Drei Tänzerinnen im Wirbelwind. © Franzi Kreis

Ein großartiges Tanzstück mit drei wunderbaren Tänzer_innen, einem wenig glücklich gewählten Titel und einer falschen Altersangabe. Die Uraufführung von „Kind im Wirbelwind“ im Dschungel Wien mit dem bewährten hauseigenen Tanzensemble kann dennoch  durchaus begeistern.

Sie können tanzen. Das haben Steffi Jöris, Maartje Pasman und Rino Indiono schon mehrmals bewiesen. Unter der Regie der niederländischen Topchoreografin, die bereits in den 1990er Jahren „außergewöhnliche Tanzstücke für ein junges Publikum“ kreierte, zeigen sie nun zur sanften Musik der amerikanischen Gitarristen und Komponistin Kaki King, dass tanzend Gefühle zu vermitteln und sogar ohne Worte eine Geschichte zu erzählen, ihr Metier ist.

Unruhe im Kindergarten. Weder vom Kind noch vom Wirbelwind ist die etwas zu sehen, sondern zwei TänzerInnen und ein Tänzer, die den Pas de deux und den Pas de trois ebenso beherrschen wie akrobatische Kunststücke. Den Kindern (vom Dschungel eingeladen sind Vierjährige, doch die halten noch keine 50 Minuten durch, wenn Tanz pur gezeigt wird) sollte vermittelt werden, dass es Situationen gibt, die einfach zu schwierig sind, um sie zu bewältigen. Etwa wenn ein Sturmwind auch die Körper zu Boden wirft, man plötzlich geschubst und gestoßen wird oder über Steine stolpert. Im Programmheft steht, dass es darum geht, zu lernen mit unvorhergesehenen Situationen über die man keine Kontrolle mehr hat, umzugehen. Das ist aber von Tänzer_innen, die immer, auch wenn sie Kontrolllosigkeit darstellen wollen, nicht zu vermitteln. Über den Körper haben Tänzer_innen, Akrobaten / innen oder Turner_innen immer Kontrolle. Anders geht es gar nicht.
Trotz dramaturgischer Beratung (Charles Corneille, Camiel Corneille, Mitarbeiter von Merkx) ist ein dramaturgischer Bogen nicht erkennbar. So plätschert der Tanz ohne Höhepunkte aber in jeder einzelnen Szene hinreißend und auch spannend, etwas konturlos zwischen Stolpern, Umfallen, Ausruhen und schwieriger Akrobatik dahin.

Was aber alles nichts daran ändert, diese Performance als professionell und sehenswert zu rühmen. Ab Sechs (mit Vorbereitung) ist der imaginäre Wirbelwind überaus empfehlenswert. Der Applaus der Erwachsenen war dementsprechend enthusiastisch.

Dschungel Wien: „ Kind im Wirbelwind“, Choreografie und Inszenierung: Wies Merkx, Musik aus Alben von Kaki King, mit Steffi Jöris, Maartje Pasman, Rino Indiono. Uraufführung am 17. 9. 2015
Weitere Aufführungen im Dschungel Wien: 18., 19., 20. 9., jeweils 16.30 Uhr.