"Mamma Lunda", Figurentheater von Peter Ketturkat. © P. Ketturkat

"Mamma Lunda", Figurentheater von Peter Ketturkat. © P. Ketturkat

Das Theaterhaus für junges Publikum, „Dschungel“, feiert sein 15-jähriges Bestehen. Dementsprechend üppig und bunt ist das Programm für diese Saison, dass die künstlerische Leiterin, Corinne Eckenstein, am 10. September vorgestellt hat. Gefeiert wird das Jubiläum am 6. Oktober mit einem Open House und einem vielfältigen Programm bei freiem Eintritt.

„Unsere Zukunft passt auf keine Fahne“ hat das Dschungel-Team als Motto für die kommende Saison gewählt. Die Interpretation liefert wohl das Programm, bestehend aus Premieren (28), Gastspielen (8), Wiederaufnahmen (24), das sind insgesamt 60 Produktionen. Hüpfen, eine erfolgreiche Produktion für Dreijährige von Gat Goodvitch. Wiederaufnahme am 11. Oktober. © Rainer BersonNicht mitgezählt die Langzeitprojekte, wie etwa das engagierte Vorhaben „Medeas Töchter", das im Juni 2020 mit einer performativen Stadtführung in der Choreografie von Magda Chowaniec sichtbar werden wird. Demnächst, am 21. September 2019, werden bei der Kick Off-Veranstaltung kostenlose Workshops für junge Frauen zwischen 14 und 24 Jahren (stimmt, „Medeas Töchter“ sind keine Männer) angeboten, unter anderem mit EsRAP, Yasmo, Asli Kislal, Corinne Eckenstein (Regie) und der Projektleiterin Magdalena Chowaniec.

„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht“. Die bekannte Fabel vom Hirtenbuben, der aus Langeweile immer vor dem Wolf warnt, den er angeblich sieht und damit die Dorfgemeinschaft düpiert, die dann nicht mehr reagiert, wenn der Wolf tatsächlich die Schafherde angreift, nimmt der Theaterverein Plaisiranstalt (Das Ärgernis des fehlenden "i" im Namen Der Gruppe, haben wir den Gründer*innen,Paola Aguilera, Raoul Biltgen, Barbara Schubert und Sven Kaschte, zu verdanken) zum Anlass für ihr Stück über Wahrheit und Lüge und die Fragen, ob es überhaupt eine Wahrheit gibt und wem man heute noch glauben kann. Die Uraufführung wird die Dschungel-Saison am 19. September eröffnen und ist für Achtjährige und alle darüber gedacht. Der Wolf frisst schließlich die Schafe, weil dem Buben niemand mehr glaubt. Buchillustration von Milo Winter. © wikipedia, free license

Für die Größeren muss William Shakespeare herhalten. „Was ihr wollt“ ist ein Schauspiel über „die Liebe in sozialen Medien“, bei dem Corinne Eckenstein Regie führt. Die Produktion von Dschungel und diverCITYLAB wendet sich an heranwachsende ab 13 und wird ebenfalls am 19. September uraufgeführt.

Informationen über weitere Premieren und Repertoireaufführungen sind bereits auf der  Dschungel-Website zu finden.

War's vielleicht die Ziege (Michèle Rohrbach)?, fragt der kleine Maulwurf (Martina Rösler) © Ani AntonovaEinige Tipps kann ich mir dennoch nicht verkneifen, etwa den Hinweis auf die Wiederaufnahme der Produktion von makemake, die vom „Kleinen Maulwurf“ erzählt, „der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat.“. Sara Ostertag hat das gleichnamige Bilderbuch von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch (Hammer, 1989) als amüsantes Musiktheater aufbereitet, das sich an Dreijährige wendet, die es bereits 45 Minuten still auf ihrem Hinterteil aushalten. Hannes Dufek hat die Musik geliefert und macht sie auch, gemeinsam mit Florian Fennes. Martina Rösler ist der neugierige, samtweiche Maulwurf, Michèle Rohrbach ist alle anderen Tiere, deren Haufen der Maulwurf analysiert. Am 27. Oktober beginnt die Serie, der Zielgruppe angepasst am Vormittag oder nach dem Mittagsschlaf. Der kleine Clown, der auf seiner kleinen Leiter bis zum Mond steigt. © Peter Ketturkat

Nicht nur für Kinder, sondern auch für Eltern, Großeltern und sämtliche anderen Großen, die sich gerne verzaubern lassen, zeigt Peter Ketturkat (Verein zur Rettung der Dinge) sein neuestes wunderbares Figurentheater auf der winzigen Puppenbühne. Die Venus von Willendorf spielt die Hauptrolle in „Mamma Luna“. Das Schatten- und Puppenspiel mit silbernen Metallskulpturen im Kleinformat wird schon Kinder ab vier erfreuen und Erwachsene ebenso. Premiere ist am 28. Dezember 2019.

