Im Duett: Jonathan Burrows, Matteo Fargion. © Ben Parks

Unter Tag eröffnet das Tanzquartier 24 Stunden lang die Herbstsaison 2015. Begleitet von dem Musiker und Performer Marino Formenti treffen einander im geschützen Raum der Halle G (unter der Erde) Künstler_innen, Theoretiker_innen und andere Gäste mit dem Publikum, um zu schauen, zu hören, zu diskutieren und auch zu essen und zu trinken, wenn notwendig auch zu schlafen. Das Kollektiv AO& organisiert die soziale Situation. Begegnungen sind möglich, Ereignisse finden statt, verdichten sich gegen Abend und währen bis zum nächsten Morgen.

Das Performance-Programm ist abwechslungsreich und vielfältig. An den Start geht das in Wien bestens bekannte Duo Jonathan Burrows + Matteo Fargion. Der Tänzer und der Komponist arbeiten seit mehr als zwanzig Jahren zusammen und haben eine spezielle Form des Duetts entwickelt. Wie sie das machen, zeigen sie in der Performance „Show and Tell“. Am selben Abend setzen sich die beiden Künstler auch mit dem Körper auseinander, der keineswegs alles ausdrücken kann, was er soll. „Body Not Fit For Purpose“ soll den Zusammenhang zwischen Bedeutung und Aktion enträtseln. Es darf auch gelacht werden.

Auf www.tqw.at kann das Programm des Herbstes von Sasha Waltz & Guests über die Zusammenarbeit mit "wien modern" bis zu Elio Gervasis Frage „What kind of animal is?“ nachgelesen und in den Kalender eingetragen werden.

Nicht nur in diesem Herbst angeschaut, angehört und studiert werden kann die nach langer und intensiver Vorarbeit nun online gestellte Mediathek des Tanzquartiers. Das Tanzquartier möchte mit diesem Archiv vor allem Fachpublikum die Möglichkeit bieten, die Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes und der Performance, vertreten durch die Künstler_innen und Theoretiker_innen im Tanzquartier, nachzuvollziehen. Alle Aufzeichnungen seit der Eröffnung des Tanzquartiers im Jahr 2001 wurden digitalisiert und werden laufend vervollständigt. Derzeit stehen etwa 300 Mitschnitte von Performances, Vorträgen, Künstler_innen-Gesprächen und anderen Formaten zur Verfügung. Tanzquartierdirektor, Walter Heun, ist stolz, „ dass dies das erste verfügbare Archiv dieser Art in Europa ist.“ Künstler_innen, die eigene Videos hergestellt haben, sind eingeladen, diese hochzuladen und zu entscheiden, ob diese frei zugänglich oder passwortgeschützt veröffentlicht werden. Mitgeholfen an der Entwicklung der Mediathek haben Studentinnen der Theater-, Film- und Medienwissenschaften der Universität Wien und das Institut für Creative Media Technologies der Fachhochschule Sankt Pölten. Website: www.mediathek.tqw.at/

Ein letzter Hinweis auf die im Tanzquartier gepflegte Theorie: In einem viertägigen Festival stellen sich 60 Künstler_innen und Philosoph_innen die Frage, ob die Verbindung der Künste mit der Philosophie ein Laboratorium der Zukunft sein könnte. Dazu haben sich „Artist Philosophers. Philosophyy AS Arts-Based-Research“ und das Tanzquartier verbündet, um in den Studios und der Halle G die Allianz zwischen Kunst und Philosophie zu erproben. „Arts Philosophers — Nietzsche et cetera“ findet vom 26. Bis 29. November statt.

Tanzquartier: Herbst 2015. Eröffnung „Unter Tag“, 24 Stundenl bei freiem Eintritt, 25. 9., 8 Uhr bis 26. 9., 8. Uhr. Tqw / Halle G.
Jonathan Burrows + Matteo Fargion: 2. und 3. 10., Tqw / Halle G.