Aussschnitt aus "Trope" © Paul Wenninger

Aussschnitt aus "Trope" © Paul Wenninger

Mit dem Pilotprojekt „Calibrate“ für frisch graduierte Tänzer- und Performer_innen soll im Tanzquartier ein Übergang vom Studenten- ins Berufsleben geschaffen werden. Kennenlernen, Austauschen, gemeinsam Arbeiten mit Choroegraf_innen steht im Vordergrund. Am Ende steht ein Abend, an dem die Beteiligten eine in der Gruppe erarbeitete Choreografie zeigen. Alix Eynaudi, Ian Kaler, Paul Wenninger haben mit den Absolvent_innen von IDA / Linz, MUK / Wien und SEAD / Salzburg gearbeitet und sie auf ihr Debüt im Tanzquartier vor Publikum vorbereitet.

Mit drei ganz unterschiedlichen Arbeiten stellten sich die einzelnen Gruppen dem Publikum und vor allem auch Chroeograf_innen und erfahrenen Kolleg_innen aus der Tanz- und Performancesszne vor.
Was alle drei Stücke vereint, ist die Handschrift der Choreografen und auch der Choreografin. Sie ist unverkennbar, auch ohne Programm war „Trope“ mit Doro Altenburger, Anna Barbara Boonnatto, Marie Casares Gonzáles, Elsa Mouriam und Sami Similä als Choreografie von Paul Wenninger erkennbar. Ebenso deutlich: „justiceforall“ war die Kollaboration der  drei Performer; Beno Novak, Elton Petri und Alessio Scandale, mit Alix Eynaudi. Auch Ian Kalers ist sich mit „Screens“ (Nathalia Baert, Inès Charijo, Nefal Kardinoopoulou Asteriou, Eline Pohjonen, Izabella Soldatu und Mufutau Yusuf)  treu geblieben. Referierte mit den Porträts auf sein eigenes Werk.  Ian Kaler:: "Screens" © Imogen Heath

Wenninger ließ vier Performerinnen und einen Performer Arbeitsbewegungen ausführen, die zu Tanzbewegungen werden. Auf vier von den Tänzerinnen selbst bewegten auf Rolltische montierte Bildschirme waren die Arbeiten in einer großen Halle zu sehen, davor und um sie herum tanzten die lebendigen Körper. Eine sehr konzise, leicht verständliche Arbeit, von den Mitwirkenden präzise und mit Energie ausgeführt. „Trope“(die, oder der Trous) ist eine rhetorische Figur, bei der ein Ausdruck durch einen anderen, der aber nicht das Gleiche bedeutet, ersetzt wird. In diesem Sinn ist auch die Metapher ein Tropus. In Wenningers Choreografie führen Arbeiter und Performer die gleichen Bewegungen aus, doch sind die einen Arbeitsschritte, die anderen Tanz.

Das Bleibende in der Choreografie "Justicevorall"  von Beno Novak, Elton Petri, Alessio Scandale (in Kollaboration mit Alix Eynaudi) © bei den AutorenÄstehtisch und fließend ist die bunte Choreografie von Alix Eynaudi, die mit „ihren“ drei Tänzern nicht nur über Tanz /Performance gearbeitet, sondern auch andere Künste, Malerei und Poesie, einbezogen hat. Entstanden ist eine Art Gesamtkunstwerk, bei dem Tanz, (konkrete) Poesie und Malerei (Art brut) gleichberechtigt nebeneinander liegen, „von drei Männern gestaltet und gepflegt und von einer Frau koordiniert“, sagt Eynaudi. Was an der Performance nicht flüchtig ist, also Malerei und Poesie, ist einem eigenem schönen Kunstwerk als Beigabe zum Programmzettel zu bestaunen. Koordinatorin Eynaudi lässt die drei bewegten Männer auch zeigen, was sie können.. Alle drei haben ihren Abschluss an der Salzburg Experimental Academy of Dance (SEAD) gemacht. Novak und Petri haben eine Ausbildung im experimentellen Tanz; Scandale sieht man sofort die Ballettausbildung an. Über dies sollen mit dieser „Gerechtigkeit für alle“ auch zwei eher unbekannte Künstler geehrt werden: Conlon Namcarrow, ein mexikanicher Komponist experimenteller Musik und Albert Huybrechts, belgischer Komponist am Beginn des 20. Jahrhunderts. Wikipedia (deutsch) kennt beide nicht, doch in der englischen ist Albert Huybrechts zu finden.

Ian Kaler zeigt Porträts, starre Gesichter, kaum bewegliche Körper, anfangs als Videoporträts mit Referenzen an frühere Stücke Kalers, mit anderen Performer_innen eben. Die Porträts nehmen immer mehr an Intensität und Energie zu, bleiben jedoch ausdruckslos und starr. Danach schaut die Gruppe blicklos live ins Publikum. Auch das Atmen, im ersten Teil in den Sound integriert, ist nun direkt zu hören. Viele Pausen, ausdruckslose Gesichter machten diese Performance für die Zuschauer_innen anstrengend. Wohl nicht nur für diese. Die Leere, der Stillstand, die Unbeweglichkeit machen müde.

Die Choreografen und die Choreografin haben sich nicht verbeugt, der Abend samt Applaus gehörte den Graduierten.

Alix Eynaudi / Ian Kaler / Paul Wenninger mit Absolvent_innen von IDA, MUK und SEAD: „Calibrate“, Uraufführungen am 6. Oktober 2016, Tanzquartier.
Zwei weitere Vorstellungen am 7. + 8. 10. 2016.