Tango-Tänzerinnen in Aktion. © Chrsitan Ariel Heredia

Tango-Tänzerinnen in Aktion. © Chrsitan Ariel Heredia

Mit vier Tänzerinnen und einem Tänzer zeigt Gisela Elisa Heredia in ihrer neuen Choreografie mit der Sehnsucht nach Nähe und dem Verlangen nach Distanz auseinander. Als Metapher dafür wählte sie, aus Argentinien stammende Choreografin den Tango. „Smokey Hugs and Tango“, als Titel etwas unglücklich gewählt, zeigt das homogene Ensemble im KosmosTheater ein flott und präzise getanztes Stück, das beim Publikum die eigenen Gefühle und am Ende begeisterten Applaus aktiviert.

Dem Titel zuliebe muss anfangs geraucht werden, die Kaffeetassen sind bereits geleert. Tango-Atmosphäre also und schon geht der Tanz los. Schnell versteht man: Es geht um die Liebe, heiß und gefährlich, und die Sehnsucht, oft unerfüllt, Zuneigung, nach Umarmung lechzend und Zurückweisung, oft ziemlich grob. Flüchtige Küsse werden getauscht, doch Liebe macht nicht immer glücklich, kann zum Ersticken führen und mit Bissen beantwortet werden, endet mit Verfolgung und Flucht, nicht nur zärtlich äußert sich der Wunsch nach körperlicher Nähe, wenn diese aggressiv gefordert wird.  Die Gliedmaßen verschlingen sich in einer Umarmung, gleich wird die Geliebte verschlungen werden.

Die Fünf tanzen barfuss, zeigen variantenreiche Duos, wirbelnde Solos und bewegen sich synchron im Raum. Heredia hat ein Gefühl für das richtige Timing und lässt sich nicht verführen mit dem Kitsch einer populistischen Tangoshow aufzuwarten. Im Gegenteil, Tangomusik und der Anklang an die richtigen Schrittfolgen, treten nur sporadisch auf. Die Choreografin hält sich an eine Aussage ihres Landsmannes und Kollegen Juan Carlos Copes: „Der Tang gleicht einer Liebe im wahren Leben. … Zwei Menschen sind im Tango vereint durch ein musikalisches Gefühl in einer Umarmung.“ Getanzt wird nicht Tango sondern Emotion. Tango ist wie Liebe. © Christian Ariel Heredia

Das musikalische Gefühl (die Musik wurde im Team zusammengestellt und verzichtet auf Ohrwürmer) bewegt auch die fünf Tänzerinnen, der Fluss der Bewegungen wird durch gesprochene Sätze, Ansagen über die eigene Befindlichkeit und auch unmotiviertes Kreischen frisch halten. Für meinen Geschmack wurde ein wenig zu viel Überflüssiges gequasselt. Die Choreografie und ihre Ausführung durch die Mitwirkenden funktioniert so gut, dass ich keine Mühe habe, zu begreifen  worum es geht, was ausgesagt, eigentlich sogar in kleinen Szenen erzählt, wird und mir meine eigenen Gedanken dazu machen kann. Auch was die Tänzerinnen dazu denken, können sie sehr gut im Tanz ausdrücke. Nicht immer ist das Gesagt von Belang.

Es gelacht und geweint, in der Liebe wie im Tango. © Christian Ariel HerediaSei’s drum! Gisela Elisa Heredia, seit sechs Jahren als Tänzerin und Choreografin mit ihrem Kollektiv tanz.coop in Wien tätig, hat ein feines Stück erarbeitet das den Tänzerinnen (ein wenig zu) viel Freiheit lässt. Was ich eher auf deren Lust am Text bezeihe, als Tänzerinnen sind alle vier Frauen voller Energie und Bewegungslust. Fünf ist eine ungerade Zahl, da bleibt meist einer übrig und das ist Adrian Dorfmeister, der einzige Mnan im Spiel. Nicht verwunderlich, dass er eher bescheiden als Reserve im Hintergrund agiert. Heredi nutzt den leeren nur von Vorhängen begrenzten Raum schön aus und das bringt ihr anspruchsvolles Thema mit Esprit und Kurzweil als kompaktes Tanzstück auf die Bühne.

Gisela Elisa Heredia / tanz.coop: „Smokey Hugs and Capuccino“, gesehen am 14. April 2016, KosmosTheater. 

Mitwirkende: Adrian Dorfmeister, Cäcilia Färber, Elda Gallo, Jerza Rořnik Novak, Anna Possarnig.

Letzte Vorstellungen: 15. und 16. April, 20.30 Uhr, KosmosTheater.