in Großbritannien hochgeschätzt: Ali Smith © Antonio Zazueta Olmos/ Luchterhand

Im Jahr 2016, als sich 51 Prozent der Briten für einen Austritt des Königreichs aus der EU ausgesprochen hat, musste Ali Smith, gebürtige Schottin, in die Tasten greifen, um ihren Schock zu überwinden und darüber nachzudenken, „was kulturell passiert, wenn etwas auf einer Lüge aufbaut.“ In ihrer eigenen assoziativen, auch verspielten, sanft fließenden Sprache hat Smith mit „Herbst“ einen so schönen Roman verfasst, dass man lesend viel zu rasch am Ende angekommen ist.

Ditta Rudle
Autor Kennth Bonert. © Richard Dubois

Mit seinem Erstling „Der Löwensucher“ hat der Südafrikaner Kenneth Bonert eine eindrucksvolle Familiengeschichte erzählt. Nun setzt er mit „Der Anfang einer Zukunft“ („The Mandela Plot“, Originaltitel) die Geschichte mit den Söhnen von Isaac Helger, dem aus Litauen nach Südafrika / Johannesburg eingewanderten Juden, fort. Marcus und Martin Helger sind tief in den südafrikanischen Bürgerkrieg und den Kampf für und wider die Apartheid verwickelt. Bonert kann sich nicht so recht entscheiden, womit er seine Leserinnen in seinem 600 Seiten langen Roman fesseln will. Mit einem Ausschnitt aus der bewegten Geshichte Südafrikas, mit einer Liebesgeschichte oder einem Thriller voll Hass und Gewalt?

Ditta Rudle
Erfolgsautor Christoph Poschenrieder. © Bastian Schweitzer / Diogenes

Der neue Roman von Christoph Poschenrieder kreist, überaus sichtbar, um den Autor Gustav Meyrink, der vom Außenamt in Berlin gegen Ende des 1. Weltkrieges einen sonderbaren Auftrag erhält. Er soll einen Roman scheiben, aus dem deutlich hervorgeht, wer am Ausbruch des Krieges schuld ist. Meyrink nimmt den Auftrag an, der braucht das Honorar. Poschenrieder sucht den Roman und findet einen Autor, der heute kaum mehr bekannt ist. Wie immer versteht es Poschenrieder, ein ernstes Thema mit leichter Hand und hintergründigem Humor anzupacken. Das Lesevergnügen ist garantiert.

Ditta Rudle
Autor Tommy Orange. © Penguin Randomhouse

Der junge amerikanische Autor Tommy Orange, geboren 1982, ist Abkömmling der Ureinwohner Amerikas, ein Mitglied der Cheyenne und Arapaho Tribes (Stämme), aus der Entfernung Indianer genannt. Als Nachkomme der Ureinwohner hat er seinen ersten Roman geschrieben; über Identitätsbewusstsein und Tradition, über die Suche nach den Wurzeln und die Chancen, die die junge Generation der indigenen Bevölkerung in einer Heimat hat, die ihnen schon lange nicht mehr gehört. Ein bemerkenswertes Buch, schön geschrieben und von Hannes Meyer ebenso schön aus dem Englischen übertragen.

Ditta Rudle
Autor Thomas Engstrøm, fotograftiert von Gabriella Håkansson / wipedia.

Ludwig Licht, der Ex Spion und Doppelagent, wird wieder gebraucht. Er benötigt das Honorar. Deshalb lässt er sich überreden, von Berlin nach Pennsylvania zu reisen. Er soll den Kopf von Ron Harriman, ehemals US-Botschafter in Berlin, retten. Knapp vor der Wahl zum Kongress ist Harrimann in einen Selbstmord verwickelt und Licht soll beweisen, dass Harriman nichts mit dem Toten im Hotelzimmer zu tun hat. Der schwedische Autor Thomas Engstrøm hat das perfekte Rezept für einen Thriller gefunden. Auch im zweiten Band der Trilogie mit Ludwig Licht, "South of Hell", versetzt Thomas Engstrøm die Leserin in Hochspannung.

Ditta Rudle
Autor Peter Henning. © publik-forum.de

Es gibt Romane, die stecken zwar zwischen zwei dicken Deckeln, lesen sich aber, als wären es billige Hefteln. „Die Tüchtigen“ ist so einer, viel zu dick, ohne Überraschungen, platt und oberflächlich. Doch der Autor und Journalist, Peter Henning, hat Preise erhalten und unterrichtet „kreatives Schreiben“ an der Universität zu Köln. Ich würde eher meinen, er lehrt möglichen Schüler*innen „triviales Schreiben“, also einfach so daher zu Plauschen, damit die Auflagen möglichst hoch und, seichte Lektüre vorziehendende, Leserinnen (Leser will ich da nicht mit hineinziehen) möglichst zahlreich sind.

Ditta Rudle