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Tanz*Hotel: AAR 27 Werkschau

Hanna Schaar und Céline Weigt: Gefühle erzeugen Körperspannung.

AAR steht für Artist At Ressort und ist ein Mentoringprogramm für die nachkommende Künstlerinnen-Generation. Diesmal, in der 27. Folge des seit 2008 bestehenden Erfolgsprogramms, zeigten drei weibliche Teams, ihre Bühnenarbeiten an drei Abenden. Die Premiere des Triple-Abends im Tanz*Hotel ist am 10. März gefeiert worden.

„Can You Hear My Body Tense“ mit Hanna Schaar und Céline Weigt.Der Abend beginnt eindrucksvoll. Hanna Schaar und Céline Weigt zeigen ihr mit Mentorin Andrea Nagl erarbeitete Choreografie Can You Hear My Body Tense. Zwei sich windende, verbiegende, eingekrampfte weibliche Körper, fremde Körper, die dem Gefängnis entkommen wollen. Es jedoch nicht schaffen. Überdehnte, kaum mögliche Bewegungen, nie gesehene Positionen, wenn ich die beiden Körper einander endlich nähern. Aggression, Selbstfolter, Schmerz, Sehnsucht nach Ungebundenheit und Unabhängigkeit liegen in der Luft. Es gibt kein Entkommen. Selbst das mütterliche Lausen (Hanna krabbelt in den locken von Céline) zeigt keine Zärtlichkeit, keinen Frieden. Endlich brechen die stummen Schreie lautstark aus dem Körper. (Cécile Weigt)
Lea Sofie Scholl hat die Bühne mit roten Netzen versehen, die von der Decke hängen, die Kostüme von Paula Peters sind gebauscht und mit Netzen, geben dem Körper keine Freiheit, machen ihn unkenntlich. Der krampfhafte Befreiungsversuch überträgt sich auf die Zuschauerinnen. Ich möchte raus, möchte das dieser Kampf mit sich selbst endet, doch es gibt keine Erlösung, kein Aufatmen, keinen Befreiungsschlag, nur einen durchdringenden doppelten Schrei und die Finsternis. Hanna Schaar und Céline Weigt, unterstützt von Anna Nagl, zeigen einen schmerzhaften Befreiungskampf.Der Titel, Can You Hear My Body Tense, ist ungefähr mit Kannst du Verspannungen meines Körpers hören? Ich kann sie auch fühlen und in das Staunen über die Bewegungen der Tanzkörper mischt sich Abneigung und Widerwillen gegen diese albtraumhafte Erzählung.
Gut, dass danach im hellen Studio 2 die Heiterkeit vorherrscht. Hannah Zauner und Caterina Vögel heben in „Blush“ mit Witz und Gesang die Stimmung.Blush nennen Caterina Vögel und Hannah Zauner ihr Musikkabarett. Mit Humor und Sangesfreude beschäftigt sich das Duo mit dem Wunsch gesehen und auch  akzeptiert zu werden. Betreut hat Vögel und Zauner die bildende Künstlerin, Tänzerin, Performerin Dorothea Zeyringer. Mit Tiina Sööt bildet sie das erfolgreiche Performance-Duo Sööt/Zeyringer. Deren Esprit ist in Blush deutlich zu erleben.
In „Favez“ erzeugen Blicke in die Vergangenheit verschwommende Bilder. (Flötenaratistin Sophie Renger)Zurück ins Studio 1, wo sich Gruppe zone(27 | Alba Glatz, Sophie Renger und Su Huber) mit Favez, ausgehend von einem historischen Fall mit der Thematik des Geschlechterwechsels auseinandersetzen. Enrique(ta) Favez (1791–1856) war eine Schweizer Ärztin, die sich als Mann ausgegeben hat, um als Chirurg in der französischen Armee zu arbeiten. Die unterschiedlichen Versionen und Interpretationen der Biografie von Favez, die nach einem Gerichtsprozess in New Orleans in ein Kloster eingetreten und dort als Vorsteherin gestorben ist, hat zone[27] „aufgegriffen und durch Körper – Klänge – Dimensionen – Affekte – Orte – Räume – Zeiten transformiert.“ (Mentor Bert Gstettner). Alba Glatz, Su huber und – nicht im Bild –  Sophie Renger, alle sind sie Enrique(ta) Favez, die als Mann verkleidet durch die Welt ging.Als Zuschauerin hätte ich mehr wissen wollen, um der kompakten, ausnahmsweise sogar für meine Ungeduld zu kurzen, Aufführung Verständnis abzugewinnen. So habe ich körperbetonten Tanz in bunten Kostümen gesehen, habe die Worte auf Spanisch, Englisch und Latein gehört, jedoch nicht verstanden. Lediglich das abschließende im italienischen Latein dreistimmig gesprochene Gebet, blieb als Hinweis auf Favez’ Lebensabend im Kloster im doppelten Sind verständlich. Eine kunstvolle Ouvertüre zur multisensorischen Performance möchte ich Sophie Rengers Flötenspiel nicht missen. Two and a Half Minutes to Midnight heißt das schwierige Solo der britischen Komponistin Dani Howard. Su Huber, Sophie Renger, Hanna Glatz setzen sich mit der Ärztin Favez, die im 19. Jh. als Mann gelebt hat, auseinander.Favez hat nur eine knappe halbe Stunde gedauert und hat sowohl thematisch als auch darstellerisch das Potenzial einer Abendvorstellung. Das Trio von zone[27] überzeugt durch eine akribisch komponierte Arbeit und hat auch die kraft und Präsenz, einen ganzen Bühnenabend zu tragen.

AAR 27 – Werkschau im Tanz*Hotel. 19., 20., 21. März 2026
Hanna Schaar, Céline Weigt: Can You Hear My Body Tens. Mentoring: Andrea Nagl
Caterina Vögel, Hannah Zauner: Blush. Mentoring: Dorothea Zeyringer.
zone[27] – Alba Glatz, Sophie Renger, Su Huber: Favez. Mentoring: Bert Gstettner.
Fotos: Hanna Fasching | AAR Term 27 | Artists & T*H | Bildrecht