Anne Holt mit jüngerem Bruder und Co-Autor Even. © Piper

Zum zweiten Mal haben sich die Geschwister Anne und Even Holt zusammengetan, um einen Thriller zu schreiben. Das bereits im Buchtitel angerissene Thema hat wohl  der Herzspezialist Even Holt vorgegeben. Es geht um den plötzlichen Herzstillstand bei Fußballern in England, den der neue norwegische Arzt Ola Farmen bald in Zusammenhang mit einer unerklärlichen Leistungssteigerung mancher Mitglieder des FC Notting Hill bringt. Etwas hilflos wendet er sich an seine langjährige Freundin und Mentorin Sarah Zuckermann.

Der FC Notting Hill ist das Hobby des ruhm-, macht- und geldgierigen Multimillionärs Najib Aysha, der außerdem ein Faible für kostspielige Bilder hat. Wie im ersten gemeinsam geschriebenen Roman („Kammerflimmern“, Piper, 2011) haben die Geschwister Holt auch diesmal die Kardiologin Sarah Zuckermann als Schlüsselfigur aufgebaut, die neugierig und unermüdlich nach den Ursachen der seltsamen Beobachtungen sucht. Ein wenig viele Fäden findet die renommierte Ärztin, deren Freund zufällig als Trainer bei Notting Hill angestellt ist, um ein Muster zu erkennen. Einer führt sie zum israelischen Geheimdienst Mossad, ein anderer zu dem Kunstraub, von dem der mächtige Clubbesitzer zehn Jahre davor betroffen war. Ola verbeißt sich in die Praktiken der Pharmafirmen, auch die Börsengeschäfte sind zu beachten. Die von Najib Aysha sind reichlich undurchsichtig.

Anne Holt ist nicht nur eine routinierte Erzählerin, die es versteht den Spannungsbogen einer Geschichte zu halten, sie verspürt offenbar auch einen geheimen Bildungsauftrag. Wie laufen die Praktiken des Mossad, wie funktionieren die Muskeln eines Fußballers, warum kauft jemand ein winziges Pharmaunternehmen? Auch die nicht gestellten Fragen werden ausführlich beantwortet.
Als Sarah endlich die richtige Eingebung hat, die alles erklärt und den skrupellosen Millionär endlich zu Fall bringt, habe ich ein Schnellstudium in mehreren Fächern absolviert. Manche Seminare habe ich allerdings geschwänzt und allzu detaillierte Erklärungen einfach übersprungen.
Unterhaltung mit Tiefgang. Spannend ist nicht nur die Suche nach der Ursache der Infarkte und den dafür Verantwortlichen, sondern auch das Schicksal der betroffenen Personen, die von den Holts recht lebensnah geschildert werden. Ich hätte nichts dagegen, Sarah Zuckermann auch im nächsten Holt & Holt wieder zu begegnen. Den in Sarah verliebten Trainer, Johannes Funkel, werde ich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr treffen. Zwar hat er Zuckermanns 51. Geburtstag doch nicht vergessen, aber ihr Liebeszyklus von drei Jahren scheint sich stark verkürzt zu haben. Neuerdings hat sie Wichtigeres zu tun als mit ihm am Telefon zu plaudern. Sie drückt den Anruf einfach weg.

BuchcoverAnne Holt / Even Holt: Infarkt,
übersetzt von Gabriele Haefs.
Piper 2015, 448 S.
€ 20,60.