"Edelweiß"– ein Bilderrätsel. © Alexander Meeus

"Edelweiß"– ein Bilderrätsel. © Alexander Meeus

Ein „getanztes Rebus“ nennt die Tänzerin / Choreografin Alix Eynaudi ihr neues Stück „Edelweiß“. Und das bleibt es auch, ein Rätsel in originellen Kostümen und schönen Bildern. Eynaudi ist eine Ästhetin, das Berührende, durch Schönheit Berührende, liegt ihr näher als das Schockierende. Deshalb habe ich die Performance der drei Tänzerinnen plus einem Tänzer auch genossen.

Die Belgierin Alix Eynaudi hat in Paris klassisches Ballett gelernt und gleich nach der Eröffnung von P.A.R.T.S in Brüssel dort weiter studiert. Sieben Jahre wirkte sie in Anne-Teresa De Keersmaekers Compagnie Rosas mit. 2005 begann sie eigene Stücke zu kreieren, oft in Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen, etwa Anne Juren, Agata Maskiewicz, Mark Lorimer oder Alice Cauchat.
Lorimer und Cauchat wirken auch bei „Edelweiß“ mit und tanzen mit der Choreografin sowie Cécile Tonizzo in stets wechselnden Kleidern von An Breugelmans. Auch die sind ein Teil des Bilderrätsels, erinnern mit Applikationen und Stickereien (samt den gezeigten Zeichnungen auf Papier von Tonizzo gefertigt) an den Jugendstil.
Nicht allein von Klimt und seiner Muse, der Modeschöpferin Emilie Flöge, ließ sich das Team inspirieren, Fische tauchen im Rätseltanz auf und ein Reiher samt zu fütterndem Nachwuchs, vermutlich für den Jahrmarkt hergestellt in der chinesischen Andenkenfabrik. Auch „Lucio Fontana“ und „Babys“ werden als Quelle genannt, die konnte ich jedoch nicht sehen. Die Reisegruppe allerdings hat mich beeindruckt, so klein er vorn mit seinem Kind am Bühnenrand steht. Wenn am Ende das Licht aus geht, die Tänzerinnen ins Dunkel tauchen und das Rätsel ungelöst bleibt, ist nur Mutter Reiher mit Kind vorhanden. Auskunft geben aber auch die keine.

 Cécile Tonizzo: Rätselbild mit Fisch. © Alexander Meeus

Sei’s drum. Die vier Tänzer_innen zeigen nicht nur die ansprechenden Togen und Mäntel sondern auch akrobatischen und formvollendeten, aparten Tanz. Die Bilder und Posen beeindrucken, ihre Bedeutung scheint mir nicht wichtig. Im Licht von Bruno Pocheron, unter dem Prasseln von Regen, dem Dröhnen von Donner, fröhlichem Gezwitscher und Wasserplätschern oder in völliger Stille, entwickelt sich eine fürsorglich stilisierter Tanz mit verschlungenen Doppelfiguren, sportlichen Stellungen, der Demonstration von Macht und Ohnmacht, Beherrschen und sich Fügen. Eine Thematik, die Eynaudi immer wieder beschäftigt, zuletzt in „Monique“, ein Stück aus dem Jahr 2012, das im Rahmen des ImPulsTanz Festivals ’15 im mumok wieder aufgenommen worden ist.

Alix Eynaudi selbst und ihrer Choreografie zuzuschauen ist nie langweilig, immer überaus befriedigend. Auch wenn der Rebus nicht aufgeht, die Bilder nicht enträtselt werden können.

Alix Eynaudi: „Edelweiß, ein getanztes Rebus“, 23.10. 2015, Tanzquartier.