Juliette Binoche ist Selena, Ehefrau und Geliebte eines anderen.

Diskussionen und Mahlzeiten. Ein typisch französischer Film also, den Olivier Assayas da serviert, und doch wieder gar nicht. Sein Thema ist der Wandel der Welt, vor allem der Wechsel von einer analogen in eine digitale. Die Frage ist nicht nur, wie ist dieser Wandel zu verkraften, sondern auch, wie bringen die Protagonist*innen ihr privates Leben mit der vor sich hergetragenen Moral in Einklang. Die Antwort: eher nicht.

Ditta Rudle
Stefan Slupetzky mit seinen Kollegen vom Trio Lepschi. © Julia Maetzl

Der Lemming, schon lange kein Polizist mehr, sondern Nachtwächter im Schönbrunner Tiergarten, verfängt sich diesmal selbst im Netz, im weltweiten Netz. Auch wenn er sich gar nicht damit auskennt, bekommt er die schwärzesten Seiten dieser Krake zu spüren. In der Straßenbahn bietet er Mario, dem Schulkollegen seines Sohnes Benjamin, ein Zuckerl an, ein Freund von Recht und Ordnung missdeutet diese Geste. Und der Lemming wird öffentlich gebrandmarkt.

Ditta Rudle
Autor Niklas Natt och Dag. Foto: Thron Ulberg

Der zweite Band der schwedischen Trilogie von Niklas Natt och Dag spielt ein Jahr nach den Geschehnissen im ersten, 1794. Das erklärt sich bereits aus dem Titel: „1794“. Manche Bekannte tauchen wieder auf, neue müssen kennen gelernt werden und historische Personen sind kunstvoll mit den fiktiven Figuren, den sympathischen wie  den abscheulichen, verwoben.

Ditta Rudle
Neuropsychologe und Erzähler Paul Broks © bbc.co.uk

Die „Odyssee eines Neuropsychologen“ nennt der Engländer Paul Broks sein jüngstes Buch: „Je dunkler die Nacht, desto heller die Sterne“. Für die Leserin ist es eine Odyssee durch die Gedankenwelt und die privaten und beruflichen Erlebnisse des klinischen Psychologen. Ausgangpunkt des Nachdenkens über Tod, Trauer und den Wert des Lebens ist der Krebstod der Ehefrau von Broks, den er nur schwer verkraften konnte.

Ditta Rudle
Autorin Christiane Neudecker. © Maurizio Gambarin

Fünf Theaterstudent*innen haben das Glück, unter hundert Bewerber*innen ausgewählt zu werden, um an der renommierten Piscator-Schauspielschule das Fach Regie zu studieren. Der Lehrer, Korbinian Brandner, wird als Gott angehimmelt, ist zugleich als Teufel verrufen. Im Prolog wird erklärt, dass einer aus der Runde sterben wird, und es ist bald klar, wer von den Fünfen das sein wird. Christiane Neudecker hat mit „der gott der stadt“ einen rätselhaften, vielschichtigen Roman geschrieben, doch der Schichten sind zu viele, was die Autorin mitteilen will, wird nicht ganz deutlich.

Ditta Rudle
Autorenbild von der Website: juliangough.com

Ein mit reichlich Spannungselementen aufgeladener Thriller, in dem die sich exponentiell steigernde Action wichtiger ist als die Hauptpersonen: Colt, ein fast Zwanzigjähriger, der sich lieber in der virtuellen Welt aufhält als im realen Leben; Naomi, seine Mutter, durch einen Missbrauch in der Kindheit traumatisiert und Ryan, der geschiedene Mann und Vater von Colt, der, immer unter dem Deckmantel der Liebe, zum Jäger der beiden wird. Julian Gough gibt mit „Connect“ vor allem jungem Publikum, das selbst die Welt durch eine VR-Brille sieht, leicht verdauliches Lesefutter.

Ditta Rudle