Peter Pan verursacht Chaos in der Familie Darling.

Peter Pan verursacht Chaos in der Familie Darling.

Auch in der 13. Vorstellung des überaus erfolgreichen Familien-Balletts „Peter Pan“ hat das Ensemble mit den beiden Rollendebütanten Alexander Kaden, Peter Pan, und Martin Winter, Mr. Darling, Begeisterungsstürme in der ausverkauften Volksoper hervorgerufen. In der Pause wollten die sonst so zappeligen jungen Zuschauer*innen die roten Polstersessel nicht verlassen, so gespannt von der Handlung, so gebannt von Spiel und Tanz waren sie. Ein deutliches Zeichen, dass man mit dem nötigen Einsatz auch sehr junges Publikum für das Theater mit Musik und Tanz begeistern kann.

Alexendar Kade fotografiert von Luis Casanova Sorolla

Alexander Kadens Peter Pan ist kein kindischer Teenager, der auch gerne Schabernack treibt, sondern ein Jüngling, der seine Augen gerne auf die Frauen in seinem Umkreis wirft. Und das sind einige, allen voran die ihm treu ergebene Fee Tinker Bell (Dominika Kovacs-Galavics) und die von ihr als Konkurrenz empfundene Wendy Darling (Marie-Sarah Drugowitsch) die samt ihren beiden Brüdern aus dem Kinderzimmer nach Neverland fliegt, und schließlich das alerte Indianermädchen Tiger Lilly (Tainá Ferreira Luiz), die nicht nur Peter Pan, sondern auch dem Publikum sehr gut gefällt. Durch die Darstellung der Hauptfigur durch den groß gewachsenen Tänzer aus Brasilien sind die bösen Blicke und der entzückende Schmollmund von Kovacs-Galavics als Tinker Bell erst so richtig verständlich. Die naive Wendy hingegen versteht gar nichts, und das macht Drugowitsch ebenfalls plastisch augenfällig.
Kaden ist seit 2015 im Wiener Staatsballett an der Volksoper und hat schon in Davide Bombanas anspruchsvollem Ballett „Roméo et Juliette“ (Premiere 2017, Musik: Hector Berlioz) als Mercutio seine virtuosen Sprünge gezeigt.

Dominika Kovacs-Galavics ist die eifersüchtige Tinker Bell. Martin Winter, seit mehr als zehn Jahren eine kräftige Stütze des Staatsballetts in der Volksoper, kann auch in der Rolle des nach einer Party ziemlich beschickerten Mr. Darling begeistern. Wenn er mit seiner Partnerin, Elena Li als Mrs. Darling, unter der Laterne den Katzenwalzer tanzt, geht auch den Großeltern das Herz auf. Gleb Shilov ist ein nur anfangs etwas unheimlicher Schatten, der mit seinen zu Peter Pan synchronen Bewegungen nie aus der Rolle fällt und doch eine eigenständige Figur kreiert hat.

Vesna Orlic hat eine Mischung aus Tanz und Spiel und Musik (ausgewählt gemeinsam mit Gerald Stocker) und Videoeinspielungen (Andreas Ivancsics) ein perfekte Choreografie geschaffen, die zugleich als Ballett, Musical und Film funktioniert und keine Langeweile aufkommen lässt, obwohl sie netto gute zwei Stunden währt. Wie vergnüglich dieser Abend ist, macht auch Dirigent Wolfram-Maria Märtig klar, der das riesige Volksopern-Orchester zu gut hörbaren Höchstleistungen anspornt.

Alexander Kaden als Peter Pan : Schwarm der Mädchen und  Feen. Wie das ergötzliche Ballett „Max und Moritz“ (Choreografie: Ferenc Barbay / Michael Kropf, Premiere an der Volksoper November 2007), bleibt auch „Peter Pan“ ewig jung und erfreut zuerst die Kinder, die später als Eltern ihre Kinder in die Vorstellung führen. Ich kann nur hoffen, dass diese neue Kreation nicht dasselbe Schicksal erleidet wie die schlimmen Buben, die aus unverständlichen Gründen in der Mottenkiste gelandet sind. Einige junge Tänzer, die jetzt als Erste Solisten des Staatsopernballetts bejubelt werden, haben als Max oder / und Moritz ihre ersten Purzelbäume auf der großen Bühne geschlagen. Auch „Peter Pan“ könnte mehrere Generationen von Tänzer*inenn und Besucher*innen unterhalten. Zumal er, wie mir scheint, der Volksoper 100 Prozent Auslastung bringt. Und das ist ja auch nicht zu verachten.

„Peter Pan“, Ballett in zwei Akten nach der Geschichte von J. M. Barrie. Choreografie: Vesna Orlic. Musik: Erich Wolfgang Korngold, Max Steiner und andere. Dirigent: Wolfram-Märtig. Musikkonzept: Vesna Orlic, Gerald C. Stocker; Bühne und Kostüme: Alexandra Burgstaller; Videos: Andreas Ivancsics; Dramaturgie: Monica Ruis. Uraufführung: 11. Mai 2019, Wiener Staatsballett an der Volksoper.
Wieder einmal gesehen am 15. September 2019, mit Alexander Kaden in der Titelrolle.
Nächste Vorstellungen: 20., 26., 29. September; 3. Oktober 2019.
Fotots: Ashley Taylor. © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor