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Cat Jimenez: Treppauf, Treppab und Karaoke chor

Cat Jimenez verbrennt Räucherwerk und erinnert sich.

Die Tanzkünstlerin Cat Jimenez bezieht das Publikum in ihre Performance ein. Sie teilt mit ihm das Wasser des Lebens und des Vergessens und den Chorgesang. In ihrem Solo geht es um Erinnerungen, um Trauer und Schmerzen und deren Bewältigung. Ruins of a Shell war im Rahmen von imagetanz, dem jährlichen Festival für neue Positionen in Choreografie und Performance, im Studio brut zu sehen.

Das blauschimmernde Kostüm aus fließenden Stoff vrwandelt die Künstlerin.In den Nebelschwaden des Räucherwerks wird Jimenez zur Sibylle. Sie blickt nicht nach vor in Zukunft, sie blickt zu zurück in die Vergangenheit, in die Kindheit und ihr Heranwachsen im fremden Land. Ihre Trauer um das Unwiederbringliche, ihren Schmerz und die wechselnden Strömungen des Flusses, den wir Leben nennen. Alle ihre wechselnden Gefühle drückt sie mit ihrem von Streetdance-Stilen geprägten biegsamen und ausdrucksstarken Körper aus. Viele Bewwegungen erinnern an Jimenez’ Herkunft vom Hip-Hop.
Cat Jimenez’, geboren 1986, familiären und kulturellen Wurzeln liegen auf den Philippinen als Kind ist sie mit ihren Eltern nach Österreich gekommen und in Wien aufgewachsen und eine Ausbildung an der Wiener Mode- und Kunstschule Herbststraße abgeschlossen. Als Choreografin und Tänzerin gilt ihr Interesse der Analyse und Defragmentierung des Hip-Hop-Bewegungs-Repertoires. Im aktuellen Solo genügt ihr die, von Christiane Peschek mit durchscheinenden skurrilen, im Licht von Sveta Schwin schimmernden Objekten, Bühne nicht. Schmerzen, die tief as dem Körper kommen. im mystischen Licht von Sveta Schwin.Sie nutzt immer wieder die Mitteltreppe im Studio brut, trappelt hinauf und hinunter, spricht von oben herab in den Rücken des Publikums, das aus den unteren Reihen mit verdrehten Hälsen ihrer eigenen Grabrede lauscht. Der gemurmelte Text wird zum ironischen Kontrapunkt zu den aus Tiefe kommenden Körperbewegungen. Im fließenden graublau changierenden Kostüm der Wiener Couture-Designerin Katharina Reuschel ähnelt sie einer aus dem Meer des Erinnerns gestiegene Zauberin. Die Muschel im Titel der Performance, Ruinen einer Muschel, dient als Metapher für die sich wandelnde Zeit. Im Interview mit Tanzkurator Flori Gugger erklärt sie: „Ich fand es immer spannend, dass die Muschel eigentlich nur ein Überrest einer toten Schnecke ist und für Krabben unter Wasser als neues Haus dient. Performance erlaubt alles: tanzen, turnen, sprechen und auch singen.Wenn wir am Strand gehen, gehen wir auf einem Friedhof toter Schnecken. Gleichzeitig sehen wir Muscheln als etwas endgültig Schönes und verwenden sie für Schmuck oder Windchimes (Windspiele).“ Als Kind hat sie auf dem Wiener Christkindlmarkt am Rathausplatz Muscheln verkauft. Das hat sie gehasst.: „So habe ich mir vorgestellt, wie es wäre, all diese Muscheln zu zerbröseln und zu zerstören und mir daraus meinen eigenen Strand zu bauen und wieder nach Hause zu kehren.“ In eines anderen Schatten will  Cat Jimenez nie mehr tanzen.Jetzt ist Wien ihr Zuhause und die Muschel eine Metapher für das Auf und Ab des Lebens. Die leeren Hüllen toter Meerestiere werden zu Schutzräumen für Schnecken und Krabben und danach zu Schmuckstücken in den Setzkästen der Binnenländerinnen.
Mitten drin, während sie sich an ihre Großmutter erinnert, teilt Jimenez auch ein Motto mit dem Publikum und lädt es ein mit ihr in Whitney Houstons Song The Greatest Love of All einzustimmen. Karaoke im Chor. Vorsorglich hat sie Gläser für den gemeinsamen Wasserschluck und die Liedtexte zum Mitsingen auf den Sitzen verteilt. Der Refrain wird zum Merksatz:

I decided long ago / Never to walk in anyone’s Shadow / If I fail, if I succeed / At least i’ll live as I believe / No matter what they take from me / They can’t take away my dignity.

So sei es!

Cat Jimenez: ruins of a shell, Uraufführung 10.2.2026, studio brut. Weitere Vorstellungen: 11., 12., 13.3.2026.
Künstlerische Leitung, Konzept & Performance: Cat Jimenez
Musikalische Leitung, Komposition: Martin Mitterstieler; Bühnendesign: Christiane Peschek; Kostüm & Styling: Katharina Reuschel; Lichtdesign: Sveta Schwin; Dramaturgisches Team: Imani Wamses, Philipp Riéra, Darun Dhamija künstlerische Mitarbeit Bühne und Produktion Shan Kim Produktion Magdalena Stolhofer, Nina Samadi / dieKulturtanten.
Fotos: © Hanna Fasching