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Ballett Nijinsky in exzellenter Besetzung

Serge Dhiagilew beobachtet Vslaw und Bronislawa beim Training. (A. Cavallo, , Casalinho, S. Liz)

António Casalinho verkörpert Nijinsky, tanzt seinen Schmerz und am Ende den Krieg. In der Premiere am 20.10. war er Nijinskys älterer Bruder Stanislaw, der mit 27 Jahren in der Psychiatrie gestorben ist. Doch nicht nur der Erste Solotänzer Casalinho machte die beiden Vorstellungen am 22. uns 26. Oktober sehenswert. Das gesamte Ensemble bot eine erlesene Darbietung von Weltklasseniveau.

Nijinsky A Casalinho EnsembleStanislaw wurde in den genannte Vorstellungen von Rinaldo Venuti   Absolvent der Ballettakademie der Wiener Staatsoper, dargestellt.  Nach Engagements bei der American Ballet Theatre Studio Company, dem polnischen Nationalballett und ab 2021 beim Ballett des Teatro alla Scala wechselte er zur Spielzeit 2025/26 als Halbsolist zum Wiener Staatsballett. Mit Beginn der aktuellen Saison wurde er zum Solisten ernannt. Wie verdient dieses Avancement ist, hat Venuti als leidender Stanislaw eindrucksvoll gezeigt. Ihm zuzusehen tut körperlich weh. Sinthia Liz hat Bronislava Nijinska, als im Gegensatz zu den Brüdern gut gelaunte, mit ihrer eigenen Karriere beschäftige Tänzerin und spätere Choreografin gezeigt. Ein Lichtblick in der eher düsteren Geschichte.Serge Diaghilew, lässt seinen Geliebten Nijinsky fallen, als dieser Romola heiratet. (Alessandro Cavallo, António Casalinho)
Cassandra Trenary, schon mehrmals kongeniale Partnerin von Casalinho, hat als Principal Dancer (Erste Solotänzerin) das American Ballet Theatre (ABT) verlassen, um sich in der vergangene Saison, der Ersten von Direktorin Alessandra Ferri, dem Wiener Staatsballett anzuschließen. Natürlich als Erste Solotänzerin. In John Neumeiers Ballett Nijinsky tanz sie Romola, die Ehefrau Vaslaws, lebendig, emotional und menschlich. Neumeier kreiert fantastische, herzbewegende Männerrollen, die Frauen bleiben oft starre Figuren, Beiwerk des Mannes. António Casalinho mit Cassandra Trenary: das Ehepaar Nijinsky.Nicht so Trenary, sie liebt und leidet, ist eine lebendige Frau, die sich bis zum Ende (der choreografiere und des Lebens) um ihren Mann sorgt und ihm zur Seite steht.
Erwähnenswert sind an diesen beiden Abenden nicht nur die Tänzerinnen und Tänzer in ihren Rollen, sondern auch das gesamte Corps de ballet, von den affektierten Gästen im Hotel von St. Moritz über das mit neuem Bewegungsvokabular kämpfende Ensemble der Ballets Russes bis zu den Soldaten und den „Menschen“ (Programmzettel: Innenbilder & Menschen).
Alessandro Frola überzeugt als Harlekin (Harlequin) in Michel Fokines Ballett Carnaval, zu Robert Schumanns Klavierzyklus Carnaval, op. 9. Romola bestaunt ihren Vaslaw im kostüm des Goldenen Sklaven aus Scheherazade. Es tanzen: Cassanra Trenary und Duccio Tariello..Die zwielichtige Commedia dell’arte-Figur liegt ihm besser, als das Innenleben Nijinskys, das Neumeier in seinen dem Jahrhunderttänzer gewidmeten Choreografien zeigt.Duccio Tariello hat mich als Goldener Sklave aus Scheherazade tatsächlich betört. Seit 2020 tanzt der Italiener im Staatsballett und ist in dieser Saison in die Reihe der Solotänzer aufgenommen worden. Dass tanzen kann, hat er im Csardas-Zwischenspiel im Ballett Die Fledermaus oder als polnischer Tänzer in Schwanensee und in vielen anderen Rollen für Halbsolisten gezeigt. Duccio Tariello bringt Leben in jede Aufführung, diesmal nicht nur als verführerischer Sklave im goldenen Kostüm, sondern auch als selbstverliebter Faun, die Erotik, mit der Nijinsky als Faun das Publikum schockiert hat, kann ein Double nicht wiederherstellen. Casalinho mit Sinthia Liz als Bronislawa Nischinska, dei Schwester.Überdies sind die Erinnerungen Nijinskys verschwommen und subjektiv. Die Tänzer der Nijinsky-Rollen (Frola, Tariello und Kentaro Mitsumori als Petruschka) sind Phantome, Traumgestalten.
