Wenn Daniela Georgieva und Hugo Le Brigand auf der Bühne erscheinen, ist klar: Im Mittelpunkt ihrer Performance „270206“ steht nicht, wie so oft, ein Selfie, die Präsentation des eitlen Selbst, sondern der Körper, der Tanzkörper in Bewegung. Nähe und Distanz, Isolation und Gemeinschaft, innige Umarmung und kalte Zurückweisung. Mit „270206“ haben Georgieva und Le Brigand im brut nordwest ein Tanzstück gezeigt, das neben der Freude an der Bewegung und der Begegnung zweier Körper auch vermittelt, dass der Tanz, der trainierte Körper im Raum aus Licht und Klang, noch existiert.
Weiterlesen
Tänzer bleiben Tänzer, auch wenn sie älter werden und der Körper Grenzen setzt. In einer Fernseh-Dokumentation beleuchtet Henrike Sanders den schwierigen Prozess des Abschieds von der Bühne, dem Freundeskreis, dem täglichen gemeinsamen Training. Ballettstars wie Polina Semionova oder Friedemann Vogel reflektieren über diese Zeit des Übergangs. „Ich denke immer, das Beste kommt noch“, sagt der Ausnahmetänzer Friedemann Vogel. Der eindrucksvolle Film mit Interviews und Ausschnitten aus dem Ballettsaal und von Aufführungen ist ab 20. November auf ARTE zu sehen. Auch Ballettfans müssen stark ein: Die Beginnzeit der 50 Minuten ist 23.25 Uhr.
Weiterlesen
Gefühle sind das Thema in der 1. Saison, der „emotionalen“, eines Performance-Projekts von Archipelago, genannt „Der Betrieb“. Die Idee ist zwischen Anna Maria Nowak und Alex Gottfarb entstanden, gemeinsam mit Anna Mendelssohn, Arttu Palmio, Karin Pauer und Charlotta Ruth ist die erste Saison konzipiert worden. Von Mittwoch bis Samstag wird jeden Nachmittag in einem ehemaligen Geschäft am Vogelweidplatz 13 getanzt, gedacht, erzählt, getextet und analysiert, spontan und emotional. Das Publikum darf kommen und gehen, wie es ihm passt und gefällt. Die Intensität der bewegten Körper und ausdrucksvollen Mienen, der Wörter und Gedanken wirft ihre Schlingen aus und man ist gefangen, kann sich kaum noch lösen. Die Zuschauerin wird zur Beteiligten.
Weiterlesen
Es ist die Luvos-Welt, die die Choreografin Editta Braun mit ihrer Company jetzt auch im Film entstehen lässt. Lange bevor die „Phantastischen Tierwesen“2016 auf der Kinoleinwand erschienen sind, haben faszinierende, fremdartige Wesen – Tier oder Mensch, Pflanze oder Alien? – in Senegalihre Premiere gefeiert. Der Urknall ereignete sich 1985. Inzwischen hat sich das Luvos-Universum über ganz Europa und darüber hinaus ausgedehnt und hat neben der Tanzbühne auch Film und Fernsehen erobert. Im Film „LUVOS migrations“ wandern die langbeinigen Wesen auch über Kinoleinwand.
Weiterlesen
Wer sich auf die Romane Friedrich Anis einlässt, gerät in eine düstere Welt, macht die Bekanntschaft von verletzten, einsamen, auch verbitterten im Schneckenhaus des Schweigens wohnenden Menschen, mit denen man im realen Leben kaum kommunizieren würde. In „Bullauge“ geht es darum, dass Licht und Schatten, rechts und links, nicht so scharf getrennt sind, wie man es gerne hätte. Im Zentrum steht die Polizei und der Polizist Kay Oleander, dem bei einer Demo in München das linke Auge verletzt worden ist.
Weiterlesen
Tanz und Musk gehören zusammen, das weiß man auch im Festival Wien Modern. „Blackboxed Voices – I am Here“ nennt Martina Claussen die performative Klanginstallation für vier Performer:innen und 32 Lautsprecher, die am 12. November in der Säulenhalle des Semper-Depots (jetzt: Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste) Premiere hat.
Weiterlesen
Allein der Titel der Aufführung ist vielversprechend, aber auch verwirrend. „Pùnkitititi!“ ist eine Produktion des Salzburger Marionettentheaters gemeinsam mit dem Pool of Invention Ensemble, inspiriert vom ebenso begnadeten wie kindischen Komponisten Wolfgang Amadeus. Gern hat Mozart sich und anderen komische Namen gegeben, mit 30 war er der Pùnkitititi. Dieser kommt im November ins MuTh, damit das Publikum auch hier etwas zum Staunen und Lachen hat.
Weiterlesen
In seinem jüngsten Roman, „Samson und Nadjeschda“, auf Russisch unter demselben Titel erschienen 2020, erzählt Andrej Kurkow vom Bürgerkrieg in der Ukraine um das Jahr 1919 und dem Chaos nach der Russischen Revolution in Kiew. Unversehens hat der historische Roman durch den Kriegsausbruch in der Ukraine im Februar an Aktualität gewonnen. Skurril, melancholisch und auch unterhaltsam sind Andrej Kurkows Romane und Erzählungen. Selbst wenn er vom Bürgerkrieg nach der Russischen Revolution in der Ukraine erzählt, behält der Autor seinen von Leser:innen und Rezensent:innen geschätzten Stil bei. Kurkow ist Gast bei Buch Wien 2022.
Weiterlesen
Mit einem Roman im Roman eröffnet Håkan Nesser die Partie. Könige, Damen und Bauern sind allerdings nicht im Spiel, weil der Titel von Nessers jüngstem Roman ein Gleichnis ist. Autoren verschwinden von der Bildfläche und Gunnar Barbarotti, der Kommissar, fragt sich, ob es angesichts des grassierenden Virus wirklich wichtig ist, nach den verschwundenen Dichterlingen zu suchen. „Ist das nicht“, denkt er, „wie Schachspielen unter dem Vulkan?“. Keine Sorge, er löst die Rätsel, es dauert nur eine Weile, denn Nesser hat einiges über den Literaturbetrieb und auch die Leser:innen zu sagen.
Weiterlesen
Eintauchen ins Mittelalter und Aufwachen in der Gegenwart. In der makemake-Produktion „Iwein“ mit Michèle Rohrbach, Martina Rösler und Bettina Schwarz wird Ritterromantik lebendig, die Frage nach der Ehre gestellt und gezeigt, dass es sinnvoll sein kann, zu kämpfen und man dazu kein Schwert benötigt. Eine überaus unterhaltsame, klug gebaute Vorstellung mit drei großartigen Darstellerinnen. Empfohlen ab 10.
Weiterlesen