Wiederaufnahme der Koproduktion von Dschungel und Wien Modern "Über uns nur der Himmel" in der Regie von Corinne Eckenstein & Sanja Tropp Frühwald : 19.10. © Rainer Berson Inmitten der nationalen und internationalen Kooperationen klingt das Eu-Projekt „Connectup – The Life of the Others“, das 10 Theater, neun Festivals und zwei Universitäten, die im Theaterbereich für junges Publikum tätig sind, in einem Netzwerk zusammenführt, zukunftsweisend. In einer Europäischen „Union der Vielfalt“ bündeln die Beteiligten ihre unterschiedlichen Ansätze und Stärken, um neues Publikum zu erreich und altes zu erhalten. Neben Workshops, Diskussionen und Erfahrungsaustausch werden auch 29 Cross-Over-Produktionen entwickelt, die das Repertoire bereichern und auf 22 Festivals präsentiert werden. Der Dschungel Wien beteiligt sich an diesem Projekt, das beweist, dass es nicht genügt, im eigenen Saft zu schmoren und über den Tellerrand hinausblickt.

Hinzuweisen ist unbedingt noch auf zwei Benefizveranstaltungen zugunsten der Kulturpatenschaft für Kinder und Jugendliche, die es sich nicht leisten können, ins Theater zu gehen oder an der Theaterwild:Werkstatt teilzunehmen.Premiere: "Si(e)Si" kreist um Breakdance und B-Girls im Alter von 8 bis 38 Jahren. Das Projekt von SILK Fluegge / Silke Grabinger landet 5 mm über dem Boden, am 25. September. © Meinrad Hofer Ihr Herz für Kinder zeigen der renommierte Schauspieler und Kinderbuchautor Erich Schleyer und der Schauspieler, Regisseur und Sänger Gernot Kranner (Ensemblemitglied an der Volksoper) in je einer Ein-Mann-Schau. Kranner spielt und singt, begleitet von Axel Ramerseder am Klavier, als Wolfgang Plappageno Schnattermaul alle Rollen in seiner „Zauberflöte“ (19. Jänner 2020). Schleyer ist Fliege und Eisbär, Spinne, Vogel und noch einiges Getier mehr, wenn er Geschichten aus aller Welt zum Besten gibt. „Der Geschichtenerzähler kommt“ am 8. Dezember und wendet sich an Kinder ab fünf, die gar nicht nur stumm sitzen müssen, sondern mitmachen dürfen.

 Corinne Eckenstein, künstlerische Leiterin im Dschungel Wien. "Missstände im Bereich Kultur für junges Publikum." © Franzi Kreis 02Gar nicht märchenhaft gestaltet sich das Budget im Dschungel, was auch den Verantwortlichen längst bekannt sein müsste. „Kultur für junges Publikum“ ist eine Worthülse, der es an Inhalt fehlt, weil nämlich das Geld fehlt. „Die Missstände im Bereich Kultur für junges Publikum, die zum einen die Produktionsbedingungen betreffen und die Künstler*innen finanziell schlechter stellen als im übrigen Kulturbereich. Zum anderen stellt die Nichtvalorisierung der Fördergelder des Dschungel Wien seit mittlerweile acht Jahren ein ernsthaftes Problem zulasten der Künstler*innen und des Teams dar.“ (Die Dschungel-Geschäftsführerinnen: Corinne Eckenstein, künstlerische Leiterin und Alexandra Hutter, kaufmännische Leiterin). Die Unterdotierung führt dazu, dass die Mitwirkenden auf und hinter der Bühne schlecht bezahlt sind und das Limit an Produktionen längst erreicht ist. „Mehr ist nicht drinnen“, sagt Hutter. Dass die meisten Medien außerdem wenig Interesse an Produktionen für Kinder und Jugendliche zeigen und den Dschungel tunlichst meiden. So beißt sich diese unliebsame Katze in den Schwanz: kein Geld, keine Aufmerksamkeit, noch weniger Geld. Die Decke, nach der sich Freie Gruppen und die Dschungel-Leitung samt dem Team strecken sollen, ist längst durchbrochen.
Noch einmal: Seit acht Jahren sind die Fördergelder für den Dschungel nicht valorisiert worden. Wo schlägt da das Herz für Kinder und Jugendliche? Und wem?

Dschungel Wien, Programm der Saison 2019/20 und finanzielle Situation, vorgestellt von Corinne Eckenstein und Alexandra Hutter, 10. September 2019, im Dschungel Wien, Theaterhaus für junges Publikum.
Programminformationen: Dschungel Wien.