Der Nijinsky Casalinhos allerdings ist schmerzhaft real und ein Gewinn für das Wiener Staatsballett. Mit acht hat er in seiner Heimat Portugal mit dem Balletttraining begonnen, mit 13 den ersten Preis gewonnen. Mit 20 war Solist im Bayerischen Staatsballett, ein Jahr später bereits Erster Solotänzer. Als solcher wechselte er 2025/26 an das Wiener Staatsballett und hat das Publikum im Sturm erobert. Eine perfekte Technik ist ja Voraussetzung, die muss nicht erwähnt werden, was über die Rampe hinaus das Publikum bewegt, ist die Rollengestaltung, Zwei Mal Nijinky: Im Hintergrund A. Casalinho als trümender Tänzert, vorne Duccio Tariello und Cassandra Trenary als Phantomfiguren, Nijinsky als Faun  und Ehefrau Romola.und damit überzeugt António trotz seiner Jugend durch Emotionalität und Intelligenz. Dazu fällt mir auch Triviales ein. Casalinho ist als Künstler die ideale Besetzung für die Rolle Nijinskys und zugleich als Mensch. Wie Nijinsky, der, wie berichtet wird, über 1,63 m nicht hinausgewachsen ist, erfüllt auch António Casalinho kaum die ungeschriebenen Richtwerte für die Größe klassische Tänzer, die auch die durch die Spitzenschuhe vergrößerten Tänzerinnen elegant hochheben müsse. Wie Nijinsky macht er diese Tastsache durch seine Sprungkraft und Eleganz wett. Auch Casalinho, das haben wir bereits gesehen, bleibt im Sprung in der Luft stehen, er hat den Ballon, wofür auch Vaslaw Nijinsky berühmt geworden ist. Duccio Tariello in der Rolle Nijinskys .als verführerischer Goldene SklaveApropos Jugend: Nijinsky war 25 als er das letzte Mal öffentlich aufgetreten ist, die Welt hatte er bereits davor in Staunen versetzt. Jugendlicher Erfolg, wie ihn Casalinho genießt, ist im 21. Jahrhundert keine Seltenheit, nicht nur für Tänzer.
Alle anderen Solistinnen und Solisten haben mich ebenfalls überzeugt, ob Laura Fernandez Gromova (Tamara Karsawina, die Ballerina) oder Kiyoka Hashimoto (Nijinskys Mutter und Frau des Arztes), alle sind sie Applaus gewohnt und haben ihn auch reichlich erhalten. Erwähnen möchte ich noch Alex Martelli, der vom Jugendballett in das Corps des Wiener Staatsballetts gesprungen ist, zeigt als Léonide Massine, dem neuen Tänzer, nachdem Diaghilew (Alessandro Cavallo) Nijinsky Njinsky um umaramt ein letztes Mal seinen Mentor Serge Dhiagelev. (Alessandro Davallo, António Csalinho)aus seinen Ballets Russes geworfen hat, im Vorübergehen Selbstsicherheit und Ungezwungenheit.
Ein letztes Wort: Der aufwühlende und bedrückende Teil II der zweistündigen Choreografie gehört vor allem Dimitri Schostakowitsch und seiner Symphonie Nr. 11 g-Moll Das Jahr 1905, op.103. Die Sinfonie setzt dem „Petersburger Blutsonntag“, an dem es zu einem von der Palastwache des Zaren verübten Massaker an demonstrierenden Arbeitern kam, ein Denkmal.António Casalinho ist Vaslav Nijinsky. Neumeier verknüpft die Musik mit Nijinskys Erinnerungen und den Jahren des Ersten Weltkriegs 1914–1918.
Geleitet wurden das Orchester in allen sieben Aufführungen des Balletts vom kanadischen Dirigenten Nathan Brock, der als langjähriger Kapellmeister in Hamburg intensiv mit John Neumeier zusammengearbeitet und auch Aufführungen des Hamburg Balletts von Nijinsky musikalisch geleitet hat. Schostakowitsch’ Musik dringt unter die Haut, ich muss die Augen schließen, um die Ohren zu öffnen. Auch in Baden-Baden und Barcelona hat Brock Schostakowitsch zum Glühen gebracht. Die großartige Besetzung in der besprochenen Vorstellung hat den gesamten Abend in Glut getaucht.

Nijinsky, Ballett von John Neumeier.
Choreografie, Bühne, Kostüme & Licht: John Neumeier
Orchester der Wiener Staatsoper, Wiener Staatsballett, sieben Abende in der Staatsoper.
 Fotos: © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor 
Gesehen am 20. und 27. Oktober 2026