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Der Nussknacker hopst im NEST

Fritz und Klara und ihr erster Nussknacker.

Im NEST (NEue STaatsoper), der Spielstätte der Wiener Staatsoper für junges Publikum, werden Nüsse geknackt. Eno Peçi, Choreograf und Solotänzer im Wiener Staatsballett hat sich mit Peter Tschaikowskys Ballettmusik zur Geschichte vom Nussknacker (nach E. T. A. Hoffmann) befasst und mit Mein erster Nussknacker ein Ballett für Kinder geschaffen.
Getanzt wird von den Schülerinnen und Schülern der Ballettakademie und Mitgliedern der Jugendkompanie. Premiere war am 25.3. im NEST.

Der rätselhafte Nussverkäufer Drosselmayer. Pier Abadie spielt die Rolle eindrucksvoll.Peçi bleibt bei Tschaikowsky, doch nicht unterm Christbaum. Sein erster Nussknacker ist kein Weihnachtsgeschenk, sondern springt in  in einem Geschäft, wo Nüsse und Schokolade verkauft oder auch verschenkt werden mit einem Zwilling aus einer riesigen Nuss. Keine Überraschung, dass die Kinder ihre Eltern nach der Schule in den Süßwarenladen zerren, wo ein unheimlicher Chef mit Namen Drosselmeyer die Angestellten durcheinander scheucht. Es schneit, Zeit für den Schneetanz.
Wenn das Märchen  bei E. T. A. Hoffmann Nussknacker und Mäusekönig heißt, so könnte es im NEST Drosselmeyer und die fünf Räuber heißen. Peçi hat eine lockere Folge von Gruppenszenen choreografiert, die man als Handlung sehen kann. Schließlich tanzen Schülerinnen und Schüler für Kinder, da geht es für die einen um erste Begegnungen mit Ballett und für die anderen um erste Erfahrungen auf der Bühne.
Wenn der Chef aus dem Haus ist, dann tanzen die Angestellten.Manche Figuren sind Marius Petipas Choreografie übernommen. Die Geschwister Fritz und Klara tauchen auf, Drosselmeyer, wie im Original ein geheimnisvoller Mann, ist schon erwähnt, Schneeflocken fallen und die Jüngsten dürfen ein Schneetanz aufführen. Wir sind im Märchenland, Prinz und Prinzessin sind Puppen, doch die von Tschaikowsky komponierten Tänze aus fremden Ländern dürfen nicht fehlen. IIn der Riesennuss ist eine Überraschung. einmal geöffnet, dient sie als Lehnsessel.m Finale blickt der Choreograf zurück zum klassischen Spitzentanz. Die beiden weiß gekleideten Puppen werden animiert und versuchen einen Pas de deux samt dem von mir so gern gesehenen Poisson (fliegenden Fisch). Zwei Paare, Nanoka Shimada / Charlie Keffert und Elisa Murg / Sébastien Urban Vidal tanzen wechselnd in den Vorstellungen. Nussverkäufer Drosselmeyer ist Pier Abadie, ziemlich undurchsichtig und offenbar mit Zauberkräften ausgestattet.
Der spanische T#nzer mit seinen Seõritas (am Boden liegend).Die jungen Tänzerinnen und Tänzer haben auf der viel zu kleinen Bühne viel Spaß, dürfen sich raufend und einander neckend frei bewegen und den Applaus genießen.
Der Choreograf muss damit leben, dass der rechte Seitenpavillon, des Künstlerhauses, ursprünglich französischer Saal genannt, für eine Tanzaufführung kaum geeignet ist Das Eiskonfekt-Duo (Nanoka Shimada / Charlie Keffert)und auch einem jungen Publikum nicht wirklich gerecht wird. Experimente, eine neue Tanzsprache, direkter Kontakt zum Publikum sind nicht möglich. Ab der neunten Reihe im steil ansteigenden Saal wird das live Erlebnis zum Fernsehalltag, zu weit weg ist das Geschehen unten. Für junge Zuschauerinnen wäre eine Arena mit direktem Kontakt zum Bühnengeschehen besser geeignet. Da müsste halt das Kapital (etwa 250 Sitzplätze) der Kunst den Vortritt lassen.

Eno Peçi: Mein erster Nussknacker, ein Ballett für Kinder. NEST, 25., 26., 27. März 2026.
Choreografie und Gesamtkonzept: Eno Peçi
Tanz; Schülerinnen und Schülern der Ballettakademie und Mitgliedern der Jugendkompanie der Wiener Staatsoper.
Musik: Auszüge aus Der Nussknacker OP72 von Peter I. Tschaikowsky. CD Einspielung: Sir Simon Rattle dirigiert die Berliner Philharmoniker © 2020 Warner Classics.
Kostüm: Nina Paireder; Kostüm-Mitarbeit: Sophie Brattinga; Dramaturgie: Iris Frey.
Fotos: © Ashley Taylor