Olga Esina, Julian MacKay im Pas de eux aus "Dornröschen"

Olga Esina, Julian MacKay im Pas de deux aus "Dornröschen"

Mit einer gut verdaulichen Mischung aus klassischem Ballett und zeitgenössischen Tanzstücken, zauberhaft schön und hinreißend bravourös, ´ konnten Kirill Kourlaev und Olga Esina (Kourlaev & Esina Production) in der zweiten Wiener Weltstar-Gala das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Dass auch am 2. Abend der Veranstaltung, Sonntag, 14. Oktober, im Volkstheater kaum ein Platz leer geblieben ist, zeigt, dass es für solche Ausnahmeabende genügend Publikum gibt.

"Le Corsaire": Beifallsstürme für Liudmila Konovalova und Young Gyu Choi.Die Namen der großen Häuser, aus denen die Stars nach Wien gekommen sind, Bolschoi Theater in Moskau, Mikhailovsky Theater in St. Petersburg, die Opernhäuser in Berlin, Budapest oder Amsterdam sowie natürlich und keineswegs zuletzt auch Wien, locken auch ein Publikum an, das sich aus unterschiedlichen Gründen scheut konventionelle Ballettveranstaltungen in der Staats- oder Volksoper zu besuchen. So ist die Weltstar Gala nicht nur ein Vergnügen für Ballettaficionadas, sondern auch ein Beitrag zur Kultur, für die sich die Stadt Wien so sehr rühmt, doch diese als Privatinitiative aufgestellte Gala mit keinem Cent unterstützt. "Carmen-Suite" von Alberto Alonso mit Ana Turazashvili und Denis Savin: Feuer unterm Eis.

Als bezaubernd schönes Dornröschen eröffnete die Erste Solotänzerin des Wiener Staatsballetts Olga Esina mit dem jungen Amerikaner Julian MacKay (Studium an der Moskauer Ballett Akademie, Engagement beim Royal Ballet und seit 2016 in der Mikhailovsky Ballet Company) den abwechslungsreichen Reigen. Aus Moskau angereist, zeigten Ana Turazashvili und Denis Savin einen Ausschnitt aus der „Carmen-Suite“ des kubanischen Choreografen Alberto Alonso, 1967 kreiert für Maya Plissetzkaya. 50 Jahre alt und doch total heutig, eine Carmen, die ihr Feuer unter dem Eis hält. Im zweiten Teil tanzte das Paar zu georgischer Musik einen Pas de deux von Juri Possokhov. Der in Wien kaum bekannte russische Choreograf am Bolschoi Theater ist 2016 mit dem Prix Benois de la danse ausgezeichnet worden.

"Giselle", Pas de deux mit Dorothée Gilbert (Opéra Paris) und István Simon (internationaler Gaststar). Wiens Solotänzer Eno Peçi war mit zwei neuen Stücken aus seinem choreografischen Repertoire vertreten. Mit Mila Schmidt (Wiener Staatsballett) zeigte er seinen melancholischen Pas de deux „Subject“, mit Olga Esina, etwas weniger melancholisch, die Ehegeschichte „Hush“, eine Uraufführung, die besonders herzlichen Beifall erhalten hat. Peçi hat in beiden Stücken nicht nur selbst getanzt, sondern auch für „Hush“ die feinen Kostüme für das Paar, bis auf die Schuhe und die Socken ganz in Rot, entworfen. Bei den zeitgenössischen, akrobatischen oder Solostücken mussten die Tänzer*innen mit dem sensibel gesteuerten Licht vorliebnehmen, für die Pas de deux aus bekannten Stücken der Romantik und Klassik hat Polina Shubaeva stimmungsvolle Projektionen für den Hintergrund geschaffen.

War das Publikum von allen Gästen begeistert – manche haben schon bei der 1. Weltstar Gala, 2017, in Wien getanzt, wie etwa Dinu Tamazlacaru, Erster Solotänzer im Staatsballett Berlin, ein Danseur noble mit dem Schalk im Nacken, der Wien besonders verbunden ist, hat er doch einen Teil seiner Ausbildung am Konservatorium, jetzt Privatuniversität der Stadt Wien, absolviert –, so hat es ganz schnell auch einen Liebling erkoren. Weil's so schön war: Noch einmal Konovalova, Choi in "Le Corsaire".Der südkoreanische Tänzer Young Gyu Choi, Solotänzer am Dutch Nationalballet, Amsterdam, hat sich mit verblüffenden Sprüngen in einer Grand Manege und unaufhörlichen, rasenden Drehungen in die Herzen der Wienerinnen gewirbelt. Doch seine Partnerin ist ihm in nichts nachgestanden und hat dem Publikum gezeigt, dass auch in einem Pas de deux aus „Le Corsaire“ in der Choreografie von Marius Petipa 32 Fouettés en tournant (oder mehr!) getanzt werden können.
Etwas ruhiger musste es Liudmila Konovalova, Erste Solotänzerin im Wiener Staatsballett, denn sie war es, die als Medora mit Choi als Konrad brilliert hat, später mit Jakob Feyferlik (Solotänzer in Wien) angehen. In weißen Trikots zeigten sie eine Choreografie von Liam Scarlett, Choreograf am Royal Ballet: „With a Chance of Rain“. Einer der Gala-Höhepunkte Olga Esina (mit roten Socken) in der  Uraufführung von "Hush" von und mit Eno Peçi.Die Musik von Sergej Rachmaninov hat endlich dem Pianisten und Ballettkorrepetitor Igor Zapravdin (Wien) Gelegenheit für seinen Auftritt gegeben. Mit Zylinder und besticktem Frack zeigt er sich als wahrer Sir und nimmt huldvoll den herzlichen Applaus entgegen.

Alle Nummern des dichten Programms aufzuzählen, würde nur Bedauern und Neid derer, die das Fest versäumt haben, schüren. Also lasse ich das. Der Erfolg wird Kourlaev & Esina den Mut und die Energie geben, auch 2019 Weltstars zu einer Gala nach Wien zu holen.

Weltstar Gala 2018 mit Künstler*innen aus Amsterdam, Berlin, Budapest, Moskau, Paris, St. Petersburg, Wien sowie frei arbeitende Stars. 13. und 14. Oktober 2018, Volkstheater. Veranstaltet von Kourlaev & Esina Production.
Fotos von Jack Devant.