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Ein Denkmal für die mutigen Frauen der SOE

Die Verlegerin Elisabeth Sandmann ist erfolgreiche Autorin. © Amazon.de

Festzuhalten ist, dass im Zweiten Weltkrieg von England aus mutige, junge Frauen ins besetzte Frankreich gesandt wurden, um den Feind zu sabotieren. Den SOE-Agentinnen, die von der britischen Special Operations Executive eingesetzt worden sind, widmet die Verlegerin und Autorin Elisabeth Sandmann mit dem Roman Wir dachten, das Leben kommt noch ein Denkmal. Harte, recherchierte Tastsachen sind in eine spannende Handlung gebettet ohne zu romantisieren.

Das Abzeihen der SOE-Mitarabeiterinnen. © gemeinfreiWir dachten, das Leben kommt noch ist ein Roman, auch wenn sich der Handlungsbogen an die reale Geschichte der SOE-Agentinnen hält. Das soll nicht vergessen werden. Die Autorin, promovierte Literaturwissenschaftlerin, weiss ihr Wissen auf unterhaltsame Weise zu vermittelt. Sie führt mehrere Zeitebenen ein, wobei der äußere Rahmen1998 spielt. Die BBC-Moderatorin Gwendolyn erhält den Auftrag, über die SOE-Agentinnen zu schreiben. Sie reist nach Paris, um Zeitzeugen zu finden. Hilfe erhält sie durch ihre Großmutter, einer Gräfin Ilsabé von Isolani, die von 1941 bis 43 in Paris einen Salon geführt hat, in dem sich die Ehefrauen hochrangiger Besatzer getroffen haben und die Tochter der Concierge zugleich als Dienstmädchen und Spionin anwesend ist. In der Londoner Baker Street 64 lag das Hauptquartier der SOE. Die Adresse wurde oft „Baker Street Irregulars“ genannt, weil der Autor Connan Doyle seinen Detektiv, Sherlock Holmes, auf der gegenüberliegende Straßenseite in der real nicht vorhandenen Nummer 221B angesiedelt hat. © Foto Andreas Praefcke / wikipediaDiese Lilou kann ein wenig Deutsch und was sie aufschnappt, gibt sie an ihren Bruder, einen Widerstandskämpfer, weiter. Nicht nur die Tonbänder, die die Gräfin Isolani mit ihren Erinnerungen besprochen hat, sondern auch die Erzählungen von Pat Conway, die die selbst britische Agentin in Frankreich überwindet das alte Geheimhaltungsgebot und erzählt Gwen von ihrer Zeit als Agentin in Frankreich. SOE-Agentinnen in Frankreich Noor Inayat Khan, Codename Madeleine. Die Tochter eines Sufi-Predigers wurde 1914 in Moskau geboren und 1944 in Dachau ermordet. Das Foto ist 1943 entstanden. © gemeinfreiDiese Erinnerungen handeln von der jungen Agentin Emma, die, wie ihre ältere Schwester, als Agentin nach Frankreich gesandt wird. Erzählt werden Emmas Erlebnisse quasi als Roman im Roman von der Autorin in der dritten Person erzählt. Durch den stetigen Wechsel der Zeitebenen ist es anfangs etwas schwierig, sich zu vergegenwärtigen, dass die 70-jährige Pat Conway und die etwa 25-jährige Emma Fleury ein und dieselbe Person sind.  
Elisabeth Sandmann, umspannt mit ihrem Roman eine Zeit von 50 Jahren und pendelt von Paris nach London, von Frankreich nach England, vom Ende des 20. Jahrhunderts, im Buch die aktuelle Zeit, zurück in die Jahre des 2. Weltkriegs. Die Ausbildung der  SOE-Agentinnen war eben so hart, wie die der Agenten. Das Bild zeigt das Klettertraining. © gemeinfreiPerfekt verflicht sie Fakten und Fiktion und macht deutlich, wie gefährlich diese Agentinnen –  allein die F-Sektion  (F = Frankreich) schickte 39 Agentinnen ins Feld, von denen 13 von der Gestapo festgenommen und ermordet wurden – im fremden Land gelebt haben. Der Titel des Romans –  Wir dachten, das Leben kommt noch macht deutlich, dass vielen die Gefährlichkeit des Auftrags und die Verantwortung, die ihnen auferlegt war, nicht bewusst war. Im Roman werden die Agentinnen in Bletchles Park trianiert. Das Gelände des alte Herrenhauses von Bletchely Park war die Zentrale der SOE Miatarbeiterinnen,  In den Baraacken wurden vor allem Funksprüche dekodiert und die legendäre deutsche Codiermethode Enigma geknackt. In Romanen, Funk und Film ist Bletchley Park längst zum Mythos geworden. Hier das pLkat der Fernseherie „Bltcheley Circus“, in der ehemalige Funkerinnen und Codespezilaisten aim 21. Jahhundert ktuelle Verbrechen kauflären.Die fiktiven Figuren haben alle Vorbilder in der Realität und im Anhang hilft die Autorin der Leserin, zu begreifen, Was damals wirklich geschah.
Elisabeth Sandmann, die bereits für ihren Romanerstling, Porträt auf grüner Wandfarbe, enthusiastisch gelobt worden ist, kann mit dem anschließend erschienenen Buch über die wagemutigen SOE-Agentinnen beweisen, dass sie auch diesmal eine raffiniert konstruierte Geschichte zu erzählen hat, die weit über interesselose Unterhaltung hinausgeht. Schutzumschlag © Piper verlagIm Gegenteil, sie tut es den römischen Dichtern gleich, die laut ihrem Kollegen Horaz „prodesse volunt et delectare“, also nützen und erfreuen wollten. Auch wenn Horaz zugibt, dass manche, streng einseitig, entweder Nützliches oder Erfreuliches bieten wollten. Elisabeth Sandmanns Roman ist klug und unterhaltsam, spricht sowohl die linke wie die rechte Gehirnhälfte an und hat, auch wenn eine Frau von Frauen berichtet, nicht nur diesen etwas zu sagen. 

Elisabeth Sandmann:  Wir dachten, das Leben kommt noch. 384 Seiten, Piper 2025. € 24,70.