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Flóra Boros: Fifty shades of purple-grey

Performerin Flóra Boros will nicht verführen.

Kinobesucherinnen aufgepasst! Der Titel ist natürlich eine Falle, denn mit der bekannten Filmtrilogie hat er nichts zu tun. Es soll kühl bleiben auf der Bühne, wenn Flóra Boros im violett schimmernden Licht im Wuk Projektraum zum Violet Glace, dem violetten Blick, auffordert. Nach der Uraufführung am 29.1. gibt es noch zwei Vorstellungen.

Flora Boros im grauen Kapuzenblouson. Fotografiert Im_flieger.Boros, in eine graue Kapuzenjacke und eine unförmige dunkle Hohe gehüllt, lehnt anfangs zu summender Musik mit dem Rücken zum Publikum an einem Tisch im Hintergrund. Später wird sie ihr Gesicht zeigen, sich auf einer Spiegelplatte bewegen, hinter den Säulen des Projektraums für einen Teil der am Rand sitzenden Zuschauerinnen verschwinden und den Oberkörper vom Grau befreien. Die nackte Haut soll niemanden irritieren oder gar animieren. Man darf schauen, aber nicht begehren. Impressionen.
Flóra Boros legt den Focus ihrer Performance auf Asexualität. Eros und Libido bleiben draußen. Das funktioniert natürlich nicht. Der Körper kann nicht abstrahiert werden, die nackte Haut bleibt nackte Haut, die nach Berührung dürstet. Die Bewegungen der Performerin sind weniger tänzerisch, auch nicht akrobatisch, einfach Bewegungen, dir mir nichts sagen. 
gespiegelte BühnendekorationSara Sternat hat die Bühne mit Spiegeln ausgestattet, Yasemin Duru sorgt für das anfangs violett schimmernde Licht, später wird es manchmal weiß flackern. Sehr hübsch. Der live Sound, beruhigendes Summen und monotones Hämmern, garniert mit ihrer Stimme, wird von Rozi Mákó geliefert. Flóra Boros hat eifrig recherchiert, liefert auf dem Programmzettel Zitate von Autorinnen, die sich mit Asexualität befassen. Aus dem Sammelband Asexualities: Feminist and Queer Perspectives, herausgegeben von Karli June Cerankowski & Megan Milks zitiert sie:

Asexualität hinterfragt das Verlangen selbst, nicht indem sie es ablehnt, sondern indem sie das, was als Intimität gilt, transformiert.Flóra Boros ganz nah.

Der Performer und Autor Kenneth Constance Loe (b. 1989, he/they) hat Boros’ Performance gesehen und im Web einen poetischen Text darüber veröffentlicht.

Musician Rozi Mákó whispers electronic soundscapes into being: she sighs glossy synths and breathes dancey beats, from still gasps to liberated outbursts. Meanwhile, the body shimmers, edges blur and hierarchies of sight dissolve under Yasemin Duru’s spotlights. Bathed in fifty shades of purple-grey and dripping with iridescent textures, the stage, glittered by Sara Sternat, starts scintillating. Body parts, revealed and concealed by translucent fabrics, oscillate between intimacy and alienation.

Schön. Doch gesehen habe ich das alles nicht.

Violet Glace, Uraufführung 29.1.2026, Weitere Vorstellungen 30., 31.1. 2026. Wuk Projektraum.
Konzept Performance: Flóra Boros
Live Sound: Rozi Mákó; Dramaturgie: Melina Papoulia; Licht: Yasemin Duru; Bühne und Kostüm: Sarah Sternat;
Recherche: mirabella paidamwoyo* dziruni ; Theorierecherche: Verena Herterich; Text: Kenneth Constance Loe.
Fotos: © Paola Lessslhumer