Spyderling ist eine Figur, die es gar nicht gibt, oder der (die, das?) Spyderling versteckt sich einfach und falls er sich am Telefon meldet, so ist das nur ein Hirngespinst der erzählenden Person. Diese nennt sich Daytona Sepulveda und entwirft Brettspiele, was anscheinend in der Zeit, in der der Text des Jungautors Sascha Macht spielt, hoch in Mode ist. Der unsichtbare Spyderling hat die Elite der Spieleentwerfer und -entwerferinnen in sein riesiges Anwesen in Moldawien (im Buch Moldau genannt) eingeladen. Und dort hängen die Auserwählten nun herum und warten. Nicht auf Godot, aber auf Spyderling, der ebenso wenig erscheint wie der von Samuel Beckett erdachte Unsichtbare.
Weiterlesen
Werk 89 & Marionettentheater Schwandorf zeigen eine Schiffsreise. „Leinen los!“ lebt von den Puppen, bewegt und gesprochen von Michael A. Pöllmann, und dem wunderbaren Segelschiff aus Holz. Zwei Kinder spielen Hänschen klein und segeln in die weite Welt hinein, sie bleiben nicht allein, denn allerlei exotische Passagiere wollen mitsegeln. Premiere des märchenhaften Puppenspiels war am 11. Februar im Dschungel.
Weiterlesen
Mit dem erst in dieser Saison zusammengefügten Ensemble von Tanzlinz hat der indisch-australische Choreograf Ashley Lobo das Tanzstück „Buddha“ einstudiert. Buddha ist weder Gott noch Prophet, sondern einer, der erwacht ist und gelernt hat, den beschwerlichen Lebensweg, der nur von kurzen Glücksmomenten gelindert wird, mit Gleichmut zu ertragen. Sechs Tänzerinnen und sieben Tänzer zeigen bei der Premiere am 10. Februar in der Black Box des Musiktheaters mit Energie und Präzision ein rätselhaftes Stück, das beeindruckt, aber auch ermüdet und kaum zu entschlüsseln ist.
Weiterlesen
Zwei Uraufführungen und eine eigens für das Wiener Staatsballett erdachte Neueinstudierung einer Choreografie sind unter dem Allerweltsbegriff „Begegnungen“ zu einem dreiteiligen Ballettabend zusammengefasst. Getanzt hat das Wiener Staatsballett in der Volksoper. Alexei Ratmansky hat seine 2013 für das Royal Ballet geschaffene Choreografie „24 Préludes“ (von Frédéric Chopin) für Wien adaptiert; Martin Schläpfer lässt ein großes Ensemble zu Ludwig van Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur tanzen und dazwischen ist ein neues Werk von Andrey Kaydanovskiy eingeklemmt: „Lux Umbra“ zur Komposition von Christof Dienz. Gerrit Prießnitz dirigiert das Orchester der Wiener Volksoper.
Weiterlesen
Aufruhr unter den Naturwissenschaftlern, Archäolog:innen und Anthropolog:innen müssen sich mit „Einer neuen Geschichte der Menschheit“ auseinandersetzen. David Graeber, ein Publizist und Kulturanthropologe, und der Archäologe David Wengrow wittern Morgendämmerung und haben unter dem Titel „The Dawn of Everything. A New History of Humantiy“ ein dickes Buch verfasst, in dem sie beweisen, dass die Geschichte der Menschheit umgeschrieben werden muss. Die akribische Recherche samt aufregender Beweisführung ist von einem Dreierteam eilig übersetzt worden und Ende Jänner im renommierten Verlag Klett-Cotta mit dem Titel „Anfänge. Eine neue Geschichte der Menschheit“ erschienen.
