Aline Kristin Mohl: "Vibes-Bild", 2016 © Performance Brunch

Aline Kristin Mohl: "Vibes-Bild", 2016 © Performance Brunch

Das Volkskundemuseum im Gartenpalais Schönborn ist nicht nur ein Hort alter Schätze, sondern auch der bereits gut eingeführte Ort für einen originellen, kulinarischen Vormittag. Performance-Brunch-REAL entrollt sich in Haus und Hof in der Laudongasse und bietet Bewegtes und Verzehrbares für die ganze Familie.

Performance im Garten mit Musik. © Perforamnce BrunchDiesmal steht die Veranstaltung, es ist die ache ihrer Art, unter dem Motto: „Eingmocht REAL“, also es geht ums Eingemachte. Das Markenzeichen des traditionellen Performance Brunch in drei Worte gefasst: "Performativ, kritisch und po(e)ppig!“
Beim Performance Brunch nehmen die Performerinnen Elemente aus der Volkskultur, zerlegen sie, untersuchen sie und setzen sie neu zusammen. Dabei werden oft gedankenlos geübte Traditionen kritisch betrachtet und wie gesagt poppig und poetisch verarbeitet. Nach der vergnüglichen Herausforderung des Geistes wird auch der Leib bedient: diesmal von der Futter-Gestalterin (wär’s nicht das Volkskundemuseum, würde ich natürlich Food-Designerin sagen) Titi Laflora. Zuerst werden die Augen schmausen, dann die Geschmackspapillen.

Doch vor der Atzung wird geschaut, gestaunt, nachgedacht: Regina Picker, die gemeinsam mit Aline Kristin Mol den Performance Brunch gegründet hat, zeigt mit dem Solo „Fleisch“ ihr Faible für schiache Masken. Sie hat in einer männlichen Perchtenmaske deren weibliche Seite entdeckt. Was in der ländlichen Küche passiert, mischt sicPerformance de deux,in den vier Wänden ©  Osman Yildirimh mit Gesten aus dem Bauernkalender; sinnlicher Fleischgenuss und das in jedem Bauernhaus hängende Kruzifix bilden einen ebenso scharfen Kontrast wie das tote Tier zum Vegetarismus.

Bei Andrea Kron geht es dann nahezu alpenländisch lieblich zu, auch wenn sie nach einem Konzept und der Choreografie von Katharina Schwärzer & Sebastiàn Collado tanzt und erzählt: „Heidi ist tot“. In dem Solo wird die berühmte Figur aus dem Schweizer Kinderbuch, die in Funk und Film immer wieder fröhliche Urständ’ feiert, auf Herz und Nieren udurchleuchtet. Am Ende wird geschmaust und geplaudert. © Sebastian SchmidDie beiden Künstlerinnen samt männlichem Mitarbeiter haben ein strenges Konzept: „Es geht nicht darum, vor allem ein harmonisches Tanzstück zu inszenieren, sondern es wird versucht, den ‚tatsächlichen’ Körper und die kulturellen Hintergründe mit der Figur von Heidi in Verbindung zu bringen und somit sowohl politische als auch künstlerische Fragen zu stellen.“

Außerdem gibt es auch eine feine Portion Musik: Das „Grossmütterchen Hatz & Klok | Trio“ – Franziska Hatz mit Akkordeon und Gesang; Richie Winkler, Saxophon, Klarinette; Jörg Reissner, Gitarre und – unterhält, wenn es das Wetter erlaubt, auf der Wiese hinter dem Palais. Danach wird es “coolinarrisch“, serviert von Titi Laflora.

Performance Brunch REAL: “eingmocht REAL”, 21. und 22. Oktober 2017, 11 Uhr, Volkskundemuseum, Laudongasse 15–19, 1080 Wien. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Vorschau auf die nächsten Performance Brunches: 21./22. Oktober, 4./ 5. November und 2./3. Dezember 2017 im Volksliedwerk Wien