Kampf der Wörter  auf Japanisch. © Tim Tom

Kampf der Wörter auf Japanisch. © Tim Tom

Schön öfter hat Yosi Wanunu, künstlerischer Leiter der von ihm mitbegründeten Formation toxic dreams, gezeigt, dass er ein Verehrer des Kinos in seinen Anfängen ist. Diesmal lässt er die in den 1930er Jahren in den USA überaus populäre Screwball-Komödie wieder aufleben. Wie in dem Hollywood Genre geht es um die Unvereinbarkeit von Gegensätzen. „Thomas B. or Not“ im brut, ist eine Komödie über das Theater. Avantgarde oder Mainstream, Off-Theater oder städtische Bühne! Sie und Er können sich auch in zwei Stunden nicht einigen. Was dem Publikum großes Vergnügen bereitet und es sich, wie jedes Premierenpublikum, hell begeistert und quietschend bedankt.

Er (Markus Zett) ist ein erfolgreicher Autor von Theaterstücken für das Stadttheater. Sie (Anna Mendelssohn) schwärmt, als attraktive Performancekünstlerin, fürs Experiment, das Grelle und Unerwartete. Gemeinsam wollen sie ein Theaterstück schreiben. Es soll von ihrem alltäglichen Leben handeln. Diskutieren, Fernsehen samt Nudelessen, bissel Sex. Was wir gleich zu Beginn ahnen, dass diese Gegensätze sich keineswegs anziehen, ist der Inhalt der zwei englischen Stunden. Die Avantgard und ihre Darstellerin (Anna Mendelssohn re., Sussanne Gschwendtner) alle Bilder © Tim Tom TimTom

Weil dem Autor Wanunu zu viel zum Thema experimentelles versus konservatives Theater einfällt, wird dem Publikum erst einmal eine Wortflut serviert. Da nützt es nichts wenn Wanunu in aufwändigem, den Platz für das Autitorium verkleinernden Bühnenbild – rote Sitzbank, barocker Schreibtisch, Cafétischchen zum Sitzen; ein breites Bett, ökologisch und fair, zum Lümmeln und Liegen – den mit Pointen gespickten Dialog bewegt inszeniert. Wanunu beschreibt sein Vorhaben so: „Ein Jux, ein Schwindel, ein Witz, ein Text, der sich über alles und jeden lustig macht.“ Ein Text eben, mitunter klug, mitunter platt, auch öfter unnötig.

Der konservative Autor und sein Dasrsteller (Markus Zett, Yosi Wanunu) Erst nach einer guten Stunde nimmt der Abend Fahrt auf. Die Thesen werden als Spiel im Spiel wiederholt. Yosi Wanunu selbst ist Er, Susanne Gschwendtner spielt Sie. Dazu kommen eine israelische Regisseurin mit festen Ansichten, die haareraufend von Anat Steinberg gespielt wird. Dieses Stück, das das Leben des ungleichen Paares auf die Bühne bringt, soll am Burgtheater herauskommen. Die Tänzerin und Schauspielerin Stephanie Cumming spielt die versoffene Direktorin. Regieassistentin Isabella-Nora Händler ist auch auf der Bühne die Regieassistentin und jegliche Figur (etwa ein aus dem Nichts auftauchender Nazi), die so gebraucht wird. Jetzt sind es sechs Personen, die einen Konsens suchen und nicht finden.

Wären die Darsteller_innen nicht allesamt so hervorragend, könnte man Wanunus dialogisch gestalteten, teilweise ziemlich bissigen Vortrag auch lesen und schmunzeln. Allerdings, die möglichst schnell gesprochenen Dialoge sind ein Markenzeichen des Genres. Der Film „Leoparden küsst man nicht / Bringing Up Baby“ von Howard Hawks,1938, könnte als Beispiel für eine Screwball-Komödie gelten. Die umwerfend komische Geschichte ohne jegliche Logik mit Cary Grant und Katharine Hepburn ist immer wieder im TV zu sehen.

Zurück zum doppelt gemoppelten Stück. Die Proben geraten zum Desaster. Letztlich scheitert die Aufführung am Problem des Verzehrs einer Portion Nudeln. Stampfender Abmarsch der Regisseurin, türenknallend der der Burgchefin, der Darsteller des Autors legt sich ins Bett, verlangt ein Bier und – wie zuvor der Autor, wenn ihm nichts mehr einfällt – beschäftigt sich mit sich selbst. Der Eklat kommt danach, weil die Performerin und Co-Autorin die Nase voll hat. Die Regisseurin samt Burg-Chefin (Ant Steinberg, Stephanie Cumming)

Doch auch dann ist die Komödie noch nicht beendet. Als Pendant zum Prolog wird auch noch ein Epilog aufgesagt. Zuviel der Wörter!

„Screwball,“ steht in Toxic Dreams Programmhefterl, „Slangausdruck, meint unausgeglichen, unberechenbar, sprunghaft, irrational, unkonventionell“. Davon dass eine Komödie aus einer Wortflut in Überlänge bestehen muss, ist nichts zu lesen. Sei’s drum, Wanunu gibt ja zu, sich einen Jux gemacht zu haben. Auf der Bühne würde ich ihn gern öfter sehen. Sein Nichtspielen ist allerhöchste Schauspielkunst.

Yosi Wanunu / toxic dreams: „Thomas B. or Not“, eine Screwball-Comedy oder Hassgeschichte in 5 Akten mit einem Prolog und nicht so freudigem Epilog. In englischer Sprache.
Text, Regie und Bühne: Yosi Wanunu; Darsteller_innen: Anna Mendelssohn, Markus Zett, Anat Stainberg, Stephanie Cumming, Isabella-Nora Händler, Yosi Wanunu. 25. September 2016, brut.
Weitere Termine: 26.–29.September 2016. Karten: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!