Weiterlesen
Ein Debüt, das sich lesen lassen kann, der Auftakt zu einer dreiteiligen „böhmischen Familiensaga“. Für ihr Debüt hat sich Gabriele Sonnberger vom Schicksal ihrer Mutter inspirieren lassen, die, wie die Romanfigur Erika, im südböhmischen Dorf Hohenfurth (Vyšší Brod) aufgewachsen ist. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs und der Gründung der Tschechoslowakei erhalten alle deutschen Bewohner den amtlichen Befehl, das Land sofort zu verlassen. In „Abschied von der Heimat“ erzählt Sonnberger von Erikas sonnigen Kinderjahren und den schwierigen Schuljahren mitten im 2. Weltkrieg bis zur Vertreibung danach.
Weiterlesen
Jefta van Dinther, Choreograf und Tänzer, geboren in den Niederlanden, aufgewachsen in Schweden, ist längst ein Star der internationalen Tanzszene, auch im Tanzquartier werden seine meist düsteren und rätselhaften Choreografien jubelnd beklatscht. Trotz der Corona-Beschränkungen war die Premiere seiner jüngsten Arbeit – „On Earth I’m Done: Mountains“ – am 21.1. im Tanzquartier nahezu ausverkauft. Mit dem Cullberg-Tänzer Freddy Houndekindo hat van Dinther ein Solo erarbeitet, in dem optische, akustische und kinästhetische Effekte zu einer Einheit werden.
Weiterlesen
Die beiden Autoren, Beppo Beyerl und Thomas Hofmann, treffen einander immer dann, wenn es in Wort und Bild um Wien und seine Bewohnerinnen geht. Beyerl, 1955 in Wien / Hadersdorf geboren, ist von Beruf Wienkenner, Erzähler und Schreiber, die Vergangenheit ist ihm ebenso nahe wie die Gegenwart; sein Mitautor Hofmann, 1964 ebenfalls als Wiener geboren, ist Leiter der Fachabteilung Bibliothek, Verlag & Archiv der Geologischen Bundesanstalt, da bleibt offenbar auch viel Zeit zu schreiben, solo und à deux. Das neueste Werk des Duos handelt von den Dörfern, die rund um den Kern von Wien als Vororte ab dem 19. Jahrhundert in mehreren Schüben eingegliedert worden sind, die Stadt zwar vergrößert, doch ihre dörfliche Struktur oft behalten haben. Beyerl und Hofmann bieten einen reich bebilderten Spaziergang durch die Stadt und an ihre Ränder.
Weiterlesen
Unter dem Titel „Liebeslieder“ verbirgt sich ein dreiteiliger Abend mit Choreografien von Jerome Robbins, Lucinda Childs und George Balanchine. Für das Wiener Staatsballett eine Premiere, in der alle Tänzer:innen ihren Part zum ersten Mal tanzen. Das tanzaffine Publikum darf einen Blick zurück in die Tanzgeschichte tun und in Erinnerungen schwelgen, sind doch sowohl „Other Dances“ (Robbins) wie auch „Liebeslieder Walzer“ (Balanchine) schon vom Wiener Staatsballett / Ballett der Staatsoper (alter Name) getanzt worden. „Concerto“ (Childs) war beim ImPulsTanz Festival zu sehen. Alle drei Stücke sind bereits im vergangenen Jahrhundert entstanden. Die erste Aufführung der aktuellen Serie von „Liebeslieder“ am 14. Jänner ist vom „Premieren“-Publikum galamäßig mit Applaus, auch zwischen den einzelnen Sätzen, aufgenommen worden.
Weiterlesen
Die Letzte Vorstellung dieser Saison des Balletts „Onegin“ von John Cranko war der Ersten Solotänzerin Nina Poláková gewidmet. Nach mehr als 15 Jahren im Ensemble des Wiener Staatsballetts hat Poláková Wien verlassen, um in ihrer Heimat die künstlerische Leitung des Balletts am slowakischen Nationaltheater in Bratislava zu übernehmen. Mit ihrer Lieblingsrolle, der Tatjana im Ballett „Onegin“, hat sie sich, bereits als Gast, am 11.Jänner vom Publikum und ihrem Ensemble verabschiedet.
Weiterlesen