Navaridas & Deutinger: Bounce – Springen im Takt
Eine Choreografie wie aus dem Bilderbuch, ein Abenteuer mit Musik und einem wohlgestalteten, überaus dynamischen und bärenstarken, kämpferischen Trio. Das kompakte Festivalprogramm Bounce von Marta Navaridas und Alex Deutinger ist endlich auch in Wien gelandet, um das Netz aus Klang und Bewegung, Licht und Raum, Kostüm und Maske auszuwerfen und die Zuseherinnen damit einzufangen. Es ist gelungen. An drei Märztagen im großen Saal des Wuk.
Bounce – springen, hüpfen, federn, auch zurückwerfen, reflektieren und als Substantiv –Sprungkraft, Aufprall und Hubschwingung, das ist irgendwas am Auto, hängt mit der Federung zusammen und ist vielleicht sogar auch auf der Bühne zu sehen, wie auch alle anderen Lesarten von Bounce. Stampfen und Trampeln tut wohl, weil die Wut endlich den die Schwingtür mit den Buchstaben Exit gefunden hat
Unter den metallenen Stegen sind Mikrofone, die die Lautstärke der Tritte verstärken, über den Sneakers tragen die Bühnenstars, Bruna Diniz, Matteo Haitzmann und Marta Navaridas, Stiefelschaft die schlappend, klappend ebenfalls als Verstärker dienen. Die roten Springschnüre tanzen mit, werden wie Lassos geschwungen, zerschneiden die Luft und schlagen als Rhythmusinstrumente krachend auf den Boden.
Um korrekt zu bleiben, es sind fünf Stars auf der Bühne. An den beiden hinteren Ecken steht je ein Musiker. Rechts der international bekannte Komponist und Harfenist Eduardo Raon, der sein Instrument auf höchst eigene Art behandelt. Links gibt Klangkünstler Manuel Riegler den Rhythmus an, verbindet elektronische Klänge mit digitalem Sound. Dass die Herren nicht im Verborgenen musizieren, sondern als Performer teil dies Teams sind, ist logisch bei einer so offenen Performance.
Es gibt kein Thema, keine Botschaft, keine Geständnisse und manipulatives Gerede. Das Publikum darf denken, was es will, auch gar nichts und einfach dieses Gesamtkunstwerk aus Tanz und Sport, Musik, Rhythmus und Takt, aus Licht und Nebelschwaden die gemeinsam fantastische Räume zum Träumen bilden. Allerdings sind die Träume nicht immer süß, sie bergen Aggression und auch Abscheu. Wenn die drei sportlichen Tänzerinnen synchron in der Reihe nach vorne marschieren und die Seile schwingen, dann wähne ich mich im Stadion von Pjöngjang (DVRK), wo exakt und abgezirkelt die Massengymnastik abschnurrt.
Der Albtraum ist schnell beendet, das Trio gibt sich dem Schnurspringen hin, fliegt fast in den Himmel, die Füße zappeln und trappeln rasend schnell und noch schneller und schneller, wer es kann, dreht die Schnur durch Sohlen ohne Boden. Ich fange zu schwitzen an.
Es muss eine Pause geben. Matteo Heitzmann widmet sich in dieser dem Gesang, die Damen keuchen fertig.
Wie mich Regisseur Alex Deutinger danach aufklärt, ist „Damen“ der falsche Begriff, der Grundgedanke des Teams ist nämlich, dass sie alle als Piraten auf der Bühne sind. Freiheitsliebend und abenteuerlustig. Kostümdesignerin Annemarie Arzberger hat die Truppe mit Esprit und Fantasie eingekleidet, sodass sich immer wieder neue Aus- und Einblicke eröffnen und die Mode zur Performerin wird. Ein letztes Mal schneiden die aus dem Handgelenk geworfenen Seile die von Nebel und Licht erschaffenen Räume und ich ziehe den Kopf ein, falls eine der Schnüre entkommt und in Richtung Zuschauerinnen saust. Doch jede Faust bleibt geschlossen und das Licht erlischt. Mit einem Knall natürlich.
Navaridas & Deutinger: Bounce, WuK: 19., 20., 21. März 2026
Konzept, Regie, Choreografie: Alex Deutinger, Marta Navaridas
Performance: Bruna Diniz, Matteo Haitzmann, Marta Navaridas
Musik Performance: Eduardo Raon, Manuel Riegler
Sounddesign: Lukas Froschauer; Kostüme: Annemarie Arzberger; Lichtdesign, Bühnenbild: Samuel Schaab
Produktionsmanagement: mollusca productions
Fotos: David Kranzelbinder, Johanna Lamprecht, Elsa Okazaki (Porträt)