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ImPulsTanz: Ole Martin Meland – Ein Ereignis

Dank einer Kooperation zwischen ImPulsTanz und dem seit einem Jahr im norwegischen Bergen von Bettina Kogler künstlerisch verantworteten BIT Teatergarasjen konnte dem Choreografen und Tänzer Ole Martin Meland dieses Jahr zum ersten Mal in Wien begegnen. Im Rahmen der [8:tension]-Reihe wurde dessen für den Norwegian Critics Award 2025 nominierte Arbeit Jeg brakk im Odeon präsentiert. Ein Ereignis.
Klatschnass kommen die fünf Performer:innen von der linken Seite auf die mit schwarzem Tanzboden ausgelegte, sonst leere Spielfläche. Nicht einfach sommerlich besprüht, mit frisch gewaschenem Haar. Nein: triefend in ihrer Alltagskleidung: T-Shirt, Jeans, transparente Leggings, Turnschuhe, immerhin alle mit Knieschützern. Die sind auch nützlich, denn was die Tänzer:innen in Ole Melands jüngster Choreografie Jeg brakk in diesem rund einstündigen symphonischen Ereignis vollführen, ist alles andere als bruchsicher.
Raumgreifend. Es beginnt mit ersten Bewegungen des am vorderen linken Rand formierten Ensembles. Und mit Schreien. Zuerst einer der Tänzer, dann eine zweite Performerin. Laut, schmerzhaft, angestrengt; dann wieder herausfordernd, zum Kampf einladend. Die nächste Sequenz ist dann auch konsequent wild.
Eine bis an die Grenzen physischer Gewalt gehende Annäherung. Aneinander, den Ort, die Körper der anderen – und den eigenen. Kopf- und Handstände, Heben und Fallenlassen, vertraut und fremd, den Körper quer der Wand entlang gelegt, nur um in dieser Pose erneut zu schreien.Da und dort holen die Tänzer:innen „asteknaller aus ihren tropfenden Outfits.
Es knallt. Und das nicht nur, wenn die kleinen weißen Party-Utensilien den Boden erreichen, sondern auch, wenn es die Körper der Tänzer:innen tun.
Kunstvoll kriechen. Irgendwann hat sich auf diese Weise die Gruppe wieder als solche formiert, dieses Mal im linken hinteren Bühnenraum. Von hier aus lassen sich die Performer:innen auf den Boden fallen. Ich sehe einen Schlangenhaufen – oder eigentlich Regenwürmer, dann wieder eine Wellenbewegung, wenn sich die Gruppe nun in bodennah robbenden Bewegungen nach vorne rechts bewegt.
Wie in allen Passagen dieser choreografischen Menschheitssymphonie fügt sich auch hier die Soundfläche in das sich erhebende Gemeinschaftsmeer, entspringen die Beats den Bewegungen.
So solistisch das darauffolgende Bild ist, in dem sich Sebastian Biong aus der Gruppe schält, die für seinen getanzten Aufschrei wider die alltägliche Gewalt den Raum frei macht, so allgemein gültig scheint der choreografische Aufschrei, trotz der Stille, in der Biong diesen vollführt, zu sein. Verletzlich, wütend, zerbrochen, wie es schon der Titel des Stücks anklingen lässt, ist diese Figur.
Dann: Nebel. Schier endloser Nebel, der die Weiten in Raum und Zeit, die dieser Abend eröffnet, weiter dehnt. Der Saal verschwindet endlose Minuten lang im Nebel und mit ihm auch wir. Nur der Sound bleibt. Wir sind im Wald. Nebelwald ohne ein Vor, ein Zurück.
Während sich der Nebel schließlich rasch und gefühlt ziemlich kalt aufzulösen beginnt, entdeckt man die fünf Performer:innen in wieder neuen Konstellationen. Verstreut liegen, kauern, sitzen sie im Bühnenraum; vereinzelt sind nun alle. Zur Ruhe gekommen scheinen sie nur an der Oberfläche ihrer immer noch klatschnassen Körper. In den nun folgenden Bewegungsminiaturen verändern sie ihre Positionen kaum noch sichtbar. Eine hat nun einen Hut auf, ein anderer trägt jetzt einen Rucksack, aus dem im Vorbeugen in slow motion Steine fallen, aus Melands Hemd und Hose fallen ebenfalls Steine. Auch diese Sequenz fesselt durch ihre Intensität und Dichte.
Unheimliches Lagerfeuer. In der finalen Sequenz rücken die Performer:innen eng zusammen. In einer Art Körperflamme vor einem rot auf die Gruppe leuchtenden Scheinwerfer vollenden sie das Stück mit einem (Ab)Gesang an das Feuer – chorisch, dann wieder kanonartig bis hin zu solistisch versetzten Stimmen.