Alltägliche Gesten schreiben sich in den Körper ein. © René Jungnickel

Alltägliche Gesten schreiben sich in den Körper ein. © René Jungnickel

Auch im Kosmos Theater wird getanzt. Als Gastspiel zeigt die Dresdner Compagnie Freaks & Fremde „Everyone“ in einer Choreografie des US-amerikanischen Komponisten John Moran. Ein musikalisches Tanzstück, in dem drei Tänzerinnen eine Parade universeller menschlicher Ausdrucksformen, Gesten und Bewegungen zeigen. Die Musik spielt live dazu.

Synchron mit der Musik. © René JungnickelAlltägliche Abläufe und Handlungen sowie vermeintlich Zufälliges hat Moran mittels musikalischer Prinzipien so dekonstruiert und ineinander verschachtelt, dass menschliche Verhaltensmuster, Muster die jedermensch / everyone ausführt, als eine komplex komponierte Sinfonie erscheinen. Die präzisen Abfolgen von Gesten und Bewegungen der drei Tänzerinnen sind synchron zu vorher aufgenommenen Stimmen und Geräuschen. Eine Reihe von Porträt-Miniaturen, deren wiederkehrende Bewegungsabläufe den Kreislauf des Lebens, und wie er sich in Körperhaltungen manifestiert, beschreiben. Tanz und Live-Musik folgen der musikalischen Form einer Fuge.Die Tänzerinnen biegen sich vor Lachen. © René Jungnickel

Die Compagnie Freaks und Fremde ist in Dresden beheimatet und arbeitet seit 2006 mit Künstler*innen aus unterschiedlichen Sparten. Das Credo ihrer Theaterarbeit ist die Auseinandersetzung mit dem Anderen, dem Unbekannten, dem Unmöglichen. „In iunseer Arbeit gibt es keine Genregrenzen, und doch sind wir kein Gemischtwarenladen." Der Ausdruck von Freaks und Fremde hat seinen Ausgangspunkt in der Puppenspielkunst.

Aus der Freakschau zu Halloween.  © André WirsigJohn Moran begann seine Karriere im New York der späten 1980er-Jahre. Philip Glass war sein Mentor, in seinen Opern arbeitete er mit Uma Thurman, Iggy Pop und Allen Ginsberg zusammen. Seit 2008 produziert Moran vor allem in Europa, es entstanden intime Theaterminiaturen wie die Solo-Performance „Etudes: Amsterdam“ oder das Duett „John Moran … and his neighbor.“ 2017 erarbeitete er eine Neufassung seiner Oper „The Manson Family“ in HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden.

Zusätzlich bieten die Freaks zur Halloween-Nacht eine fantasievolle Show voller Kuriositäten, die mit verschiedensten Formen des Objekt-, Figuren- und Körpertheaters experimentiert und lautstark am Konzept der Normalität rüttelt. Freaks hinter und auf der Bühne. Politisch unkorrekt, darf man sich ins 19. Jahrhundert versetzen und sich dem abscheulichen Vergnügen des Grauens und Gruselns hingeben.

Freaks und Fremde / John Moran: „Everyone“, musikalisch-tänzerische Porträts. Komposition, Choreografie: John Moran. Tänzerinnen: Jule Oeft, Kristin Mente, Chiara Detscher | Live-Musikerinnen: Marieluise Herrmann, Constanze Friedel.
Lichtdesign: Josia Werth. 30. Oktober 2019, Kosmos-Theater.
„Freakshow“: Idee, Performance, Ausstattung: Sabine Köhler und Heiki Ikkola. Live-Musik: Daniel Williams. Lichtdesign: Josia Werth. 31. Oktober 2019, Kosmos-Theater.