Drei entzückende Odalisken (Fogo, Ledan, Tonoli)  © Ashley Taylor Taylor

Drei entzückende Odalisken (Fogo, Ledan, Tonoli) © Ashley Taylor Taylor

Alles perfekt im bis auf den letzten Platz gefüllten Haus. Nina Poláková debütiert glanzvoll als Médora; Natascha Mair tanzt ebenso glänzend zum ersten Mal die Gulnare. Denys Cherevychko ist der wilde, verliebte Korsar schlechthin und Ioanna Avraam entzückt mit Partner Masayu Kimoto (Birbanto) als Zulméa.

Immer deutlicher mausert sich Manuel Legris Choreografie des Petipa-Balletts aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Publikums-Hit. Die gestraffte Handlung ist von Legris stimmig in Bewegung umgesetzt, niemand verirrt sich in der einfachen Geschichte. Der Inhalt erklärt sich von selbst durch die Tänzerinnen und Tänzer. Conrad und Médora, ein schönes Paar (Cherevychko, Poláková) © alle Bilder © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Die unterschiedlichen Charaktere der beiden Frauen, Médora und Gulnare, vom geldgierigen Lanquedem eingefangen, um als Sklavinnen dem Pascha verkauft zu werden, ist nicht nur in den Variationen der beiden zu sehen sondern auch der Figur der Tänzerinnen selbst. Poláková ist eine zupackende, tatkräftige Médora, die im zentralen Pas de deux im 2. Akt, zur von Igor Zapravdin zusammengestellten Musik von Ricardo Drigo, Boris Fitingof-Schel und Yuli Gerber (also nicht von Adolph Adam, wie der Großteil des Balletts) schmiegsam und zart im Adagio, Energisch und sicher auf der Spitze in der Variation wirkt. Cherevychko reißt mit seinen Grands Jetés das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Poláková und Cherevychko gestalten den hinreißende Pas de deux mit seinen fetzigen Variationen zum bejubelten Höhepunkt der Choreografie.

Solotänzerin Ioanna Avraam debtiert als Zulméa, Birbanto ist Masayu Kimoto Eine Klasse für sich ist auch die junge Solotänzerin Natascha Mair. Sie hat sich bereits als Odaliske und Médora in die Herzen des Publikums getanzt und sitzt mit ihrer Interpretation der Gulnare noch tiefer drinnen. Wenn sie die Bühne in der Diagonale en tournant quert, entringt sich nicht nur dem Herrn in der Loge ein tiefer Seufzer. Dass sie in ihrer Variation im „lebenden Garten“ schon etwas müde ist, wer will es ihr verdenken!

Dieser Traum des Paschas von einem Garten mit wunderbaren Blumen, in dem auch die ganz kleinen und die größeren Studierenden der Ballettakademie mittanzen (und das ohne Fehl und Tadel), bekommt endlich Schwung und Dynamik und wirkt nicht mehr so endlos lang. Poláková brilliert auch hier mit ihrer Variation.

Die Solotänzerin Ioanna Avraam zeigt als Zulméa, wie bei jedem ihrer Auftritte, welch hervorragende Tänzerin sie ist. Dass ihr Geliebter, Birbanto, dem Korsaren Conrad an die Gurgel will und sie als Überbringerin der vergifteten Blume missbraucht, dafür kann sie nichts. Nina Poláková beglückt als Médora

Francesco Costa hat nach seinem Debüt als Sklavenhändler Lanquedem in der vergangenen Saison sichtlich an Ausdruckskraft gewonnen, kann sich um die Rollengestaltung kümmern, die Variationen hat er sowieso im Körper. Zauberhaft wie immer, sind auch diesmal die drei Odalisken: Halbsolistin Eszter Ledán mit den beiden Solotänzerinnen Nikisha Fogo und Nina Tonoli.

Das Finale gehört der Ausstattung. Sturm und Schiffbruch sind spektakulär umgesetzt, dass Médora und Conrad staubtrocken an Land gespült werden, kann die Begeisterung des Publikums nicht beeinträchtigen.

Solotänzerin Natascha Mair: Blume im lebenden Garten.„Le Corsaire“, Choreografie Manuel Legris nach Marius Petipa und anderen. Musik von Adolphe Adam, Leo Delibes und anderen, ausgewählt von Manuel Legris, zusammengestellt von Igor Zapravdin. Bühnenbild und Kostüme: Luisa Spinatelli. 23. September, Wiener Staatsballett in der Staatsoper.
Nächste Vorstellungen: 1. Oktober mit Poláková (Médora), Cherevychko (Conrad) , Tonoli(Gulnare), Alexandru Tcacenco (Lanquedem) und anderen. Am 11. Und 14. Oktober tanzen Liudmila Konovalova: Médora, Vladimir Shishov: Conrad, Nikisha Fogo: Gulnare, Eno Peçi: Lanquedem, Richard Szabó: Birbanto und Anita Manolova die Zulméa.