Zum Hauptinhalt springen

Glitzer, Glanz und Gloria – Juwelen für Mr. B

„Diamonds“: Pure Klassik ganz in Weiß.

Sterne über Sterne. Auf der Bühne und bei den Namen der Mitwirkenden, weil sie alle  mit der Wiederaufnahme von George Balanchines Ballett Jewels ein Rollendebüt feiern. Ballettdirektorin Alessandra Ferri gestaltet ihre erste Saison vorsichtig und publikumswirksam. Mit Giselle hat sie die Saison eröffnet, in der Halbzeit hat sie die Juwelen aus dem Repertoire-Schmuckkästchen geholt und neu einstudieren lassen. Die erste Vorstellung: strahlend, beglückend, eindrucksvoll.

Nanette Glushak und Diana White haben Wiederaufnahme mit dem Wiener Staatsballett einstudiert. Beide sind Mitglieder des George Balanchine Trusts und reisen durch die Welt um die Werke von Mr. B einjustieren. Glushak ist mit dem Wiener Staatsballett vertraut, arbeitet sie doch seit 1998 mit mit den Tänzerinnen des Wiener Staatsballetts. Sie ist für den in sattem Rot prangenden mittleren Akt, Rubies / Rubine, verantwortlich. Margarita Fernandes und António Casalinho erweisen sich in ihrem Rollendebüt als Traumpaar. Fernandes, Portugiesin wie Casalinho, und wie ihr Partner hat sie bereits zahlreiche Preise gewonnen. Bis sie in dieser Saison als Solotänzerin engagiert worden ist, war sie Solistin im Bayerischen Staatsballett; Casalinho hat sich in München als Erster Solotänzer verabschiedet, um die aktuelle Saison in Wien zu starten.
Glushaks Kollegin Diane White hat die ruhigeren Akte, Emeralds / Smaragde und Diamonds / Diamanten einstudiert. Auch hier überzeugten Solistinnen und Corps mit ihren Rollendebüts. Ioanna Avraam und Kentaro Mitsumori, ein fein abgestimmtes Paar, sind liebliche Smaragde, ich würde sie gern am Finger tragen. Mitsumori war seit 2022 Principal Dancer im Königlich Schwedischen Ballett, Ferri hat ihn als Ersten Solisten ins Wiener Staatsballett aufgenommen. Der Smaragde kann es nicht genug geben, also hat Balanchine schon bei der Uraufführung 1967 mit dem New York City Ballet ein zweites Solopaar zur Musik von Gabriel Fauré (1854–1924) tanzen lassen. In Wien beglücken mich Olga Esina und Victor Caixeta mit einfühlsamer Eleganz im harmonischen Pas de deux. Esina, eine Prima Ballerina, auch wenn der Titel im Staatsballett nicht vergeben wird, an der auch George Balanchine seine Freude gehabt hätte. Der Brasilianer Caixeta, seit dieser Saison als Erster Solist im Ensemble, scheint, so schließe ich aus seiner Biografie, ein junger Mann zu sein, der nicht stillsitzen kann. Seine Sprünge ließen bereits in der Premiere von Alexander Ratmanskys Choreografie Kallirhoe die Herzen höher schlagen.
Wie für den Juwelier die Diamanten als edelste Edelsteine sind, so hat auch der Choreograf für den dritten Teil, Diamonds, für Solistinnen und Corps aller edelstes klassisches Vokabular ersonnen. Laura Fernandez Gromova profitiert von der Energie und Eleganz des jungen Ersten Solotänzers Alessandro Frola. Frola, der ab 2019 im Hamburg Ballett getanzt und sein als Erster Solist Engagement 2025 beendet hat, um in Wien anzudocken, hat auch Filmerfahrung. Im Musical Billy Eliot hat er für die Interpretation der Titelrolle mit im Rahmen der Premi Flaiano ausgezeichnet. Als strahlender Diamant hat er das Publikum zu Beifallsstürmen hingerissen, mehrmals  wurde er mit der Partnerin und auch dem Dirigenten, Paul Connelly, vor den Vorhang gerufen. Eine Tradition, die beim Publikumsdienst nicht beliebt ist, die freundlichen Frauen und Männer wollen (oder sollen)  ihren Dienst möglichst rasch beenden.
Herausragend, wenn auch nicht jederfrau Geschmack, sind auch die Edelstein-Kostüme. Karinska (Barbara) hält sich an die Farben der Steine, grün, rot, weiß. Es glitzert und schimmert, prahlt und protzt. Auch Bühnenausstatter Peter Harvey spart nicht Prunk und Pracht. So hat das Publikum, das den Staatsopernabend im Reiseplan hat, allerhand zum Schauen und Bewundern.

George Balanchine: Jewels: Emeralds / Rubies / Diamonds. Wiederaufnahme am 30.1.2026, 20. Aufführung in der Staatsoper.
Musik: Gabriel Fauré, Igor Strawinsky, Peter I. Tschaikowski: Musikalische Leitung: Paul Connelly.