Erfolgsautor Christoph Poschenrieder. © Bastian Schweitzer / Diogenes

Der neue Roman von Christoph Poschenrieder kreist, überaus sichtbar, um den Autor Gustav Meyrink, der vom Außenamt in Berlin gegen Ende des 1. Weltkrieges einen sonderbaren Auftrag erhält. Er soll einen Roman scheiben, aus dem deutlich hervorgeht, wer am Ausbruch des Krieges schuld ist. Meyrink nimmt den Auftrag an, der braucht das Honorar. Poschenrieder sucht den Roman und findet einen Autor, der heute kaum mehr bekannt ist. Wie immer versteht es Poschenrieder, ein ernstes Thema mit leichter Hand und hintergründigem Humor anzupacken. Das Lesevergnügen ist garantiert.

Ditta Rudle
Autor Tommy Orange. © Penguin Randomhouse

Der junge amerikanische Autor Tommy Orange, geboren 1982, ist Abkömmling der Ureinwohner Amerikas, ein Mitglied der Cheyenne und Arapaho Tribes (Stämme), aus der Entfernung Indianer genannt. Als Nachkomme der Ureinwohner hat er seinen ersten Roman geschrieben; über Identitätsbewusstsein und Tradition, über die Suche nach den Wurzeln und die Chancen, die die junge Generation der indigenen Bevölkerung in einer Heimat hat, die ihnen schon lange nicht mehr gehört. Ein bemerkenswertes Buch, schön geschrieben und von Hannes Meyer ebenso schön aus dem Englischen übertragen.

Ditta Rudle
Autor Thomas Engstrøm, fotograftiert von Gabriella Håkansson / wipedia.

Ludwig Licht, der Ex Spion und Doppelagent, wird wieder gebraucht. Er benötigt das Honorar. Deshalb lässt er sich überreden, von Berlin nach Pennsylvania zu reisen. Er soll den Kopf von Ron Harriman, ehemals US-Botschafter in Berlin, retten. Knapp vor der Wahl zum Kongress ist Harrimann in einen Selbstmord verwickelt und Licht soll beweisen, dass Harriman nichts mit dem Toten im Hotelzimmer zu tun hat. Der schwedische Autor Thomas Engstrøm hat das perfekte Rezept für einen Thriller gefunden. Auch im zweiten Band der Trilogie mit Ludwig Licht, "South of Hell", versetzt Thomas Engstrøm die Leserin in Hochspannung.

Ditta Rudle
Autor Peter Henning. © publik-forum.de

Es gibt Romane, die stecken zwar zwischen zwei dicken Deckeln, lesen sich aber, als wären es billige Hefteln. „Die Tüchtigen“ ist so einer, viel zu dick, ohne Überraschungen, platt und oberflächlich. Doch der Autor und Journalist, Peter Henning, hat Preise erhalten und unterrichtet „kreatives Schreiben“ an der Universität zu Köln. Ich würde eher meinen, er lehrt möglichen Schüler*innen „triviales Schreiben“, also einfach so daher zu Plauschen, damit die Auflagen möglichst hoch und, seichte Lektüre vorziehendende, Leserinnen (Leser will ich da nicht mit hineinziehen) möglichst zahlreich sind.

Ditta Rudle
Paulus Hochgatterer, Autor und Psychiater. © Deuticke

Mit dem aktuellen Roman „Fliege fort, fliege fort“ hat Paulus Hochgatterer, wie bekannt, nicht nur Schriftsteller, sondern auch Kinderpsychologe, seine Trilogie über Gewalt und Missbrauch in der Kindererziehung, welchen Kinder auch heute, auch in Mitteleuropa, immer noch ausgesetzt sind, abageschlossen. Es mag paradox klingen, wenn ich sage, dieses Buch erfreut (alle drei Romane der Trilogie erfreuen) mein Herz, denn der Roman ist (alle drei Bücher sind) so traurig, dass beim Lesen ein Taschentuch bereit liegen sollte. Es ist das offene und doch beruhigende Ende, das Freude macht und noch mehr Hochgatterers Stil. Ein Erzähler, der zwischen den Zeilen viel Platz lässt und die Freiheit des Selberdenkens gibt.

Ditta Rudle
Autor Mick Herron im Viertel, wo auch Slough House steht. © Tim Barrow

DpΩie lahmen Gäule reiten wieder aus. Nach seinem preisgekrönten Spionage-Thriller „Slow Horses“ berichtet Mick Herron im zweiten Band der Trilogie um die abgehalfterten Mitarbeiter*innen des britischen Geheimdienstes im Slough House, „Dead Lions“, von der Jagd nach Spionen in Wartestellen, sogenannten „Schläfern“. Im Mittelpunkt steht auch diesmal der Chef im Pferdestall, der undurchsichtige Jackson Lamb, der auch jede noch so winzig glimmende Lunte riecht.

Ditta Rudle