Faktoren, dem warmen Sonnenschein ganz sicher, aber auch daran, dass für die Zielgruppe gerade erst die Schule begonnen hat. Doch die anwesende Kinderschar hat sich so blendend unterhalten, sodass die Lachen und Kreischen und Ende auch der Applaus das ganze Haus gefüllt hat. Gute, kluge Unterhaltung ohne Belehrung oder Unkenrufe ist auch im Kindertheater bereits selten geworden. Für Erwachsene ist es ohnehin längst verpönt sich einfach vom Alltag zu lösen und zu Kunst pur, ohne erhobenen Zeigefinger, zu genießen.
Anmerkung: Das Maschinentheater Tomboso erklärt seinen Namen:
„Der Name Toboso wurzelt in Cervantes Roman »Don Quijote«, der die Vorlage für eine der ersten Produktionen war: Darin bezeichnet Don Quijote die fiktive Figur der »Dulcinea von Toboso« als Herrin seiner Seele. So macht er Toboso zu einem phantastischen Sehnsuchtsort, der all denen zur Realität wird, die mit ganzer Leidenschaft dem Abenteuer einer Idee.“
Monsterrrr!, Internationales Gastspiel Tomboso. Maschinenhaus Theater Essen, 26., 27,9. 2026 Dschungel Wien.
Performance: Trygve Wakenshaw
Regie: Fabian Sattler; Dramaturgie + Ausstattung: Annette Pfisterer
Sound: Lukas Tobiassen; Kostüm: Sandra Hilli Becker, Frederike Marsha Coors;Maske: Karina Brachner; Licht: David Cartwright;
Fotos: Ade Symann, Fraser Cameron