Nina Poláková, Alexis Farabosco: Streiten zu Mozarts Musik. © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Nahezu ein Jahr nach der gelobten Premiere des Doppelabends mit Choreografien von Thierry Malandain, stehen „Mozart à deux“ und „Don Juan“ wieder im Programm der Volksoper. Als Auftakt der Ballettsaison 2015/16. Die erste Vorstellung der neuen Serie konnte mich nicht überzeugen.

Emotionen auf Urlaub. Fünf Paare erzählen miteinander und gegen einander von der Liebe, die blüht und auch verwelkt, zu Adagios aus Mozart-Klavierkonzerten (am Piano Chie Ishimoto), technisch perfekt und elegant, aber etwas blutleer. Als mechanische Übungen schnurren die Pas de deux im subtilen Lichtdesign von Jean-Claude Asquié (Umsetzung: Christian Grossard) ab, die Emotionen sind noch auf Urlaub. Lediglich Nina Poláková und Alexis Farabosco können ihre turbulente Beziehung nahezu lautstark ausleben. Das einzige Paar auch, dass Choreograf Malandain gemeinsam abgehen lässt. Versöhnt offensichtlich. Kühl wirkt diesmal auch das nur oberflächlich erotische Getändel des „jungen“ Liebespaares (Nina Tonoli, Davide Dato) und auch die reife, vom Wissen des Endes getragene Liebe des letzten Paares (Ketevan Papava, Mihail Sosnovschi) zum bekanntesten aller Adagios (Klavierkonzert Nr. 21, C-Dur) trafen im Zuschauerraum auf so einige geschlossenen Lider. Da halfen auch die hämmernden Schläge auf die Tasten des Klaviers und die Energie des Dirigenten Jiři Novak am Pult des Orchesters der Wiener Volksoper wenig. Der Kontur (Laszlo Benedek)kämpft mit Don Juan (Maratin Winter). © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Barocke Theatralik. Dramatisch und opulent zeigt sich nach der Pause, Leben, Lieben und Sterben des Don Juan, dreifach auftretend im roten Mantel (Gleb Shilov, Martin Winter, Felipe Vieira). Malandain erinnert zur Musik von Christoph Willibald Gluck auch in so mancher Bewegung an den höfischen Tanz. Dazu passt, dass der Choreograf auch Männer in Kleidern tanzen zu lassen. Ironie und Pikanterie lassen schmunzeln. Die Damen sind nicht definiert, das Ensemble ist alles, was dem dreigestaltigen Verführer vor die Füße rollt, mehr oder weniger willig. Lászlo Benedek ist ein würdiger Kontur, Keisuke Nejime der bestrickende Tod im weit schwingenden schwarzen Plisseerock.

Don Juan: Schlussbuld im Höllenfeuer. © Wiener Staatsballett / Ashley TaylorTod – Liebe – Mann (Don Juan) bilden für Malandain ein Dreieck, das sich auch im Bühnenbild widerspiegelt. Der große Banketttisch lässt sich in viele Dreiecke zerlegen, die gekippt und gedreht werden, zu bizarren Bildern geordnet werden und sich am Ende zum Höllenpalast auftürmen durch den die Furien den Schürzenjäger im roten Licht den Flammen übergeben. Sorgsam und mit Verve geleitet von Novaks Taktstock.

Thierry Malandain: „Mozart à 2 | Don Juan“, 16. September, Wiener Staatsballett in der Volksoper.
Weitere Vorstellungen: 20., 29. September; 27. Oktober; 2., 25. November 2015.