Performance zur Schiffskatastrophe 1816. © Grunwald

Gemeinsam arbeiten drei Künstler – der Tänzer und Choreograf Bert Gstettner, der bildende Künstler Hannes Mlenek und der Musiker Günther Rabl an einer Inszenierung zum Themenkreis „Das Floß der Medusa“. Eine erste Performance dieser laufenden Arbeit unter dem Dach von Tanz*Hotel findet am 4. Oktober in der großen Expedithalle der ehemaligen Ankerbrotfabrik statt.

Choreografie und raum-akustische Inszenierung sollen in Beziehung gebracht werden, wenn sich die drei Künstler auf die Fregatte Medusa versetzen und sich an die Katastrophe auf dem Meer erinnern, die vor 200 Jahren statt gefunden hat.
Die Fregatte Medusa ist im Jahr 1816 durch Navigationsfehler auf eine Sandbank vor der westafrikanischen Küste aufgelaufen und musste aufgrund mangelnder Rettungsboote, zu einem Floss dekonstruiert werden. Fünfzehn Tage hindurch treiben die übrigen, anfänglich 150 Schiffbrüchigen auf dem zurückgelassenen, steuerlosen Floß dahin. Gerettet wurden lediglich 15 Menschen. Der Maler Théodore Géricault schuf 1816-18 zu diesem Vorfall ein postrevolutionär-romantisches, monumentales Gemälde, das zu einem der eindrucksvollsten Bilder im im Louvre zählt. Auch durch dieses umstrittene Gemälde ist die humanitäre Katastrophe in starker Erinnerung geblieben. Medusa*Expedit: Schiffbau. © Grunwald

“Am 2. Juli 1816 läuft die französische Fregatte Medusa auf der Arguin-Bank, vierzig Seemeilen vor der Küste Westafrikas, auf Grund. Bedingt durch die Inkompetenz und charakterliche Schwäche des royalistischen Offizierskorps, entwickelt sich der Schiffbruch zur Katastrophe. 150 der Schiffbrüchigen werden auf einem eilig zurechtgezimmerten Floß ausgesetzt, der Rest der Besatzung, unter ihnen der Kapitän der Medusa, retten sich mit den Beibooten. Bereits in der ersten Nacht kommen über 60 Männer Meuterei und schier tobsüchtiger Raserei der Seeleute und Soldaten. Heutige Forschung geht eher von einem Massaker der Offiziere an den Mannschaftsdienstgraden aus. Bereits nach vier Tagen kommt es zu ersten Fällen von Kannibalismus. Die beiden Autoren berichten nüchtern vom allmählichen Verlust jeglicher Ideale der Zivilisation. Der Verlust von Disziplin, verbunden mit der aufkommenden Hoffnungslosigkeit, führt innerhalb nur weniger Stunden und Tage zur Barbarei auf dem steuerlos dahin treibenden Floß. Als die Schiffbrüchigen nach zwölftägiger Irrfahrt von der Brigg Argus entdeckt werden, sind nur noch 15 der 150 Männer am Leben.“ (Markus Ruprecht: Der Schiffbruch der Fregatte Medusa u. Amistad – Historische Sinnbildung in den Medien, Roman und Spielfilm im Geschichtsunterricht. Verlag Grin)

Medusa*Expedit: Symbolbild von GrunwaldIn dem Projekt geht’s es um das Versagen von Menschen in Extremsituationen. Dass sich die 200 Jahre zurückliegende Katastrophe ohne viel Mühe in die Gegenwart versetzen lässt, muss nicht eigens erklärt werden. Gstettner / Mlenek / Rabl hegen die Hoffnung, dass sich aus der Tragik heraus eine positive Wendung für eine Zukunft ohne menschliche Katastrophen ergeben kann.

Ein erster Blick auf das „Work in Process“ wird in Form von Materialien, Skizzen und Elementen der Recherche gezeigt. Im Jahr 2016 soll zum Gedenken an das Schiffsunglück der nächste Teil in erweiterter Fassung veröffentlicht werden.

TANZ*HOTEL: „Medusa*Expedit“, Sonntag, 4.10.2015, 19.30 Uhr, Brotfabrik Wien – Expedithalle / Loftcity, Wien X., Absberggasse 27