Dreyfus (Louis Garrel) vor dem Kriegsgericht. © Guy Ferrandis

Roman Polanski erzählt, kühl und geradlinig den verbürgten Tatsachen folgend, von einem Justizskandal, der in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts die französische Politik erschüttert hat. Es geht um die Dreyfus-Affäre. Doch steht in Polanskis dokumentarischem Film nicht der zu Unrecht von einem Kriegsgericht wegen Spionage verurteilte jüdische Offizier Alfred Dreyfus im Mittelpunkt, sondern der Aufdecker der Fälschungen, Vertuschungen, Intrigen und Falschaussagen, Oberstleutnant Marie-Georges Picquart (1854–1914), der 1895, wenige Monate nach der Verteilung und demütigenden Degradierung, die Leitung des Auslandsnachrichtendienstes (Deuxième Bureau) übernommen hat und den wahren Täter enttarnen wollte.

Ditta Rudle
Elia Suleiman besucht Paris. © Carol Bethuel

Als Reisender über den Globus erkundet Elia Suleiman die Welt und zeigt sie als absurdes Universum, geprägt von Raffgier, Rücksichtslosigkeit und Ignoranz. Der Reisende ist Suleimann selbst, ein Regisseur, der einen Verleih für seinen Film über Palästina, sein Heimatland, sucht. „It must be heaven“ heißt die Komödie im Original, die von der aktuellen Tragödie erzählt.

Ditta Rudle
Mikael Niemi. © Ulf B. Jonsson / www.Birger Ekerlid.se

In ein fernes Land zu reisen, unbekannte Menschen kennen zu lernen und zugleich vorwärts in die Vergangenheit zu schauen, das ist, realistisch gesehen, zur Zeit nicht wirklich möglich. Doch der schwedische Autor Mikael Niemi könnte mit seinem neuen Roman „Koka björn“ helfen, die täglichen Sorgen und Ängste, die das sattsam bekannte Virus vielen bereitet, etwas zu dämpfen. „Koka björn“ heißt der Roman im schwedischen Original. "Wie man einen Bären kocht", heißt der 500 Seiten starke, historisierende Roman über Lappland im 19. Jahrhundert. Das insinuiert eine Komödie, doch Niemi, selbst am Ort des Geschehens im Kulturraum der Samen aufgewachsen und wohnhaft, macht keine Scherze, sondern sich Gedanken. Der Bär ist nicht der Böse in der von historischen Tatsachen inspirierten Chronik. Hauptperson ist der verwilderte Same Jussi, der von einem evangelikalen Pastor erzogen wird.

Ditta Rudle
Heidi Emfried, Krimiautorin. © krimiautoren.at

Ein Mann sitzt in der Tiefgarage des Wiener Hotels Papaya regungslos in seinem Luxuswagen. Es ist Mathieu Rassling, Mitglied der bekannten Unternehmerfamilie, und er ist tot. Die Frage, die sich Inspektor Leo Lang und sein Team stellen müssen: „Natürlicher Tod oder Mord?“. „Des Träumers Verderben“ ist ein locker geschriebener Krimi nach dem „Wer hat’s getan?“-Konzept. Emfried lässt die Leserinnen zum zweiten Mal zuschauen, wie Lang und das Wiener Team ihre Routinearbeit verrichten.

Ditta Rudle
Autor Thomas Engström, geboren 1975. C. Bertelsmann

Ludwig Licht ist der Protagonist einer Tetralogie des schwedischen Autors Thomas Engström. Anfang des Jahres ist der dritte Band erschienen, nach „West of Liberty“ und „South of Hell“ sind wird nun bei „North of Paradise“. Die Bände sind in sich abgeschlossene Thriller, die jeder für sich spannende Lektüre bieten. Doch wer Licht schon bei seinen ersten beiden Abenteuern begleitet hat, kennt seine gesamte Biografie, seine Fehler und auch seine sympathischen Seiten.

Ditta Rudle
Welches Geschenk ist das richtige? © Duden / Velriya Schmidt

Das Christkind hat seine Pakete abgelegt, von dem, was drinnen war und Kinder beglücken sollte, ist vieles bereits in einer Ecke gelandet und wird nicht mehr beachtet. Demnächst leert der Osterhase seinen Korb aus, in dem sich nicht nur Schokoladeeier befinden, sondern auch Autos und Zuggarnituren, Rennbahnen, Puppen und möglicherweise auch ein Smart-Gerät. Auch von diesem Spielzeugberg wird vieles bald vergessen sein. Der bekannte Hirnforscher Gerald Hüther und der Autor André Stern fragen, ob wirklich Materielles, schnell Gekauftes das Richtige ist, wenn Eltern und Großeltern ihren Kindern und Kindeskindern Wertvolles schenken wollen.

Ditta Rudle