"aCORdo" – Vier Interpreten aus den Favelas. © Bea Borgers

Agitationstheater im Stübchen. Die brasilianische Choreografin Alice Ripoll geht mit ihrer Gruppe Cia Rec auf das Verhältnis zwischen oben und unten, zwischen Besitzenden und Besitzlosen in Rio de Janeiro ein. „aCORdo“ („Vereinbarung“, das portugiesische Wort „cor“ bedeutet Farbe) ist 2017 als Auftragswerk für ein Festival in Rio entstanden und setzt sich mit der Einstellung der Stadt zu ihren Bewohner*innen auseinander. Vier Performer agieren in einem kleinen Raum, das Publikum muss nolens volens mitspielen. Am 14. Mai hat „aCORdo“ in der ehemaligen Eierbörse im Oden, einem schönen Zimmer mit großen Fenstern, Lustern an der Decken und Parkettboden unter den Füßen, stattgefunden.

Ditta Rudle
Liudmila Konovalova (Médora), Kimin Kim (Conrad)

Kimin Kim, Principal Dancer beim Ballett des Mariinski-Theaters in St. Petersburg, hat das Wiener Publikum bereits als Albert im Ballett „Giselle“ begeistert. Im Mai war er zweimal als Conrad in Manuel Legris Adaptation des dreiaktigen Balletts von Marius Petipa zu sehen. Der in Korea geborene und ausgebildete Tänzer weiß, was dem Publikum gefällt und bietet eine großartige Show.

Ditta Rudle
Agnieszka Dmochowska Karin Pauer tanzen in  die Zukunft.

Der lange Titel gibt Auskunft über die Gedanken und das Konzept der Choreografin: „the next five hundred thousand years of movement“. Gemeinsam mit der Tänzerin Agnieszka Dmochowska blickt Karin Pauer zum zweiten Mal in die Zukunft der Bewegungen. Werden es in fünfhunderttausend Jahren noch menschliche sein? Eine ebenso unterhaltsame wie anregende, feinst konzipierte Arbeit in drei Akten.

Ditta Rudle
Remmidemmi im Cabaret.

Mtit fröhlichem Engagement zeigt das Ensemble der Budapester Oper die komische Version des Balletts „Sylvia“, geschaffen 1972 vom ungarischen Ballettmeister und Choreografen László Seregi (1929–2012) zur romantischen Musik von Léo Delibes. Die köstliche Choreografie hat nichts von ihrem Charme verloren, davon kann sich das Publikum auch im Mai 2019 überzeugen. Die Vorstellungen finden, während das Opernhaus renoviert wird, im schon vor einigen Jahren renovierten Erkel-Theater statt.

Ditta Rudle
Alexandra Sommerfeld ist Millie im eisernen Gefängnis.

Im langgestreckten, hellen Raum der Galerie Elisabeth & Klaus Thoman inmitten der großformatigen Bilder von Hermann Nitsch inszeniert Sabine Mitterecker / Theater.punkt das 1961 uraufgeführte Drama „Glückliche Tage“ von Samuel Beckett (1906–1989). Quasi als Ausstellung einer Ikone, die es neu zu betrachten gilt. Die Premiere der zweiaktigen Tragikomödie, auch mit mehr als 50 Jahren immer noch in den Spielplähnen der großen Bühnen, ist am 9. Mai mit Begeisterung aufgenommen worden.

Ditta Rudle
Drei zierliche Odalisken (Natascha Mair, Nikisha Fogo, Nina Tonoli).

Mit dem romantischen Ballett „Le Corsaire“, nach Vorbildern von Manuel Legris zu einem Pasticcio aus Noten verschiedenster Ballettkomponisten für das Wiener Staatsballett choreografiert, haben vor allem Wienbesucher*innen und Opernfreund*innen, die in ihrem Abonnement auch ein Ballett in Kauf nehmen müssen, ihre Freude. Im exotischen Ambiente rollt eine einfache, leicht verständliche Handlung ab, die Kostüme sind bunt, die Burschen tapfer, die Mädchen schön. Der Erfolg ist garantiert, auch bei der Wiederaufnahme am 2. Mai.

Ditta Rudle