Einst gab es eine Zeit, da war den Menschen Liebe, Freundschaft und Respekt wichtiger als Geld und Gold. Das war vor tausendundeiner Nacht, bei uns in Bagdad. Die Menschen zahlten für Kunst und Kultur mit ihrem Steuerbeitrag und werteten diesen auf, falls sie im Gefolge einer oder mehrerer Musen waren, durch den Preis ihrer Eintrittskarte in den Musentempeln. In vielen dieser Tempel, in der Stadt der Tänzer und Geiger, wird Musik gemacht, dazu drehen sich Ballerinen und Ballerinos.
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Ein Projekt, um Choreografie-Talente in der Compagnie zu entdecken und „jungen Choreografen“ eine Spielwiese zu geben, gibt es schon lange und in vielen Ballett-Ensembles. In Wien heißt die Vorstellung choreografischer Experimente seit diesem Jahr „Plattform Choreographie“. Die Premiere war als Matinee am Feiertag in der Volksoper angesetzt. Zwei Tänzerinnen und vier Tänzer haben sich auf die Plattform gewagt und mit Kolleginnen und Kollegen ihre choreografischen Ideen verwirklicht. Feiertag war’s, Sommerhitze herrschte, zahlende Zuschauer:innen waren kaum zu sehen. Wer gekommen war – junges Volk, Freund:innen, Kolleg:innen und alle, die mit dem Wiener Staatsballett in Verbindung sind –, zeigte mit Jubel und Applaus lautstark Begeisterung und belohnt damit auch den Mut, sich auf ein Metier einzulassen, das dem Tanz vorausgeht.
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Der Esel (Equus asinus asinus) ist nicht dumm, das sei einmal festgehalten, und die Eselei, betrieben von den Mitgliedern der schallundrauch agency ist eine kluge und abwechslungsreiche Performance. Es wird geplaudert und gesungen, musiziert, informiert und auch etwas zaghaft getanzt. Ein aufschlussreiches Vergnügen das, nach einer ersten Aufführung ohne Publikum, im Dezember 2021 an zwei Premierenabenden gezeigt worden ist und jetzt aufgefrischt Schulkinder ab 12 unterhält. Nach der kurzweiligen Vorstellung landen Eselin und Esel als Stars im Naturkundeunterricht.
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Bedächtig rollen sieben Tänzer:innen einen farbigen Teppich auf der Bühne des Odeon Theaters aus. Eine Patchwork-Arbeit aus nicht festgenähten bunten Tüchern, die später in Kostüme verwandelt werden. Mit der neuen Produktion „Encantado“ macht die brasilianische Choreografin Lia Rodrigues / Companhia de Danças auf ihrer Europa-Tournee auch bei den Wiener Festwochen halt. Auf der Bühne toben die Tänzer:innen, danach tobt das Publikum auf der Tribüne.
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Der Garten bleibt im Garten, auch wenn Lisa Hinterreithner über und mit der Natur spricht und arbeitet. Im ehemaligen Turnsaal in der Viktor-Christ-Gasse ist die Natur im Ruhezustand. Mit Hinterreithner laden drei Performerinnen das Publikum ein, die Alltagshektik abzulegen und mit der Natur in Dialog zu treten. Lisa Hinterreithner, Rotraud Kern, Sara Lanner und Linda Samaraweerová leiten das Publikum durch das sorgfältig gebaute Setting, in dem auch die Gäste Teil der Performance sind.
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Ein dreiteiliger Abend, wie ihn das Publikum liebt. Die Pausen sind länger als die Tanzstücke: Drei Choreografien aus dem Tanzarchiv, entstanden zwischen 1975 und 1992 von den Choreografen Hans van Manen, Merce Cunningham und der Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker, in der Volksoper vorgestellt vom Wiener Staatsballett unter dem Titel „Kontrapunkte“. Drei große Namen, drei interessante Werke, dennoch ist es nicht gelungen, die Volksoper zu füllen, die Ränge sind nahezu leer geblieben. Eine Premiere am Wochenden, dem Samstag vor Pfingsten, anzusetzen, von dem im ORF vollmundig behauptet wird, „ein Großteil der Österreicher ist auf dem Weg nach Süden“, zeugt von wenig Wertschätzung – für die Tanzkunst und auch deren Freund:innen.
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Zum 80 Geburtstag der Fotografin Christine de Grancy widmet ihr das Theatermuseum in Wien eine Ausstellung ihrer im Burgtheater entstandenen Fotos. 400 Bilder legendärer Produktionen aus der Direktionszeit von Achim Benning (1976–1986) hat die Künstlerin ausgewählt und in 14 Kapiteln zusammengefasst. Eine Zeitreise zurück in die Jahre als Čechov, Gorkij und Turgenjew en vogue waren und Birkenwäldchen die Bühne dekorierten.
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Am 7. Juni gilt es, den 70. Geburtstag des großen türkischen Romanciers Orhan Pamuk zu feiern. Als erster Türke hat er (2006 den Nobelpreis für Literatur erhalten, mit 11 Romane hat er die Leserschaft in aller Welt begeistert, die ungezählten Preise haben hoffentlich Freude bereitet. Sein neuer Roman, „Die Nächte der Pest“, im Februar erschienen, liegt bereits in der 4. Auflage auf den Büchertischen und bietet sich mit fast 700 Seiten bestens als Urlaubslektüre an.
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Die alte Kultur, die, die Tänze, die Rituale dürfen nicht verschwinden. Die marokkanische Choreografin und Tänzerin Bouchra Ouizguen hat drei Frauen eingeladen, mit ihr zu singen und zu tanzen, damit das gefährdete Ephemere sich nicht gänzlich auflöst. Der Elefant ist nicht von ungefähr zur Titelfigur erhoben, auch er ist gefährdet, wenn nichts geschieht, sind Elefanten bald nur noch im Tiergarten zu sehen.
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Bruno Beltrão und seine Straßengang (Grupo de Rua) sind bekannt für die Erweiterung von Hip-Hop und Breakdance zum Bühnentanz. Er unterlegt den mit Zitaten aus der Urban-Dance-Kultur garnierten Stücken politischen Inhalt. Tanz als Widerstand gegen Unterdrückung und Korruption des rechtsextremen Regimes Jair Bolsonaros. Beltrão / Grupo de Rua sind Kult, man muss ihnen zujubeln. Das Festwochenpublikum weiß das.
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