Simone Lappert, *1985. © Ayse Yavas

Eine junge Frau steht auf dem Dach und niemand weiß, was sie vorhat. Die Polizei wird gerufen, die Gaffer sammeln sich, warten, dass sie springt. Doch es passiert nichts, sie kommt nicht herunter, steigt nicht durch die Dachluke zurück, springt auch nicht. Was geht in ihr vor? „Der Sprung“ nennt die Schweizer Autorin Simone Lappert ihren Roman, der von den ganz gewöhnlichen Menschen erzählt, von Menschen, denen wir täglich begegnen, sie aber nicht beachten. Ihre Lebenslinien kreuzen sich auf dem Schauplatz, in dessen Mittelpunkt die Frau in gefährlicher Position steht.

Ditta Rudle
Anna Enquist liest  in Frankfurt. © GideonK/ wikipedia.org

Auf einem Hausboot in Amsterdam geben sich vier Menschen der Musik hin. Sie spielen Quartett. Ein Kind ist auch auf dem Boot, als ein Exsträfling die Gruppe überfällt, sie mit dem Messer bedroht und verletzt. Die Polizei trifft ein, der Verbrecher wird verhaftet, scheinbar ist alles wieder in Ordnung. In ihrem Roman „Denn es will Abend werden“, erzählt Anna Enquist, dass nichts mehr in Ordnung ist. Die Frauen und Männer sind schwer traumatisiert, und jede(r) versucht, alleine damit zurechtzukommen.

Ditta Rudle
Kanae Minato © Hiroyuki Yamaguchil

Fünf junge Burschen wollen eine Party feiern. Einer kommt zu spät, und der ihn mit dem Auto abholen soll, hat einen tödlichen Unfall. Jahre später muss die Frage beantwortet werden, ob der Unfall ein bedauernswerter Zufall,  Selbstmord oder gar ein Mord war. Ein Krimi mit dem Zweifel als Kommissar und dem Gewissen als Richter.

Ditta Rudle
Friedrich Ani, Autor mit vielen Talenten, als Redner bei einer Demo 2018. © wikpedia / H. Schlottmann-stten

Einen Kriminalroman kann man Friedrich Anis neuen Roman nicht nennen, auch wenn gleich drei Kommissare und eine Kommissarin auf der Suche nach einem Täter sind. Ani-Fans kennen sie alle, Tabor Süden, Jakob Franck, Polonius Fischer und Fariza Nazri, die einzige, die sich selbst zu Wort meldet und einen Teil der Geschichte erzählt. Doch die Jagd nach Tätern steht nicht im Mittelpunkt des Romans, „All die unbewohnten Zimmer“ fesselt vor allem durch einen tiefen Blick in alte Augen und kaputte Seelen.

Ditta Rudle
Autor Ian McEwan. © Annalena McAffee

Der große britische Autor Ian McEwan erobert mit dem Roman „Maschinen wie ich“ ein neues Genre: Science-Fiction, die erdachte Zukunft. Diese spielt bei ihm allerdings im Jahr 1982, damit er allerlei historische Exkurse einfügen kann. Zugleich erzählt er eine Liebesgeschichte, verpackt diese in einen Krimi und lässt sie zur Dreiecksgeschichte werden. Der Dritte in dem Spiel ist jedoch kein Mensch, sondern ein Android oder Replikant, also eine Maschine, die wie ein Mensch aussieht und sich auch menschenähnlich verhält.

Ditta Rudle