Buzz: Vergnügen im White Cube
Wie schön! Keine Black Box. Das Publikum betritt einen hellen Raum, ganz in Weiß erstrahlt die Bühne. Schon habe ich gute Laune. Buzz ist ein Tanzkonzert der Formation tanz.sucht.theater, gegründet von den Tänzerinnen Katharina Senk / Senki und Maartje Pasman. Drei Tanzkörper verschmelzen mit der Musik, poetische, das Geschehen beschreibende Texte bescheren schlecht oder gar nicht Sehenden ihre eigene, auditive Performance. Uraufführung im Rahmen von imagetanz, brut 2026.
Drei Tänzerinnen, Maartje Pasman, Ray Scheinecker, Katharina senke / Senki, die Komponistin Verena Zeiner am entkleideten Piano und elektronischer Sound bieten mit acht unterschiedlichen Kurzgeschichten im hellen Licht von Sveta Swin einen gefühlvollen Abend voller Überraschungen.
Es wird gestampft und gesprungen, gedreht und stillgestanden, gesprochen (welche Seltenheit: verständlich und klar, in schönen Worten) und auf vier Beinen als Springfrosch geturnt.
Die Musik verschmilzt mit den Körpern, die Körper erzeugen selbst Rhythmus und Ton, und werden zu einem Tanzkörper. Leise klingelnde Kettenlassen lassen raue und auch sanfte Bilder im Kopf entstehen. Kostümbildnerin Alba Jona Becker im Kapitel Ten Thousand Spoons die bunten Kostüme durch schwarzen Lederjacken ersetzt, die mit den Ketten keineswegs rasseln, sondern sanfte Töne erzeugen, das Kratzen, Scratchen und Quietschen erzeugt die Pianisten mit kleinen Schabern.
Klavier und Elektronik haben ihre Soloauftritte und auch die Stille und Bewegungslosigkeit bekommen ihre Zeit. Nebel steigen auf und hüllen die Tänzerinnen in rosiges Licht, und wenn sie in der Szene Cloudsurfing über den Wolken schweben, hat sie Sprache den Vorrang. Auch die Sehenden können sich in die Textbilder hineinfallen lassen und mit schweben. Vor allem, wenn Maartje Pasman im federleichten Schwebesprung in der Luft anhält. Eine Figur, die nur großen Tänzern wie Vaslav Nijinsky vorbehalten ist. Maartje kann den „Ballon“. Unglaublich und beglückend. 
In so einem Tanzkonzert, das von den Bildern in den Köpfen des sehenden und nicht sehenden Publikum lebt, ist alles möglich und nach ausgedehnter zweimonatiger Zusammenarbeit und Probenzeit sind die Protagonistinnen (ein * gehört Sebastian Spielvogel, der für das Bühnendesign mit spiegelnden Paneelen und Plattformen verantwortlich ist) für alles offen. Unterschiedliche dramaturgische Formen sind ebenso möglich wie gefühlvolle Romantik. Auch vor Sentimentalität und Kitsch hat das zusammen geschweißte Team keine Scheu.
Sprach- und Gesangstrainerin Verena Giesinger, Leiterin des Schmusechors, hat geholfen, dass jeder Text wie Musik klingt und sich auch das originelle Liebesgedicht ins Tanzkonzert einfügt. Ray Scheinecker trägt es einprägsam vor, und verkörpert es hinreißend, während die aufgezeichneten Verse im Hintergrund weiter zu hören sind. So haben alle vier auf der Bühne ihren Solomoment und auch der Atem kommt zu Wort. Nach dem Love Song wird tief ausgeatmet: My breath longs to linger by you ear – may I?
Ich hab’s erlaubt.
tanz.sucht.theater: Buzz, Uraufführung mit Tastführung 19.3., brut. Weitere Vorstellungen 20., 21. März 2026.
Tanz, Choreografie, Performance: Maartje Pasman, Ray Scheinecker, Katharina Senk / Senki
Musik, Komposition, Performance: Verena Zeiner
Creative Producer, Projektkoordination: Wibke Scheler, Kostüm / Styling: Alba Jona Becker; Bühnendesign: Sebastian Spielvogel; Lichtdesign: Sveta Schwin Tontechnik: Lisa-Maria Hollaus; Access-Dramaturgie: Bine Kuxdorf ; Stimmcoaching: Verena Giesinger; Pressefotos: Hanna Fasching