Nikisha Fogo debutiert als Odaliske. © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Nikisha Fogo debutiert als Odaliske. © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Mit einem fulminant getanzten „Corsaire“ in der Choreografie von Manuel Legris hat das Wiener Staatsballett die neue Saison eröffnet. Solotänzerin Nina Tonoli brilliert als Gulnare im ersten Akt, die Erste Solotänzerin Maria Yakovleva im zweiten als Médora, alle beide im „lebendigen Garten“ des dritten. Robert Gabdullin, Conrad, der Korsar, hat in der Sommerpause einiges an Temperament gewonnen. Der Applaus im ausverkauften Haus war heftig.

Médora und der Corsar: Maria Yakovleva, Robert Gabdulin. © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor Legris hat mit seiner Compagnie intensiv geprobt und einige kleine Veränderungen in der Choreografie vorgenommen. Das Werk hat mehr Schwung und auch das Corps de ballet, Damen wie Herren, ist mit kräftigem Einsatz dabei. Davide Dato ist ein energischer Birbanto, der mit seinen hohen Sprüngen das Publikum begeistert. Solotänzerin Alice Firenze als ideale Zulméa, verliebt in Birbanto, begeistert als großartige Ergänzung des Ersten Solotänzers. Mihail Sosnovschi gibt den Sklavenhändler Lanquedem routiniert, doch fehlt es ein wenig an Dynamik. Die Interpretation des geldgierigen Frauenjägers durch den kürzlich aus der Compagnie geschiedenen Ersten Solotänzer Kirill Kourlaev geht mir nicht so schnell aus dem Sinn.

Über die Geschichte, die da tanzend erzählt wird, darf nicht lange nachgedacht werden, ist sie doch, trotz der Rettung des Liebespaars, Conrad / Médora, überaus schauerlich. Die Korsaren sind ebenso gnadenlose Räuber wie die Sklavenverkäufer. Auch wenn Conrad auf Médoras Bitte ein Häuflein griechischer Frauen frei lässt und sich dadurch den Hass von Birbanto zuzieht, bleibt er ein Pirat. Der Pascha (Alexis Forabosco) ist vom Choreografen wenig charakterisiert, sitzt bequem in seiner Sänfte, erfreut sich an den ihn umtanzenden Haremsdamen. Warum er von den Männern Conrads niedergemetzelt wird, ist nicht ganz klar. Alice Firenze, eine perfekte Zulméa © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Und erst das Frauenbild, das da vermittelt wird, besonders durch Gulnare im berühmten „Pas d’esclave“ in dem die Gefangene von Lanquedem mit all ihren Reizen dem Pascha vorgestellt wird. So eindrucksvoll von Sosnovschi und Tonoli getanzt wird, so deutlich erinnert dieser Pas de deux an die aktuellen Praktiken heutiger Menschenhändler. Gulnare ist als Gegenpart zur kämpferischen, selbstbewussten Médora das unterwürfige Weibchen, zufrieden und glücklich lebt sie im Harem. Wie es Médora weiterhin in der Räubergesellschaft gehen wird, ob Conrad seine Räuberseele weiß einfärbt, ist nicht mehr Teil der Geschichte.

Nina Tonoli,  eine anschmigsame Gulnare. © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor Schluss! „Le Corsaire“ ist ein Märchen aus vergangenen Zeiten. Statt zu sinnieren erfreue man sich am lieblichen Tanz der drei zauberhaften Odalisken. Solotänzerin Natascha Mair und die elegante Halbsolistin Anita Manolova haben als Neue Nikisha Fogo in ihre Mitte aufgenommen. Ein feines Trio. Die Auffrischung der drei Akte hat auch dem „lebendigen Garten“, in dem rund um die beiden Damen (Yakovleva, Tonoli) auch die Schüler_innen der Ballettakademie, ihr Spitzenkönnen zeigen dürfen, gutgetan. Schwebender klassischer Tanz, doch eine Spur zu lang. Bewundernswert die Damen des Corps, die bewegungslos, scheinbar unendlich lange mit erhobenen Armen ihre Blumengirlande halten müssen.

Begeisterten Applaus erhält auch Dirigent Valery Ovsianikov. Mit dem Orchester der Wiener Staatsoper gibt er der der Musik, vornehmlich von Adolph Adam, Feuer und Farbe. Alles in Allem also ein grandioser Einstieg in die neue Saison.

„Le Corsaire“: 7. Aufführung in der Choreografie von Manuel Legris mit Maria Yakovleva und Robert Gabdullin in den Hauptrollen. 17. September 2016, Staatsper.

Weitere Vorstellungen mit wechselnder Besetzung: 20., 23.); 1., 11., 14., 17.10. 2016.